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Full text of "Hamburg historischtopographische und baugeschichtliche Mittheilungen Den Mitgliedern der XV."

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HAMBURG 

HISTORISCH TOPOGRAPHISCHE UND BAUGESCHICHTLICHE 

MITTHEILUNGEN. 



DEN 



MITGLIEDER 'KflV'XV. VERSAMMLUNG 



• ■• v: 



DEUTSCHER ARCHITECTEN UND INGENIEURE 



• » 



PA KUKUK ACHT VOH DKM 



ARCHITECTONISCHEN VEREINE. 



Zv/oitc Aulla. c. 



HAMBURG, 

VEKLAU VON OTTO M Kl S S N E Ii. 

1869. 



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Druck vun C. t;rimil>.i< Ii in l,ci|.*in. 



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V o r w o r t. 



Ein Schelm giebt mehr als er hat Hamburg hat nicht viel, was in 
einer Schrift Uber Hauwesen den deutschen Fachgenossen ein grosses Interesse 
zu bieten vermöchte. 

Die kleinsten deutschen Städte, wenn sie von dem umackernden Pfluge 
der modernen Zeit verschont geblieben sind, bieten mehr an alteu tüchtigen 
Hauwerken als das grosse Hamburg, dessen viclbewegtcs Handelstreiben 
sich mit der Pietät gegen die Hauten der Vorzeit nicht immer vertragen 
hat. Und andrerseits ist Hamburg doch nicht gross genug, um gleich 
Berlin in der Mannigfaltigkeit neuer Arbeiten das Fehlen historischer Bau- 
denkmäler vergessen zu machen. Mit Wien aber kann es noch weniger 
eine Vergleichung aushalten; denn dort findet sich an Altem und Neuem so 
Vieles und Ausgezeichnetes, dass die Beschreibung desselben nicht allein 
für die vorige, die 14. Versammlung deutscher Architccten und Ingenieure, 
für welche sie bestimmt war, sondern auch für ganz Deutschland einen 
bleibenden Werth behält. 

In Wien ist Hamburg zum Sitz der jetzigen Versammlung bestimmt 
worden, und die Hamburger Fachgenossen haben es nicht unterlassen 
wollen, gleich Wien und Hannover eine Beschreibung ihrer Stadt zur 
Oricntirung der fremden Collegen und als Erinnerungszeichen an die Zeit 
der Versammlung zu versuchen, obschon sie sich bewusst sind, dass sie 
nach keiner Seite hin dem Wiener Buche etwas Ebenbürtiges an die Seite 
stellen können. Nicht allein das Material fehlt, auch die technischen Mittel 
zur Ausführung sind nicht immer leicht zur Hand; zudem ist zu erwähnen, 
dass die Arbeit manche zufällige Verzögerung erlitt, was zur Folge hatte, 
dass man die Redaction ftlr den zweiten Theil übereilen musste, wie die 
verschiedenartige Behandlung und die oft nur lockere Zusammenfügung 
einzelner Stoffe erkennen lassen wird. 



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IV 



Wir bringen ohne Scheu was fertig geworden ist; denn wenn es auch 
als Ganzes mangelhaft erscheint, so ist es doch wahr in den Einzelheiten, 
und giebt, wenn kein abgerundetes, doch ein richtig skizzirtes Bild der 
Stadt in ihrer Vergangenheit und Gegenwart, mit besonderer Berücksich- 
tigung ihrer baulichen Erscheinung. Dass diese nicht überall im Vorder- 
grunde geblieben ist, liegt in unserm Bestreben begründet, nicht so sehr die 
Architectur Hamburgs festlich und vorteilhaft vorzuführen, als vielmehr 
unsere liebe Stadt in ihrer Arbeitseinrichtung am Werktage zu zeigen, mit 
der Alltag8phyBiognomie, in welcher Gänge, Fleete und Verbindungsbahuen 
manche Furche gezogen haben. 

An der Entstehung dieses Buches haben viele Mitglieder des architec- 
tonischen Vereins mit Zeichnung und Beschreibung hülfreich sich betheiligt. 
Aber das unterzeichnete Redactionscomite hätte das Buch und besonders 
den ersten, den historischen Tbeil mit den auf die Jetztzeit gerichteten 
Arbeiten der Mitglieder nicht herzustellen vermocht ohne die gütige Hülfe 
anderer Hamburger, denen der verbindlichste Dank des Vereins gebührt 
Deu gesammteu ersten Theil lieferten mit freundlicher Bereitwilligkeit die 
Herren: Senatssecretair Dr. Otto Beneke, C. F. Gaedechens, Mabtik Gexsi.er, 
fltr den zweiten Theil: die Mittheilung über die Hauptkirchen Herr Ober- 
küstcr Stüter, fast das gesammte übrige Material aber mit Ausnahme der 
technischen und architeetonischen Beschreibungen Herr Nessmann, Vorstand 
des statistischen Bureaus der Steuerdeputation, ohne dessen rastlose Thätig- 
keit wir selbst bei der besonnenen Geschäftsführung unseres Verlegers, des 
Herrn Otto Meissner, nicht im Stande gewesen sein würden, die Schrift 
rechtzeitig zur Vollendung zu bringen. 

Indem wir sie den Genossen der 15. Versammlung deutscher Archi- 
tecten und Ingenieure als eine anspruchslose Festgabe des architeetonischen 
Vereins ergebenst Überreichen, bitten wir, dieselbe mitsammt dieser kleinen 
captatio bcnevolentiae freundlich aufnehmen zu wollen. 

Hamburg, im August 1S68. 

Das Redactionscomite des architeetonischen Vereins: 
Dalmann. Martin Haller. Hastedt Andreas Meyer. 



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Inhaltsübersicht 



I. Das alte Hamburg. 

8«llc 

1. Hin Blick auf Hamburgs Vergangenheit von Dr. Ollo Bcncke :\ 

2. Kntütchung und \Vach*tlium der Stadt. Topographische ITebcrsicht v. ('. F. Gucd itIh-iij. 2'.l 

3. Kunstgeschichtliche Mitthcilungen. Von Martin Gen!« 1 er J.'l 

II. Das neue Hamburg. 

1. Hamburgs Gebiet, Bevölkerung, Verfassung ««'1 Verwaltung .">"» 

2. Handel, Sehiflfahrt und Gewerbe (i;t 

3. Städtisches Ingcuieurwcscn und Verkelirs - Anstalten . . . . . s| 

4. Kirchen und Schulen |t»| 

5. Knn.it und wissenschaftliche Institute IIS 

Ii. Spitäler, Wohlthütigkt'ifoanstaltcn und Stiftungen I2t> 

7. l'rivatgcbäudc. Ergänzende Notizen von F. Andreas Meyer 112 



llerichtimwgr. 

Sein» 103 Zolle 12: Die l lüden Anluve .ler SMc vnrlirt »wischen 2 Fu** untor Null hl» 1 Fum (H^r Null, 
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4 

Verzeichniss der Illustrationen. 



Srito 



1. Hamburg vor 300 Jahren .... 2 

2. Plan von Hamburg im Jahre 1065 32 

3. Plan von Hamburg im Jahre 1320 35 

4. Plan von Hamburg im Jahre 1600 37 

5. Plan von Hamburg im 18. Jahr- 

hundert 4 II 

0. Kaisershof 46 

7. Portal von Kaisershof 47 

8. Das Koosen'sche Haus auf den ersten 

Vorsetzen 49 

9. Hafenansicht 54 

10. Da« alte Rathhaus 58 

11. Grundriss der Börse ...... Mi 

12. Die Börse 07 

13. Fleetansicht bei der holländischen 

Reihe 7a 

14. Speicher von Schulte & Schemmun . 71 

15. Sandthorquai " s 

16. Längendurchschnitt des Dampfschiffe« 

Saxonia 81 

17. Lomburdsbrücke 86 

18. Cor n wall -Pumpmaschinc der Stadt- 

wasserkunst 94 

• 19. Maschinen- AnInge der Studtwasser- 

kunst 95 

20. Wasch- uud Bade -Anstalt . . . 98 

21. Querschnitt der Hcrrmannstrnssc . 1112 

22. Grundriss der Petrikirche . . . 104 

23. Grundriss der Michaeliskirche . . 104 

24. Nicolaikirchc 106 

25. Grundriss der Nicolaikirche . . . 107 

26. Synagoge III 



Seito 



27. Grundriss der Synagoge . . . . 112 

28. Schröder'« Grabkapelle 112 

29. Grundriss zu Schröder'» Grabkapclle 113 

30. Grundriss der Schnlgebäude . . . 115 

31. Kunsthalle 12t» 

32. Grundriss des Stadttheaters . . . 122 

33. Pferdemarkt 123 

34. Grundriss des Thaliatheaters . . . 121 

35. Aquarien -Haus 127 

' 36. Irrenanstalt 131 

| 37. Grundriss vom Waisenhause . . . 133 

; 38. Oberaltenstift HO 

' 39. Grundriss des Gasthauses .... 13"* 

40. Dr. Abendroth's Haus 141 

41. Senator Jenisch' Wohnhaus . . . 140 

42. Bazar 147 

43. Wohnhaus an der Binnen- Alster . 148 

44. Wohnhaus de« Herrn A. P. Schuldt 149 

45. Herrn W. Gossler's Landhaus auf 

der Höhenluft 151 

46. Herrn Senator Rückcr's Landhaus in 

Othmarschen an der Elbe . . . 151 

47. Frau von Struvc's Landhaus, jeUt 

im Besitz des Herrn E. Noelting 

in Othmarschen an der Elbe . . 152 

, 18. G. Pfennig'» Gartenhaus .... 152 

49. Etagenhaus an der Kirchenallee . . 153 

50. Etagenhaus am Brookthorquai . . 155 

51. Hotel bei den Pumpen 157 



Karte von Hamburgs Umgegend. 
Plan von Hamburg und Umgebung. 



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Namen- und Sachregister. 



Adaldag. Seile 6. 
Alebrand, Bexclin. 8. 31. 
Alsterdorf. 56. 
Attengamm. 56. 
Alton». 66. 
Anschnr. 5. 
Anscharkapclle. HO. 
Aquarium. 128. 

B. 

Badestift. 141. 
Bank. 70. 
Bannbeck. 65. 
Beryedorf. 17. 56. 58. 
Berne. 55. 
Bibliotheken. 126. 
Billuny. Hermann. 8. 
liillwärdcr. 55. 58. 
Billwirder Ausschlag. 55. 
»Pr»c. 42. 65. 
Bursonhallc. CS. 69. 
Ilorjrfcldo. 55. 

Horubövcd, Schlacht bei. II. '.".I. 
Höhnischer Garten. 12«. 
BrUcken. 8*. v 
Bürgerschaft. 57. 
Hohenhagen. 19. 
Büsch. 22. 

Büsch, Denkmal. 125. 

C. 

l'ilharlncnkir.-he. 41. 101. 
Chausseen. 89. 
Convcot. 138. 
Crantx, Albert. 22. 
Curslak. 58. 
Cuxhaven. 55. 

D. 

Dampfschlfffjdirtsgcsellschnft, Hamburi:- Amerikanische. 
80. 

Denkmäler. Oeffent liebe. 125. 
Dcatach-refonnlrte Kirche. 110. 
DockanUgcn. 82. 
Dom. 34. 

Drelfaltlpkeltsklrche. 110. 

E. 

Eimsbüttel. 55. 
Einbeckiaches Haus. 59. 
Eisenbahnen. 90. 

Ilauih. -Bergedorfer Bahn. 90. 

Hamb. -Lübecker Bahn. 91. 

Berliu-Hambnrffor Bahn. 91. 
Eisenbahnverkehr. 91. 
Elbiiberbriickurix. 91. 
Englisch - bischöfliche Kirche. 42. 
Englisch -refi.rinlrte Kirche, 42. 
Eppendorf. 55. 

F. 

Fabriken. 82. 
Farmsen. 55. 



Fcendsberg (Vcnnsbcrg). 10. S3. 
Flnkcnwärder. 56. 
Fleete. 73. 

Prclniaurer- Krankenhäuser. 132. 
Fuhlsbüttel. 56. 68. 

0. 

Gasanlagrn. 100. 
Gasthaus. 13«. 
Geesthacht 56. 
Gefängnisse. 61. 
Geinäldeaammlungcn. 118. 
St. Georgshoaplüd. 135. 
Gewerbebetrieb. 82. 
Gewerbeschule. 116. 
Grasbrook. 65. 
Grasbrook, kleiner. »5. 
Grosaborstcl. 55 . 58. 
Gymnasium. 2«. 114. 

BL 

Hafen. 76. 
Hagedorn. 23. 

Ilam. 5. 55. « 

Ilumnicnburg, lluinuiaburg. 5. 29. 

Hammerbrook. 101. 

Handel. 61. 

Handclscrisc.il. 64. 

Hanadorf, Gross-. 66. 

Harvstehtide (Hervcrdeshudo). 36. 

Hel.lcnwall. 5. 

Heiligen Gciat-Hospital. 135. 

Betty Helncstll't. 132. 

St. Hlobs-Hospltal. 136. 

Hochbuchl. 29. 

Hohenfelde. 55. 

Holzhafen. 80. 

Hopfensack. 8. 

Horn. 6. 55. 

HUtten wache. 61. 

J. 

Jakoblklrchc. 84. 44. 
Johanneuni. 22. 
Johanniskloster. 42. 135. 
Irrenanstalt. Frlcdrlchaborg. HO. 
Iserne Hinrik. 25. 

TL 

Kaserne (Kornhans). 60. 
Kaiaersbof. 27. 46. 
Kalte Hofe. 55. 
Karpfanger, Bcrendt. 20. 
Karl der Grosse. 4. 
Katholisches Krankenhaus. 132. 
Kempe, Stephan. 19. 
Kinderhospital. 132. 
Kirchen. 101. 
Klrchwiirder. 56. 
Klclnborstel. 65. 58. 
Klopatock 24. 
Kniphof, Claus. 17. 
Kohl. Dilmar. 17. 
Konuchutenschaner. «0. 



VIII 



Krankenhaus. Ü l 
Krauel. &fi. 
Kurmltiallc. 118. 
Kunatverein. Iis. 
Kttpfrrdamm. fi.v 
Kurhaus. £L 

L. 

Langenhorn, ül 5jL 
Laeisxstift. 141. 
Lchinbrook. bb. 
Lesehalle. ML 
Libcntlu«. 6. 
I.ombnrdsbrlicke. fcL 
Ludwig der Fromme. S_. 

IL 

Marien Magdaluncuklostcr. 12, 13&. 
Michaeliskirche , Grosse. 50. 107. 
Michaelisklrchc . Kleine. HCL 
Moorburg. &&. 
Moorwärder. ££, Ol 
Munneatcr, Heinrich. 18. 

H. 

NatarhlstorUches Museum. HC. 
Navigationsschule. 1 l'i. 
Neueburg. . 
Neuengatnm. 4JL 
Neu werk. ü. 
Nicolaikirche. 34. 
Neuu Nlcolaiklrche. lt)7. 
NorddcutiClie Hank. 12. 

0. 

übereilen. LSL IM. 
Obcralten*tift. )3fi. 
Ochsen wärder. ü. 
Ohlsdorf. 5JL 
Ohlstedt. Iii. 

P. 

Patriotische Gesellschaft, Gebäude derselben. BiL 
Pcute. 55. 

Petrlklrcho. 4L 4L lüL lül. 
Pesthof. 4L 
Pferdeciitciibuhn. »0. 
Posten. 92. 

B. 

Raboisen wache. 61. 
Knthhaus , da« alte. UL 
Kclmaru«. 22. 
Reitbrook, ü. fei. 
Rhederei. Ii, 
Kcpsold. 1'i.V 
KiUcbUttel. lfi, 4Ä. 

S. 

Sandthorquni. 7*. 
Schauenburg , Adolf L von. 2. 
• . , U. , J. 32. 

. HL „ iL 

. iv. „ iL ai m. 

Schaucnburgcrhof. Ii. 
Schauspielhaus. 42 
Schmalenbeck. £JL 



] Schrüdi-rstift. 111L 

L Schifftahrt.virkehr. 7JL 

SehillertUnJIiild. 125. 

Schorkc, Nieolau». iL 

Sccinannstiaus. aß. 

Seo mannsneliulc. 117. 

Senat. 4L 

Slechtnhaus. iri.'i 

.Siele. SEL 

Slelpumpe. 103. 

Schlachthaus. 42. 

.Schröder'» GrahkapclU-. I l't. 

.«chröd^retlft 140. 

SchuU-cbäuda. 42. 114. 

Soiinin. 50. 

Speicher. 12. 

Ktadtblbllothek. 28. 

Stadt bau» iSL 42. UL 

ätadtpogthaua , altes. ÜSL 

Stadtwasserkunst. 22. 

StadtwassermUhle. SL 

Stadttheatcr. HL 122. 

Stelnwürder. 65,. 

Sternwarte. 12. l-.'V 

8torteberker. 17. 

Strafarbeitahau*. Cl. 

Strasscnpflancr. fl2 

Struckholt. 55, 5JL 

Synagogen. LUL 

T. 

Tatcnberg &&, 6g. 
Telegraphen. 22» 
Thatinthratcr. 122 12L 
Theater. 12L 
Theennaguzin. §0. 

u. 

Uhlenhorst. 56. 
Unwannus, Bischof, fi. 
Utrecht. Simon von. IL 

Veddel. £L 
Verbindungsbahn. 2L 
Vercinabank. 22. 
Verfassung. 57. 
Verwaltungsgebäude. 42. 
Vierlande. 56. 
Volksdorf. 55. 
Vorwerkstift. Hl. 

W. 

Waisenhaus, altes. 5JL 
Wnlsenhaua, neues. 134. 
Waltcrshof. 5JL 
Wasch- und liadeanstalt. 37. 
Wechsclverkehr. 22 
Werk- und Armenhaus. 1 3-'. 
Wldellburg. 8j. 32. 
Winterhude. 55. 
Wohldorf. SA 

z. 

Zolllinie. 5S. 
Zoologischer Garten. HS. 



I. 



Das alte Hamburg. 



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I 



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1. 



Ein Blick auf Hamburgs Vergangenheit. 

Von Dr. Otto Beneke. 

* 

Kincs vielbcwegten Lebens weehselvolle Schicksale kurz darzustellen, 
ist unter allen Umständen eine schwierige Sache, die noch misslicher 
erscheint, wenn es sich um die Lebensgeschichte einer alten Stadt handelt, 
deren äussere Beziehungen zum Theil mit denen einer grösseren Genossen- 
schaft eng verflochten sind, während die anziehenden Details ihrer an 
culturhistorischen Momenten reichen iunern Entwicklung, pflichtinässiger 
Kürze wegen, völlig ungerichtet bleiben müssen. Trifft es sich nun aber 
gar, dass die Geschichte einer Stadt wie Hamburg skizzirt werden soll, 
«leren vielfache Zerstörungen einen absoluten Mangel aller solcher Bau- 
denkmäler der Vorzeit nach sich gezogen haben, welche das Interesse 
beleben und die Vergangenheit mit der Gegenwart zu vermitteln im Stande, 
— und endlich, dass gedachte Skizze eigentlich bestimmt ist, deutschen 
Baumeistern vorgelegt zu werden : so möchte der Verfasser fast verzweifeln 
an einer einigermaassen genügenden Lösung seiner vielfach erschwerten 
Aufgabe, die er nur in der Voraussetzung unternimmt, dass die verehrten 
Kunstgenüssen auch Kenner und mindestens Freunde vaterländischer Speeial- 
gcschichtcn sind. 

Wenn auch Hamburgs Gründung über die vorhandenen urkundlichen 
Nachrichten hinausgeht, und vor Karls des Grossen Erscheinen in Nord 
albingien weder Stadt noch Burg genannt wird, so dürfen wir doch an 
nehmen, dass auch an dieser wohlgelegenen Stätte manche Ansiedelungen 
allsassischer freier Leute sich befunden haben, welche in den die hohen 
Klhufer bedeckenden Liehen- und Buchenwäldern („Hammen") in ihren 
Wehrfesten süssen, das dein Walde abgerungene Land bauten, oder neben 

1* 



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4 



Jagd und Fischerei auch Schiffahrt und verwandte Geweih«' trieben. Denn 
wenn von beiden Elbufern dieser Gegend einst Sachsen mit den Angeln 
auswanderten, und Sprache wie Recht ihres Stammes nach England brach- 
ten, wo sie ihre vaterländischen Erinnerungen vielfach in Ortsnamen und 
Gebräuchen festzuhalten wussten, so werden ihre in der Heimath zurück- 
gebliebenen Landsleute ihnen an SehiflTahrtskunde und anderer Gewerbs- 
thätigkeit schwerlich nachgestanden haben. 

Als nun Karl der Grosse die Unterwerfung der Sachsen i. J. 801 
vollendet und die Grenzen seines fränkischdeutschen Reichs bis Nord- 
albingien erweitert hatte, da waren es nicht allein politisch -strategische 
Gründe, welche ihn veranlassten, diese Marken durch Bollwerke zu 
sichern gegen die ost- wie nordwärts wohnenden heidnischen Wenden und 
Dänen; es galt vielmehr, an dieser Stätte dem leitenden Princip des karo- 
lingischen Herrschergedankens, der Ausbreitung des Christenthums 
und seiner Gesittung, eine feste Pflanz- und Zufluchtstätte zu bereiten. 
Und dies schöne, weit über die materiellen Bedürfnisse und Zwecke welt- 
licher Herrschaft hinausragende, wahrhaft sittliche Motiv ist der Ent- 
stehungsgrund unserer Stadt, wie während der nächstfolgenden Jahrhunderte 
ihr einziger und trotz unablässiger Kämpfe wie trotz des unsäglichen Elends 
vieler Zerstörungen, festgehaltener Beruf. — Dass aber für diesen Zweck, 
welchem hundert andere Plätze ebenso günstig scheinen konnten, grade 
die Gegend auserseheu wurde, auf der Hamburg sich jetzt ausbreitet, die 
Uferhöhe zwischen den Ausflüssen der Alster und Bille in die Elbe, an 
dem Punkte, wo diese aus einem Landfluss in einen Seestrom sich ver- 
wandelt, und gleichzeitig die geeignetste Fährstelle beide Ufer verbindet, 
das ist das ursächliche Fundament der nachmaligen weltlichen Grösse 
dieser geistlichen Ansiedlung geworden. Denn vier Jahrhunderte später, 
als ihr Gründungszweck erfüllt war, da gab grade dieses Naturprivilegium 
der inzwischen erwachsenen Stadt die Fähigkeit weiterer Entwickelung 
zum ersten See- und Handelsplatz Deutschlands, zu einer für den ganzen 
Erdkreis bedeutungsvollen Weltstadt. Kaum lässt es sich annehmen, dass 
Karl oder seine Stellvertreter eben diese Zukunft ihrer Schöpfung vorher- 
gesehen und beabsichtigt haben, weshalb auch ältere Historiographen aus 
diesem Umstände Gottes Walten in der Geschichte erkannten und priesen. 

Nicht einmal das Jahr der Gründung der ersten karolingischen Burg 
und Kirche vermögen wir zu nennen; doch waren i. J. Sil beide unzweifel- 
haft vollendet. Das Castcll auf der Höhe zwischen Alster uud Elbe, vielleicht 



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5 



auf dem Platze, den jetzt die Hermanns-, Pauls-, Berg- und kleine Rosen- 
stra88e einschliesst, in welcher (legend es noch in neuester Zeit ciue 
Localbezeichnung „am Heidenwall" gegeben hat, — empfing ihre Benennung 
Hnminahurg von der benachbarten Waldung Hamme, welche unter diesem 
Namen noch längere Zeit das Terrain des heutigen St. Jacobi Kirchspiels, 
der Vorstadt St. Georg und der Dörfer Hamm und Horn bedeckte. Daneben, 
vermuthlich mittelst Befestigungs werken in des Castells engeren Schirinkreis 
eingeschlossen, lag die der heiligen Jungfrau Maria geweihte und vom 
Priester Heridag verwaltete Kirche, welche sich bald darauf zum Dom, zur 
Kathedral- und Metropolitan- Kirche des Nordens gestalten sollte, auf 
deren classischem Boden sich jetzt die Gebäude der gelehrten Schulen und 
der Stadtbibliothek erheben. 

Karls des Grossen Absichten führte sein Sohn Ludwig der Fromme 
zur Vollendung, indem er i. J. 83 1 das Erzbisthum Hamburg errichtete und 
demselben die Bekehrung, die geistliche und geistige Pflege des Nordens 
als Aufgabe vorzeichnete. Durch die gleichzeitige Erwählung des ebenso 
frommen als hochbegabten Heidenapostels Anschar zum ersten Erzbischof 
von Hamburg, wurde diesem grossartigen Missionswerk der tüchtigste 
Leiter gegeben, dessen gesegneter Eifer für die christliche Kirche sich 
sofort durch Organisirung des mit Corveyschen Bcnedictinern besetzten 
Klosters, durch Gründung der denselben anvertrauten Schule als Missions- 
austalt, wie durch vielfache sonstige Stiftungen, Kirchenbauten und Aus- 
sendungen von Glaubensboten in folgenreichster Weise bewährte. Sein 
Eifer erkaltete auch nicht, als i. J. S45 die heidnischen Normannen oder 
Dänen unter Erik dem Alten die junge Stadt Hamburg mit Castell und 
Kirche zerstörten. Nach längerem flüchtigen Umherirren gelang es ihm, 
nicht nur die Wiederherstellung Hamburgs und seiner Schöpfungen zu be- 
wirken, sondern auch das Bisthum Bremen mit dem Erzstift zu vereinigen. 
Nach seinem am 3. Febr. 865 zu Bremen erfolgten Tode wurde Anschar 
als Heiliger verehrt; seinen tausendjährigen Todestag begingen i. J. ISO.") 
Protestanten wie Katholiken. In Hamburg lebte sein Andenken noch Jahr- 
hunderte fort, und bevor die Anscharsagen im Volksmundc völlig ver- 
klungen waren, nannte man i. J. 1859 ein neues der innern Mission ver- 
wandtes Kirchlein nach Anschars gesegnetem Namen. 

Auch Anschars Nachfolger, eine Reihe trefflicher, zum Theil ausge- 
zeichneter KirchenfÜrsten, blieben durchgängig des hohen Berufs ihres Erz- 
stiftes eingedenk, trotz mehrfacher Zerstörungen Hamburgs. 



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6 



Unter Erzbischof Adaldag, dessen hervorragende Kenntnisse und Geistes- 
gaben Kaiser Otto vielfach aueh in weltlichen Dingen des Reichsregiments 
benutzte, kam aueh ein Papst nach Hamburg, Benedict V., welcher hier i. J. 
965 im Exil verstarb und im Dom bestattet wurde. Seine Weissagungen 
gingen bald in Erfüllung: Hamburg wurde abermals 9S3 von den Obotriten 
gründlich zerstört, und später, nachdem des Papstes (lebeine bereits in 
italienischer Hcimathserde ruhten, grösser und schöner wieder aufgebaut. 
Seinem Wohlwollen für Hamburg wurde es übrigens zugeschrieben, dass 
später die Stadt durch päpstliche Privilegien von der geistlichen Gerichts- 
barkeit befreit war, welche einzig auf das Domcapitel und dessen Ange- 
hörige beschränkt blieb. Vielleicht auch aus diesem Grunde stand ein 
nachmals auf der Stätte seines frühereu Grabes ihm errichtetes Denkmal 
in grossem Ansehen bei den Hamburgern, die fast stolz darauf waren, 
einmal einen Papst iu ihren Mauern beherbergt zu haben, den lebendigen 
wie den todten Benedict. Sogar die Kirchenreformation überdauerte dies 
Kunstwerk, obwohl in vermindertem Respect bei den strenglutherischen, 
den Kopf voll Handels- und vaterstädtiseher Angelegenheiten etwas hoch 
tragenden Bürgern des IS. Jahrhunderts. Denn als vor etwa 100 Jahren 
einmal ein fremder Kunstfreund dies Denkmal der Vorzeit zu sehen wünschte 
und deshalb auf der Strasse einen mit rothem Mantel und langem Degen 
gar stattlich einhersehreitenden Handelsherrn höflich fragte, wohin es gehe 
zu Papst Benedicts Monument? da soll dieser den Fremden etwas barsch 
angelassen und erwidert haben „wat geiht mi de Papst an, ick gab na 
de Börs'! M Doch vergessen blieb das Steinbild nicht, so wenig wie der 
fast noch berühmtere Grabstein der Domkirche, welcher als Hamburgs 
Wahrzeichen galt und einen tanzenden Esel mit der Sackpfeife darstellt, 
und vor 50 — 00 Jahren haben manche alte Hamburger beide Raritäten be- 
wuudert. Beim Abbruch des Doms i. J. 1805 verschwand jedoch das päpst- 
liche Denkmal spurlos und ist nur noch in alten Kupferstiehen zu erkunden, 
während der vaterstädtische Esel gerettet wurde und noch heute im Alter- 
thumsmuseum, nach Anleitung der vielen gelehrten Commentare, die seine 
räthselhafte Bedeutung veranlasst hat, studirt werden kann. 

Erzbischof Unwannus, der im Jahr 1013 dem Libentius folgte, stellte 
zunächst das zerstörte geistliche Hamburg wieder her, indem er die ge- 
borgenen Kirchenschätze wie sein eigenes Gut für religiöse und Unter- 
richts-Zwecke verwendete und viele der in den Wäldern auf beiden Seiten 
der Elbe heimlich fortbestehenden altgermanischen Heiligthümcr zerstörte. 



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7 



■ 



Gemeinsam mit dem Landesherrn Herzog Bernhanl II. von Sachsen, stellte 
er aber auch die Stadt selbst wieder her; er sammelte die zerstreuten 
Bürger, und errichtete von Neuem die Domgebäude, wenn auch nur aus 
Holz, da seine Mittel nicht weiter reichten. Sein würdiger Nachfolger 
Bezelin Alebrand verwandelte dann etwa um 1037 diesen Holzbau in einen 
prächtigen, völlig aus Granitquadern errichteten Dom. Ihm folgte (1043— 
1072) Erzbisehof Adalbert, zubenannt der Grosse, bekannt in der deutschen 
Gesebiebte als vertrauter Rath und treuer Freund seines Zöglings des un- 
glücklichen Kaisers Heinrich IV. Wie so ganz anders würde Deutschlands 
Geschichte sich gestaltet haben, wenn er das hätte verwirklichen können, 
was ihm als rühmlichstes Ziel seines Strebens vorschwebte: die. Erhebung 
der Hamburgischen Kirche zum Patriarchat über Deutschland, über Nord- 
Europa, als sicherndes Gegengewicht wider das Papstthum in Rom, dessen 
schädlichen Einfluss auf Deutschland er vor Vielen richtig erkannt hatte. 
Die Hamburgische Kirche, welche seit ihrer Gründung unter beständigen 
Kämpfen und schwersten Opfern das Ohristenthum und dessen Gesittung 
im ganzen Norden verbreitet hatte, glaubte er vor allen berufen zu dieser 
hohen auf die Geschicke der Völker wirkenden Stellung. Dass er ihr 
diese nicht erringen konnte, das ist thcils dem unglücklichen Gange der 
Weltbegebenhciten, theils aber auch seinen eignen Missgriffen zuzuschreiben, 
welche zumeist in seinen persönlichen Fehlern: Stolz und Ruhmsucht wur- 
zelten. Wie übrigens auch sein Character beurtheilt werden mag, Hamburg 
hatte jedenfalls Grund genug, sein erzbischöfliches Regiment zu preisen, 
das er in nie gekannter Grösse, Macht und Herrlichkeit zu führen verstand. 
Für die Stadt insbesondere erwies er sich als Wohlthäter und Beförderer 
des Verkehrs; er legte eine Münzstätte an, begünstigte den Feld- und 
Gartenbau. Wie seinen Kaiser, so verfolgte auch ihn viel verschuldetes 
und unverschuldetes Unglück bis zum Untergange und in seinem Sterbejahr 
(1072) erfolgte abermals eino gründliche Zerstörung Hamburgs. Wiederum 
waren es die Wenden, welche die Stadt mit Feuer und Schwert verheerten 
und ein Blutbad anrichteten, wie noch keines gewesen, von dem die alten 
Chronisten sagen, dass in allen Strassen das vergossene Menschenblut 
stromweise geflossen, und einzig eine kleine enge Gasse oder Twiete bei 
der späteren St Nicolai -Kirche verschont geblieben sei, die desshalb den 
Namen blutlose Twiete empfangen habe. Diese Zerstörung war die 
schrecklichste, aber auch die letzte, die Hamburg betroffen hat Die 
„blotlose" (auch „brotlose") Gasse existirte noch bis zum grossen Brande 



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8 

im Jahre 1842, in dessen Flammen sie auf-, wie beim Neubau ihr Terrain 
in benachbarte Strassen untergegangen ist. 

Gelien wir aber jetzt einige Jahre zurück, um uns ein Bild der dama- 
ligen Stadt Hamburg zu vergegenwärtigen, das erste, das einige andeutende 
alte Kunden uns möglich inachen. Um 1060, so berichten dieselben, gab 
es drei grosse Burgen zu Hamburg. Die erste war die als erzbischöniche 
Residenz von Bezeliu Alebraud erbaute Widenburg, südlich vom Dom in 
der Elbniederung, unfern der nachmaligen Strasse Hopfensaek, 'welche Ge- 
gend noch in neuester Zeit in den Hypothekenbüchern „bei der Widenburg" 
benannt ist Die zweite vom Sachsenherzog Bernhard II. erbaute Burg lag 
auf der andern Seite des Doms, etwa da, wo jetzt die Strasse beim Alster- 
thor sich befindet, vcrmuthlich auf oder neben der Stelle, wo einst Karls 
des Grossen Hammaburg gestanden. Hier war die Pfalz der Herzoge und 
ihrer Nachfolger, der holsteinischen Grafen aus dem Hause Schauenburg. 
Die dritte Burg baute Herzog Ordulf aus Feindschaft wider den Erzbischof 
Adalbert, der damals in der Widenburg residirte; sie hicss die neue Burg 
und lag ausserhalb der damaligen Stadt an dem breiten Elbarme, da, wo 
die nach ihr benannte Strasse Neueburg durch ihre gebogene Form noch 
jetzt die Gestalt des alten Castells andeutet Die zwischen diesen drei 
Burgen liegende Stadt, etwa das heutige St Petri Kirchspiel, war von oben- 
gedachtem Erzbischof Alebrand mit einer schirmenden Mauer umgeben, deren 
drei Thorthürme vielleicht den Anlas* zu dem erst 2 Jahrhundertc später 
nachweisbaren Wappen Hamburgs gegeben haben, obschon ein dreithürmiges 
Burgbild sich in vielen alten Stadtwappen findet Später beabsichtigte der 
Erzbischof diese Bcfestigungsthürme bis auf zwölf zu vermehren und die 
Defension der Stadt dahin zu ordnen, dass ein Thurm von seinem Vogt 
und dessen Mannen, fünf Thtirme von gesammter Geistlichkeit und deren 
Leuten, die übrigen sechs aber von den Bürgern besetzt und vertheidigt 
werden sollten, — woraus wir nicht nur auf den geringen Einnuss der 
landesherrlichen Gewalt in Hamburg, sondern auch auf die bedeutende Macht 
des Clerus und die nur wenig grössere Zahl und Wehrkraft der damaligen 
Bürger schliessen können. 

Seit ihrer Gründung war die Stadt eine erzbischöfliche gewesen, deren 
Regierung und Rechtspflege ein Vogt mit Beirath der sog. Willigsten, der 
Notabein unter den Bürgern, verwaltete. Seit aber Kaiser Otto den Hermann 
ßillung zum Herzog über Sachsen ernannt hatte, erhielt Hamburg in diesem 
seinen unmittelbaren Landesherru. Seine Dynastie erlosch 11 Ob mit dem 



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9 

Herzog Magnus, worauf Graf Lothar von Supplinburg (der nachmalige 
Kaiser) das Herzogthum erhielt Zu kräftigerer Beschirmung der dazu 
gehörigen diesseitigen Elblande verlieh er dieselben als Grafschaft Holstein 
dem Grafen Adolf I. zu Schauenburg, wodurch nun dieser Hamburgs Landes- 
herr wurde. 

Mit dem Erscheinen dieser Regenten aus dem Hause Schauenburg, tritt 
für Hamburg das Erzbisthum, dessen geistliche Misson ihren ursprünglichen 
Zweck erfüllt hatte und dessen Schwerpunkt fortan sich nach Bremen 
wandte, in den Hintergrund Hamburgs künftige Bestimmung als Handels- 
stadt begann sich freier zu entwickeln unter einer Reihe trefflicher, einsichts- 
voller Regenten. Adolf L (1106 — 1130), dessen Hauptsorge der Aufbau 
der zertrümmerten Stadt war, stellte auch den Dom wieder her, welcher 
seitdem bis zu seinem beklagenswerthen Abbruch wegen Baufälligkeit i. J. 
1805, als ehrwürdigstes Denkmal der Hamburgischen Vorzeit sich erhalten 
hatte. — Gleicherweise wie Erzbischof Friedrich, berief er niederländische 
Ansiedler hieher, um die Elbufer einzudeichen und jene fruchtbaren Marsch- 
genide zu schaffen, welche ihre Nachkommen, darunter die freien Bauern 
in den Vierlanden, in Bill- und Ochscnwärder u. s. w., noch heut zu Tage 
bewohnen. Er residirte häufig in der Alsterburg, und schuf so viel Gutes, 
dass die Hamburger ihn den zweiten Gründer und treusten Wohlthätcr ihrer 
Stadt nannten. Sein Sohn Adolf II. (1130 — 1104) stand dem Sachsenherzog 
Heinrich dem Löwen in dessen Kriegen zur Seite und verlor darüber seine 
Lande. Albrecht der Bär von Brandenburg wurde Herzog über Sachsen, 
unter ihm beherrschte Heinrich von Badewide Holstein und Hamburg. Die 
um diese Zeit wieder ins Land fallenden Wenden und Slaven wurden un- 
ter tapfrer Beihülfe der Hamburger besiegt, welche mit der erbeuteten 
Rüstung des Fürsten Primislaw ihren Dom schmückten. Im Jahr 1 1 39 aber 
gewann Adolf II. seine Lande zurück und regierte fortan als ein ebenso 
kraftvoller als weiser und gütiger Fürst, der Lübecks Aufbau an jetziger 
Statte förderte und Hamburgs städtische Gewerbe in jeder Weise begünstigte. 
Er fiel auf dem Felde der Ehre bei Dcmmm in einem Kriegszuge gegen 
die Wenden. Sein Sohn, Adolf III. (1164 — 1203), that mit einsichtsvollem 
Mick in die Zukunft noch Grösseres. Erkennend, dass Hamburg gross und 
mächtig werden könne und müsse durch Seefahrt und Weltverkehr, opferte 
er um 1188 sein Castell, die Neueburg, für das künftige Wohl der Stadt. 
Unter Aulsicht des späteren Rathsherrn Wirad Hess er zum Zweck der 
Anlage einer Handelscolonie, die Burg abtragen, deu Platz wie die Unige- 



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10 



gend mit grossen Kauf- und Packkäusern bebauen, den daneben fliessenden 
Wasserarm in einen sichern Hafen erweitern, und eine dem Sckifferpatron 
St Nicolaus geweihte Kirche errichten. So entstand die damalige Neustadt, 
das St Nicolai-Kirchspiel, welches später, durch den Aufbau des St Michaelis- 
Kirchspiels, die ungefähre Mitte der Stadt bildete, und deswegen, sowie 
als Schwerpunkt des (Irosshandels, Hamburgs Herz genannt wurde, — Aber 
Adolf III. ging noch weiter in seinem Streben für raschen Handelsauf- 
schwung, der im Mittelalter ohne sichernde Vorrechte nicht denkbar war; 
er erwirkte seinen Hamburgern beim Kaiser Friedrich Barbarossa jenes 
für damalige Zeiten unschätzbare Privilegium v. J. 1189, betreffend Zoll- 
rechte und Verkehrserleichterungen verschiedener Art, Befreiung von Kriegs- 
diensten, ein Veto gegen benachbarte Burg- und Befestigungsbauten u. 8. w., 
welches Privileg unzweifelhaft die segensreichsten Folgen für das Erblühen 
des Hamburger Handels gehabt hat Hamburg und das ähnlieh begabte 
Lübeck bewiesen dem grossen Kaiser noch jüngst ihre Dankbarkeit, indem 
beide Städte sein Bild für den Kaisersaal im Kömer zu Frankfurt von 
Lessings Meisterhand malen Lessen. — 

Gleichzeitig bauten und festigten die Hamburger ihre Stadt, und erwar- 
ben aus den Trümmern von Bardowik (bei Lüneburg) jene Granitquaderu, 
mit welchen das Elbufer vom Ober- bis zum Niederbaum eingefasst ist, wie 
noch heute zu sehen. Das Nicderlagsrccht der Bardowikschen Gemüse- 
händler soll daher datiren. — Adolf III., der 1189 den Kaiser ins heilige 
Land begleitet hatte, wozu er von den Hamburgern stattlich ausgerüstet 
war, kam 1191 wieder heim zur Beschirmung seiner bedrohten Lande. An- 
fangs glücklich, unterlag er dennoch (1200) der Dänischen Uebermacht 
unter Kanut und Waldemar, welche am Weihnachtsabend 1201 das tapfer 
vertheidigte Hamburg eroberten. Er selbst, gefangen, musste eidlich auf 
die Herrschaft verzichten und zog sich auf sein Stammschloss Schauenburg 
an der Weser zurück, die er, Holsteins Kufen keine Folge gebend, seinem 
Schwur getreu, nicht wieder verlassen hat 

In den wechselvollen ferneren Kriegsjahren erbaute der Dänenkönig 
Waldemar dicht vor der Stadt eine Zwingburg, deren Stätte der jetzige 
Strasscnnamc Fcendsberg, d. h. Feindsborg, vulgo Venusberg verewigt hat 
Waldemar trat 1210 seine Hohheitsrechte über Hamburg dem Grafen von 
Orlamünde ab, dem späteren Dänischen Keichsverwcser, welcher, wie altere 
Ijcberlieferungen angeben, i. J. 1224 die Stadt gegen eine Art Loskaufs- 
suiuiuc, in der Maasse privilegirte und unabhängig stellte, dass diese Ver- 



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I 



11 

einbarung als erster Anfang der Haniburgischen Selbständigkeit angesehen 
worden ist 

Inzwischen war Adolf IV., des dritten kühner, hochbegabter Sohn, „der 
Held von der Schauenburg", freudigst unterstützt von den unterm Dänen- 
joch ungebeugten Holsteinern, als glücklicher Befreier seiner Lande bis vor 
Hamburg gekommen. Hier traten ihm, nach Angabe der traditionellen Ge- 
schichte, die Abgeordneten der Stadt mit Heil- und Segenswunsch, sowie 
mit der Bitte entgegen, die neuerlich erworbene Unabhängigkeit derselben 
grossmtithig anzuerkennen, sie sammt den älteren Privilegien zu bestätigen 
und ferner zu schützen. Und der jugendliche Fürst erwog hellen Geistes, 
wie schon seines Vaters Weisheit der Stadt den Weg der Selbständigkeit, 
den sie zu wandeln wünschte, vorgezeichnet hatte zu wachsender Bedeut- 
samkeit und Grösse; er erkannte, wie sein Vater, nicht nur ihre künftige 
Bestimmung, sondern auch, in der zu gewährenden Freiheit, das notwen- 
dige Mittel zur Erfüllung ihres geschichtlichen Berufs. Er willigte ein, be- 
stätigte alle Privilegien und Freiheiten Hamburgs und blieb nur dessen 
Schirmherr und Freund. Die Dankbarkeit der Hamburger bewies sich nicht 
nur bei seinem Einzüge in die Stadt um Weihnacht 1225, sondern auch 
durch freiwillige Kriegshülfe an Geld und rüstiger Mannschaft für die fer- 
uere Ersiegung seines holsteinischen Erbes, welche durch die glorreiche 
Schlacht bei Bornhövede 1227 ihre Vollendung fand. Nachdem Adolf alles 
gethan, was zur Erfüllung seines weltlichen Berufes uothwendig geschienen, 
nachdem er auch viele milde Stifter, Kirchen und Klöster gebaut, darunter 
mehrere in Hamburg, da that er noch einen ritterlichen Kriegszug mit den 
deutschen Schwertbrüdern an der Düna, um dann (1239) seiner fürstlichen 
Hoheit zu entsagen, und einem Schlachtengelübdc treu, als Klosterbruder 
sein Leben zu beschliessen (1261). Er war und blieb der auch in Sage 
und Dichtkunst gefeierte Held Hamburgs; und wenn das i. J. 1821 seinen» 
Andenken errichtete Denkmal (jetzt in den Anlagen am Gioekengiesser- 
Wall vor seinem dahin versetzten Maricn-Magdalenen-Kloster) äusserlich 
auch kaum entsprechend die Grösse seiner Verdienste andeutet, so bleibt 
die Inschrift der Erztafel des Grundsteins doch wahr: „wer über seine Zeit 
hinaus kommenden Geschlechtern liebend vorsorgt, den vergessen auch 
diese nicht, wenn gleich Jahrhunderto vergangen." 

Unter den genannten vier Schauenburgern hatte sich Hamburg aus 
einem Trümmerhaufen zu einer festen Stadt mit freiem Bürgerthum empor- 
geschwungen, dessen Gemeinwesen auf altgermanischeu Grundsätzen be- 



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12 



ruhte, dessen Lebensnerv Gewerbfleiss , Handel und Schiffahrt war. Wie 
bedeutend Hamburgs commereielle Wichtigkeit schon damals gewesen 
sein muss, das geht u. A. auch aus dem Umstände hervor, dass sein Name 
bereits um 1150 bei den Arabern bekannt gewesen ist. Einen ferneren 
Beleg für Hamburgs Selbständigkeit und Verkehrsbedeutung finden wir in 
seinem Concordat mit Lübeck v. J. 1210 (dem ältesten bekannten Städte- 
bttndni8s) über Fortdauer bisheriger Freundschaft und über Arrestfreiheit 
der beiderseitigen Angehörigen. Wie rasch nun, mit dem Wachsen der 
politischen Unabhängigkeit, neben dem Verkehr nach Aussen auch das Ge- 
ineinwesen im Innern emporblühte, dafür zeugen unter vielen Thatsachen 
auch diese. Vor allem, das Emporblühen der vier (altstädt) Kirchspiele, 
nämlich neben dem ältesten zu St. Petri, die zu St Nicolai, St Catharineu 
und St. Jacobi, deren anfängliche Kapellen in würdige Kirchen sich verwan- 
delten, sobald Hamburgs zunehmender Wohlstand (der freilich noch lange 
Zeit dem Reichthum Lübecks nachstand) die Mittel zu so grossartigen Bau- 
werken darbot, was wohl erst geschehen durfte, als die Blflthezeit der deut- 
schen Gothik vorüber war. — Ferner die Thatsache, dass Hamburg schon 
um 1235, ausser musterhaften Innungsrechten, ausser einem Sehiffsrechte 
(dem ältesten bekannten) auch ein eigentümliches Stadtrecht besass, auf 
welches viele andere Städte angewiesen waren. Fernere Beweise sind: die 
Unterhaltung eines Leuchtfeuers an der Elbmündung, die Erwerbung eigener 
Münzgerechtigkeit (1255), die etwas späteren selbständigen Unterhandlungen 
und Vertragsabschlüsse mit den grössten Fürsten des nördlichen Europa. 
Daran reiht sich Hamburgs Antheil au der grossen deutschen Hansa, welche 
aus seiner abermaligen Verbindung mit Lübeck i. J. 1241 sich entwickelte. 

Die Geschichte der Hansa zeigt uns, wie dieser Bund gar bald zu 
Macht und Ansehen gelangte, wie er durch Verkehrsvcrbreituug für die 
ganze civilisirte Welt von einflussreichstem Nutzen wurde, indem er die ent- 
ferntesten Völker in Verbindung setzte und die freiere Entfaltung des 
Menschenthums förderte. Die Hansa wars, die besonders das nördliche 
Deutschland zum eigentlichen bürgerlichen Leben weckte, die dem gesamm- 
ten deutschen Bttrgerstande eine würdige Stellung gegen Fürsten und Adel 
verschaffte, und in ihren Mauern ein Asyl bot der alten deutschen Freiheit 
gegen Leibeigenschaft und andere Vergewaltigung. — Nicht ohne schwere 
Kämpfe gelangte die Hansa zu so hoher Macht und segensreichem Wirken. 
Mit Ehre, Geschick und Glück führten die verbündeten Städte unter tüch- 
tigen Anführern glorreiche Kriege gegen Könige und Fürsten, gegen Land- 



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13 

und Seeräuber, niemals Eroberungen bezweckend, sondern lediglich 
Sicherung des Landfriedens, Beschirmung des freien Verkehrs. Und aus 
so rühmlichen Erfolgen einträchtigen Zusammenhalten in Noth und Tod 
mag sich der hansische Spruch datiren: 

„wo wi to huop hctt't ütahn, 
hefft uns noch nüms wat dahn!" 

Die vielseitige Thätigkeit der jungen Hansabürger auf Kriegszügen wie auf 
friedlichen Handelsreisen, oder in den hansischen Factoreien des Auslandes, 
verschaffte ihnen einen ungewöhnlichen Grad von Bildung und Welt- 
erfahrung, welcher wohlthätig zurückwirkte auf die daheim gebliebenen 
Landsleute. Nachdem zuerst äussere Ursachen (America's wie Ostindiens 
Auftreten in der Geschichte des Handels) und sodann andere zusammen- 
treffende Umstände, den Untergang der Hansa, deren Mission vollendet 
war, vorbereitet hatten, verlor sich ihre goldene Zeit in ein Chaos von 
Widerwärtigkeiten; des Bundes Gesammtgeist entartete in Localisiuus und 
Egoismus, der Pfeilbündel fiel auseinander und fremde wie landesherrliche 
Uebermacht zerbrach die einzelnen Pfeile, so dass 1630 nur Lübeck, 
Bremen und Hamburg übrig blieben , deren hanseatisches Beisammenstehen 
auch im westphälischen Frieden 1648 als „gemeiner deutscher Wohlfahrt 
angemessen" für immer bestätigt wurde, wie denn auch durch die Bundcs- 
acte die Selbständigkeit der Hansestädte ausdrücklich gewährleistet ist 



Hamburgs fernere Specialgeschichte kann nur anziehend erscheinen 
durch ihre vielseitige Fülle des Details, deren Mittheilung jedoch der enge 
Raum dieser Blätter verbietet, welcher höchstens die nachfolgenden Ueber- 
sichten der Ha uptent Wickelungen des äussern und innern Gemeinwesens 
gestattet 

Hamburgs Selbständigkeit nach Aussen gestaltete sich immer ent- 
schiedener, je entwickelter die ursprünglich sehr verworrenen Hoheitsbegriffc 
sich gestalteten. Die letzten Erinnerungen an die uralte kaiserliche, dann 
landesherrliche Bevogtung der Stadt mögen mit dem Rolandsbilde ver- 
schwunden sein, das die Hamburger noch 1375 und 1385 aufs Neue farbig 
anstreichen Hessen, wenige Jahre darauf aber umgestürzt haben sollen, — 
wie es heisst, aus Uumuth Uber Karls IV. Gleichgültigkeit gegen das Streben 
der Stadt eine kaiserliche zu sein. So lange das Schauenburgische Geschlecht 
in Holstein waltete, wurde von dessen Regenten die freilich anfangs noch 



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14 

etwas unklare Stellung Hamburgs nicht angefochten; zwar fungirte noch 
eine Weile ein gräflicher Vogt im .Stadtgerichte, indessen sank seine Be- 
deutung bald zu der eines städtischen Beamten herab; zwar waren sie es. 
welche der Stadt das Recht der Köre, der Gesetzgcbungsgewalt, erweiterten, 
jedoch bezweckte grade dieser Act, wie die wiederholte Bestätigung der 
alten Privilegien, nur die Sicherung der Immunitäten Hamburgs. Auch ver- 
blieben ihnen noch verschiedene Rechte in der Stadt, z. B. ein Autheil am 
Zollertrage, welche aber nicht als Merkmale der Oberhoheit aufzufassen 
sind. Den ihnen verbliebenen Domanialbesitz des s. g. Schauenburger Hofes 
(an der Steiustrasse und altstädter Fuhlentwiete) suchten jedenfalls erst ihre 
dänischen Nachfolger zu einer Art Status in Statu auszubeuten. Dass die 
scliauenburgischen Regenten Holsteins in gewisser Weise die Unabhängigkeit 
Hamburgs anerkaunten, geht unzweifelhaft hervor aus ihren vielen Tcrri- 
torialabtretungen mit allen Hoheitsrechten an die Stadt, welche dadurch zu 
einem angemessenen Landgebiet kam. Erst nachdem das Haus Oldenburg 
mit der Krone Dänemark auch die Succession in Schleswig-Holstein erlangt 
hatte, begannen die jahrhundertelang fortgesponneuen Ansprüche auf Ober- 
hoheit Uber Hamburg, welche ungeachtet Kaiser und Reich 1510 die Stadt 
als eine alte freie Reichsstadt anerkannt, und unerachtet des für dieselbe 
vollständig günstigen Endurtheils eines reichskammergerichtlichen Processes 
i. .1. 1(>18 dennoch factisch und aussergerichtlich fortdauerten. Tapfer, ener- 
gisch und ausdauernd, wie unsere Vorfahren in jeder Hinsieht waren, ver- 
teidigten sie unermüdlich ihre Selbständigkeit als unschätzbares Kleinod, 
und haben sich niemals unterworfen. Unzugänglich dem gütlichen Zureden : 
gegen Garantie der Freiheit im Inuern, die verlangte Erbhuldigung zu leisten, 
unerschrocken gegen Drohungen der Gewalt, welchen kriegerischer Pa- 
triotismus die mannhafteste Abwehr aus wohlbefestigter Stadt entgegensetzte, 
deren Thor -Inschrift die Enkel mahnte, die von den Vätern errungene 
Freiheil würdig zu bewahren, mit standhafter Geduld die unabwendbaren 
Drangsale feindlicher Territionsmaassregeln über sich ergehen lassend, 
trugen die Hamburger mit ihrer im Uebrigen höchst versöhnlichen Politik 
stets den Sieg davon Über das unkeusche Ansinnen jener Machthaber. Wenn 
die zum Thron gelangten dänischen Könige höchst persönlich sich nach 
Hamburg bemühten, um als Herzoge von Holstein die begehrte Erbhuldigung 
in Empfang zu nehmen, so gab's Turniere und Bankette, statt des gefor- 
derten I nterthänigkeitseides aber erlangten sie im Wesentlichen niemals 
mehr als eine Formel der Anerkennung freuudnachbarlicher Schirmherrschaft, 



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nnd auch diese nur gegen ihrseitige Bestätigung der alten Privilegien, ein 
Vcrhältniss, welches durch biedern Handschlag zwischen den Fürsten und 
den Häuptern der Stadt bekräftigt ward. Dennoch hatten die Hamburger 
unendlich viele und schwere Drangsale von Seiten dieser Nachbarn zu 
dulden, die Exactionen und Vcxationen nahmen kein Ende, Beschlagnahmen 
von Personen und Gütern unter den nichtigsten Vorwänden blieben an der 
Tagesordnung, blutige Excesse, Fehden zu Wasser und zu Lande führten 
zu keinem dauernden Frieden. Hamburg hat gewiss jedweden Tort erfahren, 
den ein grösserer »Staat seinem minder mächtigen Nachbar zufügen kann. Oft 
war's nur auf Geldopfer abgesehen, welche nach mehr oder minder fühl- 
barer Pression die friedlichen Städter pro patria willig brachten. Mehrere 
ernsthafte Versuche der Dänen, sich gewaltsam in Hamburgs Besitz zu 
setzen, während die Bürger sich grade in Parteikämpfen verstrickt befanden, 
führte dieselben sofort zur besonnenen Eintracht gegen den Feind vor den 
Thoren zurück. So 1686, als ein dänisches Heer die zu äusserster Gegen- 
wehr entschlossene Stadt vergebens beschoss und belagerte, und nicht ein- 
mal die tapfer vertheidigte Sternschanze zu erstürmen vermochte, worauf 
durch rcichsständige Venuittelung ein neuer fauler Frieden geschlossen wurde. 
In allen diesen Streitigkeiten, wie in den häutigen Differenzen Hamburgs 
mit andern Nachbarn, z. B. Braunschweig-Lüneburg, Brandenburg, Lauen- 
burg, hatte die Stadt sich fast regelmässig des kaiserlichen Beistandes zu 
erfreuen. Erwies sich derselbe nun auch vielfach nicht ausreichend oder 
gehemmt durch anderweitige Einflüsse, so lässt sich doch sagen, dass durch 
Hamburgs reichssädtisehe Qualität jedenfalls die gewalttätigsten Excesse 
seiner Feinde in Schach gehalten wurden, und dass ohne den Schutz des 
Kaisers wie ohne den Schirm ihrer guten Festungswerke eine freie Stadt 
Hamburg wohl längst zu den untergegangenen Grössen gehören würde. 
Uebrigcns dauerten die dänischen Prätensionen noch bis ins vorige Jahr- 
hundert fort, bis endlich, und zwar unter bedeutenden Geldopfern Seitens 
der Stadt, der Gottorper Vergleich v. J. 1768 dein langen Hader ein Ende 
machte durch vollständige Anerkennung der Reichs -Unmittelbarkeit und 
Selbständigkeit Hamburgs. 

Nicht lange hat Hamburg des nunmehr unangefochtenen Besitzes seiner 
Reiehsstandschaft sich zu erfreuen gehabt. Nach einer durch die Kriege 
veranlassten, unerhört grossen Handelskrisis i. J. 171)0, brach das gegen- 
wärtige Jahrhundert unter den ungünstigsten Auspicien an. In Folge des 
Lüneviller Friedens sah sich Hamburg, das als eins der vielfach gesuchten 



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16 



Entschädigungsobjecte lockend genug erscheinen mochte, von mehreren Seiten 
mit militärischer Occupation bedroht, wozu seine Beziehungen zu England 
der gegen dieses Reich gerichteten Coalitiun den Vorwand lieh. Zwar gelang 
es die zuerst drohende preussischc Besetzung von der Stadt abzuwenden und 
auf Kitzebtlttel zu beschränken, aber bald darauf (im März 1S01) stand ein- 
mal wieder vor den geschlossenen Thoren eine dänische Armee, welche, 
nachdem zweimal die muthige Bürgerschaft sich für Vertheidigung und Ab- 
wehr erklärt hatte, dennoch capitulationsweise einrückte, jedoch nicht die 
eigentliche Stadt, sondern nur die Aussenwerke und Vorstädte einige Zeit 
besetzt hielt. Es war dies das Vorspiel der grossen Tragödie, die bald 
folgen sollte. Am 19. N.ov. 1806 zogen plötzlich Franzosen in Hamburg ein 
und begannen sich häuslich einzurichten. Obwohl scheinbar in ihrer Selb- 
ständigkeit belassen, schmachtete die Stadt unter dem eisernen Willkttrregi- 
ment einer UbermUthigen Militärdespotie, bis diese s. g. Occupation den letz- 
ten Flitterschein abwarf und Hamburg zu Anfang des Jahres 1611 dem 
französischen Kaiserreiche einverleibt wurde. Die unsäglichen geistigen wie 
materiellen Leiden und Verluste aller Art, welche Hamburg in diesem ganzen 
Zeitraum von 1S06 — 1S14 zu erdulden gehabt hat, können in diesen Zeilen 
kaum angedeutet werden, denn anerkannt ist es, dass damals unter allen 
Deutschen die Hamburger am längsten und am schwersten gelitten haben. 
Desto kräftiger war ihre Erhebung; schon im März 1813, als die französischen 
Machthaber vor russischer Avantgarde aus Hamburg flohen, erklärte die 
Stadt sich wiederum frei und selbständig; die Bürger schirmten wochenlang 
ihre von Vcrtheidigungsmitteln entblösste, von den wieder anrückenden 
Feinden hart bedrängte Vaterstadt und bewiesen in manchen blutigen Ge- 
fechten ihrer Vorfahren Tapferkeit, bis sie der Uebermacht weichen mussten. 
Das wieder eroberte Hamburg erfuhr in Entsetzen erregender Weise das 
„Wehe den Besiegten", — während seine rüstigen Männer und Jünglinge 
auszogen, um vereinigt nach alter hansischer Weise, mit Lübeckern und 
Bremern uuter den Falincn und Standarten der hanseatischen Legion, oder 
bei den Lützowera und andern deutschen Truppen, den grossen Kampf der 
Vaterlandsbefreiung zu Ende fuhren zu helfen. Als längst das übrige 
Deutschland vom Feinde geräumt und Frankreich von den Verbündeten 
besetzt war, da hauste noch Davoust mit seinem Corps bei Hunger und 
Seuchen in dem verödeten, verarmten, halb verwüsteten Hainburg, welches 
erst am 'M), Mai von den letzten ihrer Peiniger befreit wurde, worauf, mit 
dem heiss ersehnten Frieden auch die alte goldeue Freiheit wieder ein- 



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17 



einzog in die Hansestadt, Uber welche dann beide ihre Segnungen aus- 
schütteten. 



Aber nun zurück zu den sonstigen mittelalterlichen Fehden, 
Kriegen und kriegerischen Abwehren Hamburgs, von welchen die grösseren 
Heerfahrten und SeezUgc in den Kreis der hansischen Thaten fallen. Wichtig 
ihrer Erfolge wegen, waren manche kleine Fehden gegen beutelustige Dy- 
nasten der Kachbarschaft, deren Guter dann, kraft Kriegsrechtes, unter 
landesherrlicher wie kaiserlicher Bestätigung, Hamburg anheimfielen uud 
sein Gebiet vergrössern halfen, wohin das bedeutungsvoll gewordene Amt 
Ritzebüttel zu rechnen, sowie das mit Lübeck gemeinsam ersiegte und bis 
1S67 im Condominium verbliebene Amt Bergedorf mit den Vierlanden. 
Nicht minder folgenreich waren die zu Gunsten der freien Schiffahrt gegen 
die Piraten und Caper der Nordsee häufig unternommenen Seezüge, welche 
sich bei den damaligen Verhältnissen und bei der ansehnlichen Stärke der 
letzteren, in der Regel zu ordentlichen Seekriegen und Seeschlachten ge- 
stalteten. Glorreich war die Niederwerfung der sogenannten Vitalienbrttder, 
einer durch langjährige Praxis fUr unbesiegbar gehaltenen und allseitig 
gefttrehteten Raubmacht, deren Anführer, der in Volksliedern viel besungene 
Stortebecker im Jahre 1402, durch den Rathmann Nie. Schocke und den 
Bürger Simon von Utrecht, als Admiralc der Hamburgischen Expedition, 
überwunden und nebst vielen seiner wilden Spiessgesellen enthauptet wurde. 
Daneben ist auch die Besiegung des vom vertriebenen Dänenkönige Christian II. 
patronisirten und bestallten Claus Kniphof zu erwähnen, welcher mit 
seinem ansehnlichen Capergeschwader durch eine kleine Hamburger Flotte 
unter dem Bürger und späteren Rathmann Ditmar Kohl, 1525 in offener 
Seeschlacht geschlagen und gefangen wurde, worauf er mit seinen Gefährten 
Stortebeckers Schicksal theilte. — Noch bis zu Anfang des 17. Jahrhunderts 
übernahmen fast regelmässig Rathsherren oder Bürgermeister die Anftthrer- 
schaft zu Wasser wie zu Lande, während die in den ältesten Zeiten durch- 
gängig aus Bürgern und Bürgerssöhnen bestehende Kriegsmannschaft, be- 
reits früher mit „frommen deutschen Landsknechten", oder mit Bootsleuten 
und anderen Söldlingen vervollständigt wurde, wogegen die bewaffnete 
Bürgerwehr sich die Bewachung der WäUc und Thore ihrer Vaterstadt nie- 
mals hat nehmen lassen, selbst dann nicht, als es bereits eine starke stän- 
dige Garnison gedienter Soldaten unter ausgezeichneten Generalen gab, 
welche als Commandanten in den Dienst der Stadt getreten waren. 

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18 



Nohen diesen kriegerischen Verwickelungen waren Hamhurgs fried- 
liche Beziehungen zum Auslande schon früh ungemein vielseitig. Be- 
reits oben wurde der Verträge mit nordischen Potentaten in der letzen 
Hälfte des Mi. Jahrhunderts gedacht Neben der hiehergehörigen hausischen 
Thätigkeit, bei welcher Hamburg stets in erster Linie betheiligt und durch 
seine Gesandten vertreten war, ist die Rührigkeit nicht zu Ubersehen, welche 
es in dieser Hinsicht auch für sich alleinstehend entwickelte. Fast jedes 
Jahr unserer diplomatischen Annaleu verzeichnet einige Gesandtschaften an 
den Kaiser, an europäische Fürstenhöfe, an deutsche Reichsstände u. s. w., 
welche Mächte, unbeirrt durch die Dänisch -Holsteinischen Ansprüche auf 
Hamburgs Besitz, keinen Augenblick anstanden, mit der bedeutsamen ein- 
flussreichen Stadt zu unterhandeln, Verträge abzuschliesseu oder sonst 
völkerrechtlich zu verkehren. 

Wenn die Menge der kriegerischen und friedlichen Beziehungen Ham- 
burgs zum Auslande uns schon keinen geringen Begriff von der Thätigkeit 
und Tüchtigkeit seiner alten Ratbmannen giebt, so wird die Fülle und 
Vielseitigkeit des Wirkens derselben beinah räthselhaft, wenn wir sie in 
ihrem nächsten, der Entwickelung des Gemeinwesens im Innern ge- 
widmeten Beruf erblicken. Solch Musterbild eines reichsstädtischen Raths- 
herrn war für seine Zeit Hinrich Murmester (1406 — 14S1) ein Mann, an dem 
jeder Zoll ein Bürgermeister gewesen zu sein scheint, ein Doctor der Welt- 
weisheit wie der Rechtsgelehrtheit, ein auf Hansatagen wie beim Utrechter 
Frieden bewährter Staatsmann, ein auf KricgszUgen erprobter Feldhauptmann, 
als Mitschöpfer der Stadtbibliothek ein Beförderer der Wissenschaften, als 
Stifter von Almosenspenden ein barmherziger Volksfreund, und endlich auch, 
als Begründer regelmässiger Rathsmahlzeiten, ein frohherziger Gesellschafter, 
kurz, nach damaliger Ansicht, in alle Wege ein so vollkommener Bürger- 
meister, wie jedes Zeitalter bis zur neuesten Aera solche Musterbilder ge- 
legentlich hervorgebracht hat 

Abgesehen von der weitschichtigen Justizpflege, welche der Rath als 
ein Kleinod seines patriarchalischen Stadtregiroents schätzte und ausübte, 
abgesehen von den Lasten und Sorgen der regelmässigen Verwaltung iu 
allen ihren Zweigen, entwickelte der Rath im Lauf der Zeiten eine immer 
steigende legislatorische Thätigkeit, wozu die fortschreitende Cultur bei rasch 
anwachsender Bevölkerung mit steigendem Wohlstande unaufhörlich drängte. 

Die zu Anfang des 15. Jahrhunderts in Deutschlands Städten herrschen- 
den Unruhen, veranlasst durch das vielfach berechtligte Streben der Bttrger- 



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19 

Schäften nach einigem oder mehrerein Antheil am Rogimentc, fanden in 
Hamburg, wo cg ein Patriciat oder ein Recht bevorzugter Geschlechter auf 
das Rathsani t niemals gegeben hat, wo Ritterbürtige laut Stadtrechts nicht 
einmal wohnen durften, keinen Zünd- oder Brennstoff; nur gelegentlich der 
Parteinahme für die demokratische Umwälzung in Lübeck kam es zu einigen 
Bewegungen, welche mit einem dem bürgerlichen Element günstigen Vergleich 
endigten. — Im Ganzen höchst friedlich und, einige Volksauf laufe abge- 
rechnet, ohne Excesse des Fanatismus, wurde die von Stephan Kcmpc 
u. A. angeregte und von dem Pommer Bugenhagen organisirtc Kirchenrcfor- 
mation ein- und durchgeführt. Hamburg wurde sehr eifrig lutherisch und 
sein geistliches Ministerium übte ein strenges Hochwächteramt gegen Calviner, 
Reformirte u. a. protestantische Glaubensbekenner nicht minder, als gegen 
Katholiken; ein noch strengeres aber gegen die eigenen Heterodoxcn, deren 
Befebdung zu den ärgerlichsten Priesterstreitigkeiten führte, welche zuweilen 
die ganze Stadt in zwei Lager spaltete, da die Einwohnerschaft in ihrer 
angeerbten Kirchlichkeit neben der Unabhängigkeit ihrer Stadt kein wich- 
tigeres Interesse kannte, als das der Erhaltung der reinen Iutherischeu Lehre. 

Gleichzeitig mit der Reformation der Kirche vollzog sich noch friedlicher 
ein Act der politischen Reform, um neben der evangelischen auch die bür- 
gerliche Freiheit zu sichern : die Bevollmächtigung dreier Gemeindevorsteher 
jedes der neuen lutherischen Kirchspiele als ständiger Vertreter der Bürger- 
schaft, dem Rathe gegenüber. Das hierdurch geschaffene Kollegium ehrbarer 
Oberalten, dessen Competenz sich im Laufe der Zeiten immer consequenter 
erweiterte, hat sich in seiner mehr als dreihundertjährigen Wirksamkeit 
unzweifelhaft höchst segensreich erwiesen, sowohl zur Aufrechthaltung bttr- 
gerschaftlicher Rechte als zur Vermittelung und versöhnlichen Beilegung 
vielfacher Controverspunkte ; es galt daher mit Recht als sehr vigilantes 
„zweites Auge der Stadt", deren erstes zu sein natürlich dem Rathe zu- 
kam. — Ein fernerer sehr wichtiger Ausbau der Verfassung Hamburgs war 
( 1 563) die freiwillige Ueberlassung der bis dahin vom Rathe allein geführten 
Finauzverwaltung an die Bürgerschaft uud deren zu diesem Zweck verord- 
neten Deputirtc (die Käminereibürger), welche somit einen weitreichenden 
Einfluss erlangten, da ihr Consens bei allen ungemüthlichen Geldfragen 
zuerst erforderlich war, sie aber diejenigen waren, welche (nach Hamb. 
Ausdrucksweise) „den Knopf auf dem Beutel" hielten. 

Während des dreissigjährigen Krieges setzte Hamburg (eingedenk des 
weisen si vis pacem, para bellum) seine Festungswerke nach neuester 

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Theorie in einen musterhaften Zugtand, indem es zugleich die ganze zeither 
unbefestigte Neustadt (das St Michaeüskirchspiel) durch mächtige Wälle, 
Gräben und Aussenwerke in den Kreis seiner Fortificationen zog und dadurch 
diesen grossen vorstädtischen District der Stadt einverleibte. Diese colossalen 
Werke, über deren immensen Kostenaufwand bei den patriotischen Bürgern 
jener Zeit nicht die geringste Klage laut geworden ist, bewährten sich so 
heilsam, dass der Krieg mit seinen Schrecknissen sich nicht bis an diese 
Bollwerke wagte, sondern in gemessener Ferne vorübertosete. Indem der- 
gestalt Hamburgs politische Existenz ungefährdet blieb, veranlasste grade 
der Krieg einen unvermutheten Aufschwung aller commerciellen Beziehungen 
der Stadt, wozu namentlich die unlängst stattgehabte Aufnahme einer 
Gesellschaft englischer Kaufleute, sowie vorzüglich die schon früher begonnene 
zahlreiche Einwanderung begüterter niederländischer Familien beitrug, deren 
unverkennbarer Einfluss auf hiesige Zustände sich bis auf die Bauart der 
Häuser erstreckte. So begann denn um diese Zeit der durch gedachte Um- 
stände zu neuen Handelszielen geweckte Seehandel wahrhaft grossartige 
Dimensionen anzunehmen, welche wieder die Ausrüstung und Unterhaltung 
von Kriegsschiffen ersten Ranges zur Convoyirung der Handelsflotten in's 
Leben riefen. Unter den Admiralen derselben verdient der edle Capitain 
Berend Karpfanger genannt zu werden, welcher, bei ücbenswtirdiger Be- 
scheidenheit, nicht nur als einer der tüchtigsten Seemänner seiner Zeit 
anerkannt gewesen ist, sondern auch in manchen Gefechten als ausgezeich- 
neter Kriegsmann sich bewährt, die seinem Schutze anvertrauten Schiffe 
tapfer beschirmt, sogar eine spanische Silberflotte aus den Händen der 
Piraten befreit, und schliesslich, vor Cadix 1683, durch eid- und pflichtge- 
treues. Verharren auf seinem von Feuersflammen verzehrten Orlogschiffe „das 
Wappen von Hamburg" ein tragisch -heroisches Ende gefunden hat. 

Bald nach dem westphälischen Frieden, dem leider so viele verderbliche 
Kriege nachfolgten, begann für Hamburg eine Reihe unglücklicher Jahre 
der innern Zwietracht und des nie endenden Haders zwischen dem Rath 
und einer von ehrgeizigen Demagogen und Geistlichen aufgeregten Bürger- 
schaft, welche nur in den Augenblicken drohender Feindesgewalt von Aussen 
zu besonnener Haltung behufs einträchtiger Abwehr zurückkehrte, um als- 
bald nach Verschwinden der Gefahr die alten Zankäpfel wieder zur Hand 
zu nehmen. Dieser langen unseligen Periode bürgerlicher Unruhen voll 
unedler Motive, kleinlicher Ziele und fanatischer Verfechtungsweise, machte 
eine aus reichsständischen Abgeordneten zusammengesetzte s. g. kaiserliche 



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Commi88ion v. 1708—1712 ein Ende, als grade beim Einrücken der orien- 
talischen Pest und beim Ausbruch des Schwedenkrieges in nächster Nach- 
barschaft der Wiedergewinn des innern Friedens höchst segensreich sich 
bewährte. Jene kaiserliche Commission hatte, übrigens unter Beirath und 
Consens des Raths wie der Bürgerschaft (deren bessere Elemente nun zur 
Tollen Geltung kamen), mittelst gründlicher Revision der alten Stadtver- 
fassung, deren erprobte Grundsätze sie weislich beibehielt oder zeitgemäss 
ausbaute, während sie durch gesetzliche Feststellung des bloss Herkömm- 
lichen, unter Abschaffung des Schädlichen und Missbräuchlichen, die Quellen 
künftigen Haders verstopfte, — ein für damalige Zeiten wahrhaft muster- 
gültiges Verfassungswerk geschaffen, dessen Vortrefflichkeit von Staats- 
männern aller Nationen, wie von Rechtslehrern und Politikern bis ins erste 
Drittel dieses Jahrhunderts anerkannt war. Neben der äusserst rücksichts- 
voll abgewogenen Theilung der höchsten Staatsgewalt, neben der mit ver- 
nunftgemäs8er Freisinnigkeit geordneten bürgerlichen Mitverwaltung, wurde 
an der Hamb. Verfassung auch der dem künftigen Ausbau günstige freie 
Spielraum gepriesen. Gewiss ist, dass dieselbe der Entfaltung und Betä- 
tigung des bürgerlichen Gemeinsinns äusserst förderlich war, und eine grosse 
Menge jener wahrhaften Patrioten hervorgebracht hat, welche unter Ver- 
leugnung persönlicher Interessen, sonder Selbstsucht und Eigenliebe, für 
das Gemeinwohl der geliebten Vaterstadt nach Kräften gestrebt und 
gewirkt haben. 

Diese freilich nur für kleine Dimensionen so segensreiche Verfas- 
sung erfuhr erst vor etwa dreissig Jahren durch die neuen Staatstheorien 
einige Anfechtung. Mit der durch den grossen Brand i. J. 1642 beding- 
ten Umgestaltung des äussern Strassensystems der Stadt begann der 
positive Wunsch nach Reorganisation ihres Verfassungslebens. Die An- 
und Aufregungen des Jahres 1848 reiften den Wunsch zur unabweis- 
baren Forderung, deren in ihren Neugestaltungen viel erwogene Erfüllung 
sodann schliesslich mit Beginn des Jahres 1861 ins Leben trat. Quod felix 
faustumque sit! 

Wenn nun in obigen flüchtigen Zügen einige Hauptmomente der Ge- 
schichte der Stadt Hamburg, ihrer Kriegs- und Friedensbeziehungen, ihres 
kirchlichen und Verfassungslebens, ihrer gewerblichen und commerciellen 
Entwicklung u. s. w. angedeutet sind, so mag uns ein Blick auf Ham- 
burgisches Streben für Wissenschaft, Kunst und Literatur um so 
billiger gestattet sein, da die landläufige Bezeichnung Hamburgs, als einer 



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Residenz (Ich materiellen Genusses, wohl auch hier zu einer bescheidenen 
Andeutung der geistigen Arbeiten der Hamburger auffordert. Jene mate- 
riellen Güter und Vortheile sind allerdings vorhanden und können als 
Naturgaben weder ignorirt noch verachtet werden, was gerade die Ham- 
burg besuchenden Fremden, bekanntlich die besten Kunden der Austern- 
keller, am sichersten bezeugen dürften. Daneben aber mögen die Erfolge 
einer fleissigen geistigen Arbeit nicht verkannt werden. 

Geistige Arbeit der edelsten Art war ja Hamburgs erster Beruf und 
Gründungszweck: jene grossartige Missionsanstalt zur Verbreitung des 
Ghristenthums wie christlich germanischer Bildung uud Sitte. Noch lange 
wirkte in Schulen und Lecturen der wissenschaftliche Geist des ehrwürdigen 
Domstiftes fort, bis er in dessen berühmtesten Dechanten, den Dr. Albert 
Crantz, als glänzender Abendstern unterging, wie grade das Morgenroth 
der KiTchenreformation und der neuen Zeit über Deutschland und Europa 
heraufzog. — Die von den Reformatoren i. J. 1529 gegründete gelehrte 
Schule, (das Johanneum), blühte rasch auf, zahlte um 1600 etwa 1100 
Schüler und wirkt noch heute in Ehren und Segen. Grösseren Ruf im 
Auslande erlangte seiner Zeit das i. J. 1011 gegründete akademische 
Gymnasium, eine zwischen Schule und Universität stehende, aber in manche 
Facultätsstudien tief einführende, durchaus gelehrte Gelehrtenanstalt Dass 
in damaligen Zeitverhältnissen eine Handelsstadt es war, welche ein solches 
Institut ins Leben rief, dessen rein geistige Zwecke weit über die gewöhn- 
liche Nutzbarkeit gingen und dessen wissenschaftliche Tendenzen weit 
über den vaterstadtischen Horizont hinaus wirkten, das darf gewiss als ein 
besonderes Verdienst Hamburgs gelten und mancher Anklage jener Zeit, 
betreffs der materiellen Interessen, entgegengestellt werden. Das akadem. 
Gymnasium blieb für Hamburg ein geistiger Mittelpunkt, dessen Wirkungen 
bis in die neueste Zeit reichen, — und wie viele wissenschaftliche An- 
regungen von hier aus in die Welt gegangen sind, das lasst sich schon 
ermessen, wenn man unter den Professoren beider Anstalten Männer findet, 
wie Joachim Jungius, den von Goethe und Humboldt gepriesenen Natur- 
forscher, Lambecius, den Historiographen, der als kaiserl. Bibliothekar zu 
Wien starb, Aegidius Gutbier, und Edzardus, den Orientalisten, Job. Albert 
Fabricius, den Philologen, Joh. Hübner, den Genealogen, Michael Richey, 
den Dichter und Archäologen, Herrmann Samuel Rcimarus, den Wolfen- 
bütteler Fragmentisten, wie dessen Sohn Joh. Alb. Heinr., den Verbreiter 
der Blitzableiter, Johann Georg Büsch, den Handelspolitiker und National- 



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23 



oeconomen, Gründer und Vorsteher einer trefflichen Handelsakademie, Chr. 
Dan. Ebeling, den Geographen, u. A. m. 

Büchcrschätze gehörten seit Hamburgs Entstehung zu den Zierden der 
Stadt. Und wenn auch die vom heil. Auschar angelegte „Liberey" des 
Doms von barbarischen Zerstörern der Stadt vernichtet wurde, und noch 
manche der folgenden Sammlungen dies Loos theilte, so erwuchs doch aus 
vielen z. Th. vor der Reformation dem Gemeinwesen geschenkten Privat- 
sammlungen allniählig die grosse Stadtbibliothek heran, welche um 1650 
diesen Namen annahm und jetzt gegen 250,000 Bände gedruckter Bücher 
und mehr als 5000 Manuscriptc sowie Kunst-, Naturalien-, Münz- u. a. 
Sammlungen umfasst Ausser dem Dom besassen auch die Hauptpfarr- 
kirchen ansehnliche Bibliotheken, wozu dann in neuerer Zeit noch manche 
andere kamen, unter welchen die der Commerzdeputation die bedeu- 
tendste ist. 

Ohne an die vielen ausgezeichneten Männer aller Stände und Facul- 
täten zu erinnern, welche aus Hamburg hervorgegangen sind und auswärts 
für ihre geistige Arbeit eine fruchtbare Stätte gefunden haben, — ohne 
auch der Werke der alten heimischen Gelehrten zu gedenken, worunter 
so manche gediegene Zeitschrift in die Ferne zu wirken verstand, mag es 
doch vergönnt sein, unter den Dichtem Paul Flemming zu nennen, der 
hier 1640 sein Leben beschloss. Sein Andenken ist kürzlich durch eine 
vollständige Sammlung seiner Dichtungen erneuert, das letzte Werk eines 
der bedeutendsten deutschen Gelehrten, des i. J. 1865 verstorbenen Ham- 
burgischen Archivars Lappenberg. — Auch darf unter den älteren Ver- 
einigungen für Literatur und Kunst die von Philipp von Zesen 1643 
gestiftete „teutschgesinnte Genossenschaft" nicht übersehen werden. Im 
18. Jahrhundert konnte Hamburg sogar für eine vorzüglich literaturfreund- 
liche Stadt gelten, deren periodische Presse, den nicht bloss politischen 
unpartheyischen Correspondenten, sowie den ehrenwerthen Patrioten an der 
Spitze, sogar eine lateinische Zeitschrift umfasste, Kühraiich wirkte die 
i. J. 1714 von Brockes, König und Kiehey gegründete „teutsch- übende 
Gesellschaft, 44 und wenn auch die manche ihrer Schöpfungen mittheilendc 
„Poesie der Niedersachsen u nicht nach unserm Zeitgeschmack ist, so 
waren unter den Dichtern doch Männer wie Brockes und Hagedorn, deren 
Werke ein mehr als literarhistorisches Interesse bieten. Endlich dürfen 
wir noch an Lessings Hamburgische Dramaturgie erinnern, an Schriftsteller 
wie Voss, Gerstenberg, Stolberg, Archenholz, an Claudius, den Wandsbecker 



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Boten, welche wenigstens zeitweise theils in Hamburg, theils in nächster 
Nähe lebten, um schliesslich Klopstock, welcher seit 1774 hier heimisch 
war, bis seine sterbliche II Alle 1S03 unter der Linde zu Ottensen mit einer 
unerhörten Theilnahrae aller Stände bestattet wurde, als die Krone jener 
literarischen Notabilitäten zu nennen, welche im letzten Viertel des vorigen 
Jahrhunderts Hamburg berühmt machton. 

Endlich ist auch die Kunst in Hamburg stets hochgeehrt gewesen, wo 
nicht nur unter den Malern die niederländische Schule vorzüglich vertreten 
war, wo Peter Marquard der Kirchthurmbauer, wo Hans Hamelow, wo 
Sonniu und andre tüchtige Architecten wirkten, wo der berühmte Andreas 
Schlüter geboren war, sondern wo auch das erste deutsche Operntbeater 
entstand, und später, unter Schröder, ein deutsches Schauspiel sich bildete, 
das als Muster gelten konnte. Von allen Künsten aber hat die Musik zu 
allen Zeiten in Hamburg am rosigsten geblüht, wie denn alte Kunden von 
den schier cngelgleichen Harmonien der Kirchenconcerte erzählen, welche 
unter Hamburgs Cantoren und Musik -Directoren, z. B. unter Thomas Sellius, 
Gerstenbüttel, Telemann und Emanuel Bach, die kunstliebende Welt ent- 
zückten, — weshalb auch ein Händel nach Hamburg kam (wie Ctirysander 
berichtet), um hier zu lernen, was Musik sei. — Wie aber die Tonkunst 
noch heut zu Tage hier geübt wird, — das weiss Gott, und nicht nur 
Theater und Concertsaal, nein jedes Haus und jede Etage eines Hauses 
kanns bezeugen! 

Werfen wir nun zum Beschluss dieser Erinnerungen an Hamburgs 
Vergangenheit noch einen Rückblick auf die äussere Gestalt der 
Stadt vor etwa 300 Jahren. Wir haben oben die ummauerte Drei- 
burgenstadt um 1060 uns zu denken versucht, bevor sie abermals zersört 
wurde und ihre Trümmer zu denjenigen der vielen vorhergegangenen Zer- 
störungen kamen, deren Schutt vielleicht manches Geheimniss deckt und 
zugleich die ganze moderne Gestaltung der Stadt trägt Leichter wird es 
uns jetzt werden, nach Anleitung alter Grundrisse und Ansichten, uns ihre 
äussere Physiognomie vor 300 Jahren vorzustellen. 

Auf einem Grundriss von etwa 1570 sehen wir die damalige Stadt, 
welcher der jetzige nordwestliche Theil (das St Michaelis-Kirchspiel) noch 
fehlte, in fast länglicher Form zwischen Elbe und Alster sich ausbreiten. 
Ueberall begegnen wir noch den alten Stadtmauern mit ihren Wartthürmen 
und gewölbten Binnenthoren, während ausserhalb derselben die jüngeren 
Befestigungen sich als Erdwälle zwischen breiten Wassergräben darstellen. 



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25 



Der Hafen beschränkt sich noch auf den jetzigen innern Hafen , und selbst 
in dem ältesten Port Adolfs III., bei der Neuenburg, seheinen noch kleinere 
Fahrzeuge zu ankern. 

Da, wo am Binnenhafen die alte Schar- oder Uferkapelle auf der 
Stelle eines wunderthätigen Marienbildes lag, schUesst die Stadtmauer an 
der sogenannten Herrlichkeit die Rückseite des Rödingsmarktes bis zum 
vormaligen Ellern- oder Millernthor, daran das Hospital zum heil. Geist, 
vermuthlich eine Stiftung des ebengenannten Adolf, während jenseits des 
dortigen Grabens, einer AlstermOndung, ein breiter Erdwall die heutige 
Admiralitätsstrasse vorahnen lässt, und die jetzige Neuewallstrasse bis zum 
Jungfernstieg damals eben nur ein mit Kanonen wohlgespicktcr neuer 
Wall war. Jenseits dieser ganzen Strecke von der Elbe bis zur Alster 
gewahren wir nur wenige Wohnungen, viele Gärten, einige Ziegelhütten 
auf dem „Tegelfelde" jetzt als Strasse Theilfeld genannt, auch Reste eines 
Eichenwaldes, darnach die heutige Strasse „Eichholz" sich nennt Dahinter, 
auf dem allmälig ansteigenden Blachfelde (der jetzigen Vorstadt St Pauli) 
gewahren wir noch keine Spur der späteren Herrlichkeiten des classisch 
gewordenen „Hamburger Berges", an dessen jenseitiger Senkung es ebenso 
wenig eine Stadt Altona giebt Diese ganze Gegend soll übrigens das 
sagenhafte „lütte Rümeken", das kleine Räumchen repräsentiren, welches 
eine ebenso kluge als schöne Bürgermeistersfrau einem sehr höflichen 
Grafen von Holstein abgelistet haben soll, um einen Bleichplatz auf Stadt- 
gebiet zu gewinnen für die patriotischen Hamburgerinnen. Nachmals ver- 
legte man wohl diese Bleichen in die dem neuen Wall gegenüber befind- 
lichen Alsterwiesen, wo wir sie auf unserm Grundriss als Urstätte zweier 
nach ihr benannten heutigen Strassen erblicken. — Da wo zur Zeit der 
erst seit etwa 200 Jahren also benannte Jungfernstieg paradirt, gewahren 
wir mehrere Wassermühlen an einem die Alster stauenden Damm, auf 
dessen Mitte, etwa beim Zusammentreffen mit dem neuen Wall, zwei feste 
Thore stehen, das damalige Dammthor, während dieser Eingang zur Stadt 
an seinem äusserten Ende (wo jetzt der neue Jungfernstieg sich abzweigt) 
durch einen mächtigen Zwingthurm geschützt erscheint, den das Volk den 
„isern Hinrik", den eisernen Heinrich, hiess, zu Ehren des im Jahr 1382 
gestorbenen ritterlichen Grafen dieses Namens aus dem Hause Schauenburg. 

Die Stadt setzt sich nun am diesseitigen Alsterufer (der jetzigen Her- 
mannsstrasse) beim Marstall des Raths und beim Heidenwall fort; vom Alster- 
thor an umzieht wieder die vielgethttrmte Ringmauer mit den davor liegen- 



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I 



2fi 



den neuen Festungswällen diesen Thcil Hamburgs. Das Spitalerthor 
führt nach St. Georg hinaus, damals lediglich ein vielleicht von Adolf III. 
flir Aussätzige gestiftetes Lazareth, vor welchem das noch heute wohlerhal- 
tenc Bildwerk die Kreuzigung Christi stand, in katholischer Zeit ein Wall- 
fahrtsziel vom Dom aus. Die alte Stadtmauer umschliesst dann weiter das 
St. Jacobi- und St. Catharinen-Kirchspiel, beim Stein- und Winserthor vor- 
bei, ruht längs der Strassen beim Dovenfleth, Zippelhause, Cath.- Kirchhof, 
Mühren und Kajen, auf oben erwähnten Bardowiker Granitquadern, und 
vereinigt sich bei unserm Ausgangspunkte, dem Scharthor, mit den dortigen 
Mauern, während auf letztgedachter Strecke die südlichsten Quartiere: die 
Wandrahmen, die Brookthorgegend und der Kehrwicder durch die neuen 
Ausscnwcrke der Stadt einverleibt sind. Draussen, hart am Elbstrom, dehnt 
sich der grüne Grasbrook aus, eine Viehweide der Bürger und Schedel- 
stättc vieler hundert Seeräuber. 

Innerhalb dieser Mauern und Wälle gewahren wir nun eine unzählige 
Menge alterthümlicher Gebäude aller Art. Abgesehen von den erwähnten 
Thor- und Wartthürmen, deren manche mit dem berühmten llolstenthor in 
Lübeck zu wetteifern scheinen, finden wir den Dom mit seinen Curien, die 
Pfarrkirchen, mehrere Kapellen, die beiden von Adolf IV. gestifteten Klöster 
u. a. Stiftungen, das Kathhaus und verschiedene sonstige öffentliche Bau- 
werke in ihrer mittelalterlichen Pracht und Herrlichkeit, und unter den 
Privathäusern kein einziges ohne den Stufengiebel der Vorzeit, mit alleini- 
ger Ausnahme der zuletzt gedachten südlichsten Strassen neueren Da- 
tums am Brook und Kelmvieder, welche auf einer Abbildung v. 15S7 die- 
ses Schmuckes völlig entbehren. 

Im Laufe des 17. Jahrhunderts erweiterte sich Hamburg durch die Ein- 
verleibung des inzwischen auf- und ausgebauten vorstädtischen Kirchspiels 
St Michaelis, nachdem dasselbe in den Festungskreis aufgenommen war. 
Während des 18. Jahrhunderts wurden viele alterthümliche Gebäude mo- 
dernisirt; der schon früher vorkommende niederländische Geschmack brach 
sich bei grösseren Prachtbauten immer entschiedener Bahn, davon die grosse 
Michaeliskirche, das als kaiserl. Gesandtschaftshötel erbaute jetzige Stadt- 
haus und manche stattliche Privathäuser im Wandrahmen und in der 
Reichenstrasse Kunde geben. Das erste Viertel des gegenwärtigen Jahrhun- 
derts ist keineswegs erfreulich bezeichnet durch das Abbrechen des Doms 
und einiger Nebenkirchen, wie vieler merkwürdiger Privatgebäude, darunter 
das alterthümliche sogenannte englische Haus, auf dessen mit nachbarlichem 



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27 

Terrain vcrgrössertem Grunde die jetzige neue Gröninger Strasse steht. — 
Was endlich an Baudenkmälern der Vorzeit noch Übrig gebliehen war, — 
viel ist's nicht gewesen, das hat mit geringer Ausnahme der grosse Brand 
von 1842 von der Erde vertilgt 

Leicht lassen sich jetzt diese geringen üeberreste übersehen. Aus der 
ältesten Zeit: die St Catharincn- und die St Jacobi-Kirche; aus mittlerer 
Zeit: ein einziges Stufcngicbelhaus am Ness, aus der folgenden Periode 
einige zur Zeit halb modernisirte Häuser in der kleinen Keichenstrasse, 
ferner das durch Steinbildwerke interessante städtische Hotel Kaisershof, 
und die drei einzigen älteren mit Holzschnitzwerken geschmückten übrigens 
unansehnlichen Häuser: an der Herrlichkeit, am Pferdemarkt (Ecke der 
Jacobitwiete) und am Dovenfleth (Ecke der Lembkentwiete). Endlich noch 
die gedachten Häuser im niederländischen Geschmack in verschiedenen 
vom Feuer verschont gebliebenen altstädtischcn Strassen. 

Was seit Hamburgs Brand im Jahr 1S42 der Neubau geleistet hat, 
auf wie unter der Erdoberfläche, das steht zu Jedermanns Bcurtheilung 
offenkundig da. 



Wir aber schliesson unseren Blick auf Hamburgs äussere Gestalt vor 
300 Jahren, wie unsere ganze Rückschau auf Hamburgs Vergangenheit, 
mit einem aufrichtigen Wunsch. Vielleicht wird nach 300 Jahren eine 
deutsche Architekten -Versammlung abermals hier tagen. Möge dieselbe 
dann die wenigen bis heute geborgenen Denkmäler der Vorzeit noch wohl 
erhalten antreffen; möge sie ferner recht viele der Bauwerke des gegen- 
wärtigen Zeitalters dann nicht nur als ehrwürdige Altcrthümer, sondern 
auch als Meisterwerke bewährt erachten; möge dann endlich Hamburg 
selbst im Vollbesitze des Segens seiner uralten Freiheit annoch grünen 
und blühen, zu Deutschlands Wohl, zu Deutschlands Ehre! 

Hamburg, 1868. 

Dr. 0. B. 



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2. 

Entstehung und Wachsthum der Stadt. 

Topographische Uebersicht von C. F. GaedechenS. 

Hamburg liegt auf 53° 32' 55/" nördlicher Breite und auf 9° 58' 41»" 
östlicher Länge von Green wich, am Einfluss der Alster und wenig unter- 
halb der Ausmündung der Bille in die Elbe, etwa 18 deutsche Meilen 
von der Mündung der letzteren. 

Ungefähr an dieser Stelle findet die Flussschifffahrt ihre natürliche 
Begrenzung durch die gemeinsame Einwirkung der Meeresfluth und der 
Wellen, während Seeschiffe von 17 Fuss Tiefgang zur Fluthzeit noch un- 
behindert den Hafen erreichen können. Die Fluth, welche an der Elb- 
mttndung durchschnittlich die Höhe von 10 Fuss erreicht, beträgt bei 
Hamburg etwa 6Va Fuss, und hört wenige Meilen oberhalb Hamburg in 
dem durch Inseln und Sandbänke vielfach durchschnittenen Flussbette 
gänzlich auf. 

Die natürlichen Ufer der Elbe bestehen aus unbedeutenden sandigen 
und thonigen Höhenzügen oder sogenanntem Geestlande, während die 
Inseln und das angeschwemmte Vorland durch Schlickablagerungen auf 
moorigem Untergrunde das wenige Fuss über den gewöhnlichen Wasser- 
stand sich erhebende Marschland bilden. 

Die Gründung Hamburgs entzieht sich dem geschichtlichen Nachweise, 
auch ist die Anlage einer Burg daselbst nicht urkundlich belegt, doch ist 
es höchst glaubwürdig, dass die Burg, welche im Jahre 808 mit der 
Hochbuchi durch Kaiser Karls Feldherrn an der Elbe angelegt ward, die 
Hammenburg ist, weil schon 810 an der Stör die Burg Essesfleth das 
jetzige Itzehoe erbaut ward. Genannt wird die Hammenburg zuerst im 



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_30 

Jahr 834, als Kaiser Ludwig der Fromme sie zum Sitz des Erzbisehofs für 
das Sachsenland bestimmte. Es unterliegt keinem Zweifel, dass auf dem 
Platze des ältesten Stadttheils schon vor der Befestigung ein nicht un- 
bedeutender sächsischer Ort lag, und dass sich dabei ein Tempel oder 
eine Verehrungsstätte der vornehmeren Götter befand, weil hier eine der 
ersten Kirchen Nordalbingiens erbaut und dieser der erste Kang ein- 
geräumt wurde. Der Platz bot für einen grösseren Wohnort jeden ge- 
wfluschten Vortheil, denn die Niederungen der Alster vereinigten sich hier 
mit den Niederungen der Elbe, und die das Alsterthal begränzenden sanften 
Höhen näherten sich bis auf 1000 Fuss. Hier war der natürliche Ueber- 
gang Uber die Alster, ein Ländeplatz für Schiffe, grasreiche Niederungen, 
bewaldete Höhen und ein bis auf 40 Fuss über den Wasserspiegel an- 
steigender Hügel, dessen Südabhang Schutz gegen die kalten Winde bot. 
Dieser gegen Osten durch eine sanfte Einsatteluug getrennte Hügel ward 
mit einem Wall und Graben versehen, deren Spuren noch bis zum Brande 
von 1842 nachzuweisen sind, von denen jetzt nur das Fleet bei der kleinen 
Keichenstrasse übrig ist 

Die Feste hatte die Form eines fast gleichschenklichen Dreiecks, dessen 
Süd- und Nordwestseite etwa 1700 Fuss, und dessen gebogene Ostseite 
etwa 1400 Fuss lang war, so dass der ganze Flächeninhalt der Stadt mit 
dem Wall 1,456,600 n^uss betrug. Ein Thor befand sich am Speers- 
ort am niedrigsten Punkt dieser Strasse, ein zweites bei der jetzigen 
Mflhlenbrücke, wo der Alsterübergang sich befand, und wohl ein drittes an 
der Südseite im jetzigen Brodschrangen, nahe beim Dornbusch. Die älteste 
Kirche lag nahe bei dem ersten Thore auf dem Platze der jetzigen 
Gymnasialgebäude. 

Die neue Stadt ward mehrfach durch Normannen und Slaven zerstört, 
dieses war um so leichter, als alle Gebäude nur aus Holz, Lehm und 
Stroh erbaut waren, aber stets erhob sie sich wieder und wuchs aus dem- 
selben Grunde abermals rasch empor. 

Nach einer dieser Zerstörungen ward die Stadt gegen Süden erweitert, 
man zog einen Theil der Niederung hinzu, der durch einen breiten Graben 
geschützt ward. Dieser neuß Theil, bestehend aus den jetzigen Reichen- 
strassen, dem Ness und der Gegend bei der alten Börse, bildete die Vor- 
stadt (das Suburbium), welche schon zu Zeiten des Erzbischofs Anschar 
(f 865) genannt wird, und die der Stadt einen Zuwachs von 512,000 □Fuss 
brachte. 



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31 



Am östlichen Ende dieses neuen Stadttheils erbaute später der Erz- 
bisehof eine hölzerne Burg, die Widenburg, auf der Stelle, wo sich jetzt 
der Hopfensack befindet. Der Herzog hatte ein gleiches Sehloss an der 
Alster an der Nordwestseite der Stadt, aber innerhalb des Walles auf dem 
Platze des jetzigen Rathhausmarktes. 

Im Jahre 1012 zerstörten die Wenden Hamburg, aber sofort ward es 
wieder von Holz aufgebaut. Der 1035 zum Erzbischof von Hamburg er- 
nannte Bezelin Alebrand führte zuerst den Steinbau ein, er Hess seine 
Wohnung von Stein auffuhren und mit Thttrmen und hinreichenden Be- 
festigungen versehen. Er Hess ferner die der Mutter Gottes geweihete 
Kirche im Jahre 1037 aus Quadersteinen erbauen. Seinem Beispiele folgte 
der Herzog Bernhard und baute ebenfalls ein neues steinernes Schloss. 

Um diese Zeit muss der Anbau der im Süden der Stadt belegenen 
Insel Grimm stattgefunden haben, auf derselben liegen jetzt der Grimm, die 
Gröningerstrassen, der Hüxter, die zweite Brandstwiete, die Lembken- 
twicte, ein Theil des Dovenfleetes, die Gegend beim Zippelhause und bei 
der Katharineukirche, auf dem Platz der Kirche stand damals eine Kapelle. 
Diese Insel war nur von niedrigen Deichen, sogenannten Sommcrdeicheu 
umgeben, aber nicht frei von Ueberfluthungen der Elbe bei sehr hohen 
Wasserständen (Sturmfluthen). Sie lieferte der Stadt einen Zuwachs von 
796,100 QjFuss. Auch auf das rechte Alsterufer dehnte sich die Ansiede- 
lung aus, denn hier erbaute sich Herzog Ordulf, der Sohn Bernhards, 
1061 eine Burg, die Neueburg, auf dem Platze der jetzigen Nicolaikirche 
und der Strasse Neueburg, er Hess die alte Burg an der Alster seiner 
Mutter als Wittwensitz. (Plan 1065). Neue Angriffe der zum Heidenthum 
zurückgekehrten Abodriten und Liutizer folgten 1066 auf die Stadt und 
im Jahr 1072 ward sie zweimal von den Wenden geplündert, in Brand 
gesteckt und die drei Burgen zerstört. Der Erzbischof verlegte in Folge 
dessen seinen Sitz nach Bremen und seine Burg ward nicht wieder auf- 
gebaut. 

Unter dem IUI zum Grafen von Holstein und Stormarn ernannten 
Adolph von Schauenburg blühete die Stadt von Neuem auf. Er Hess die 
Marienkirche wieder erbauen, vermutblich die drei mittleren Schiffe, und 
errichtete sich eine Wohnung, wohl auf dem Platze der Neuenburg, während 
seine Gemahlin 1124 die alte Burg an der Alster aus Mauerwerk wieder 
herstellen Hess. Beide Burgen wurden schon 1139 von dem, durch Mark- 
graf Albrccht den Bären zum Grafen von Nordalbingien ernannten, Hero- 



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32 



rieh von Badewide, bei seinem Abzüge aus der Stadt, die er nieht zu 
halten vermochte, zerstört. 



Hamburg — 1065. 




1 : J4,000 der wirklichen GrÖMe. - 1 Zoll - 2000 Fu... 

Die Zahlen am Rande bedeuten Hüben in Fussen über dem Elbwas*er*Unde 
und gehören zu den Uöhencurven. 



Nachdem Graf Adolph II. wieder in den Besitz Hamburgs gelangt 
war, erbaute er in der Nähe der alten Burg eine gräfliche Wohnung, die 
später gräflicher Wittwensitz ward. Er zog Colonisten aus Holland, Fries- 



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33 

land und Westphalen unter günstigen Bedingungen herbei, und diesen 
Einwanderern ist die Eindeichung des Nicolaikirchspiels durch die Deich- 
8trasse und Kajen, und der Crcmoninsel mit der Catharinenstrasse und 
anderer zunächst der Stadt gelegener Marschdistrikte zuzuschreiben. 

Durch sie wird auch ohne Zweifel die erste Aufstauung der Alster 
bei der Mühlenbrückc zur Herstellung einer Wassermühle daselbst, welche 
bereits 1195 in Betrieb war, angelegt sein. 

Am rechten Alsterufer siedelten sich bald neue Anwohner an, und 
1189 liess Adolph III. den Raum der neuen Burg in Bauplätze eintheilen; 
er gründete eine neue Stadt Hamburg, für welche eine dem heiligen Niko- 
laus geweihete Kapelle bereits 1195 vorhanden war. Die Altstadt hatte 
inzwischen der Marienkirche gegenüber eine zweite Kirche, dem heiligen 
Petrus geweiht, erhalten, die 1 195 dem Domcapitel Ubergeben wurde. Um diese 
Zeit musß auch die Creraoninsel und die östlich der Stadt gelegene Höhe 
um die jetzige Jakobikirche herum angebaut und mit einer hölzernen 
Befestigung versehen sein, die sich gegen Osten längs der Neustrasse und 
den Mtthren von der Elbe bis zur Alster hinzog, und im Westen von 
der Alster bis zur Elbe noch in der Strasse „Herrlichkeit" zu erkennen 
ist; während an der Nord- und Südseite die Niederungen der Alster und 
Elbe genügenden Schutz boten. Die neue Stadt nahm einen Kaum von 
1,914,800 QJFuss ein, die Crcmoninsel war 801,500 □Fuss gross, und 
der im Osten der Stadt hinzugezogene Theil, das spätere Jakobikirch spiel 
3,522,500 []Fu8S. 

Nach der Schlacht von Bornhöved, am 22. Juli 1227, erbauete Graf 
Adolph IV. auf dem Grunde der alten Burg, das der Maria Magdalena 
geweihte Minoritenkloster, in welches er 1239 als Mönch eintrat, auf dem- 
selben Platz, wo jetzt die neue Börse steht, und überliess einen andern Theil 
des Burggrundes den Dominikanern, welche hier das Johanniskloster bauten 
und 1235 bezogen. Diesen Mönchsklöstern folgte 1246 die Errichtung des 
cisterzienser Nonnenklosters in Herverdeshude ausserhalb der Stadt, unfern 
der Elbe und 1255 ein Beguinenstift, der Jakobikirche gegenüber. Die 
Erbauung der beiden Mönchsklöster Über die frühere Stadtgrenze hinaus 
veranlassten die Grafen Johann und Gerhard, einen Raum zwischen dem 
Minoritenkloster und dem Millcrnthor beim Graskeller, den jetzt der 
Mönkedamm einnimmt, 1246, der Stadt zur bessern Befestigung zu über- 
weisen, die dadurch eine Vergrösserung von 189,400 QFuss erhielt Kurz 
vorher war eine zweite Aufstauung der Alster durch Einschüttung des 

3 



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34 _ 

jetzigen alten Jungfernstiegs hergestellt, und daselbst 1245 die Obermühle 
zum Gegensatz gegen die alte oder Niedermühle augelegt. Dieser Stau, 
etwa 14 Fuss Ober dem Nullpunkt der Elbe, bildete ein Mühlenbassin ron 
grosser Ausdehnung, dasselbe ist jetzt noch in der Binnen- und Aussen- 
alster erhalten, welche beiden damals jedoch ungetrennt waren. 

In dem Jahre 1248 erfolgte die Vereinigung der beiden bis dahin ge- 
trennten Städte, der alten und neuen Stadt Hamburg; die beiden Rath- 
häuser — ersteres in der Gegend des Dornbusch, letzteres auf dem Hopfen- 
markt — wurden verlassen und ein neues gemeinsames an der Grenze 
beider Theile, an der Trostbrücke erbaut, wo es 1292 vorhanden war. 

Der Steinbau hatte inzwischen immer mehr Eingang gefunden. Nicht 
nur die Kirchen und das Rathhaus, wie auch Wohnhäuser wurden von 
Stein aufgebaut, sondern auch die Thore, von denen das Steinthor viel- 
leicht das erste, 1266 das neue Steinthor genannt wird. 

Die Befestigung der Stadt bestand aus Mauern mit Gräben, Thoren, 
wo die Hauptstrassen die Mauern durchschnitten, und einzelnen Thtirmen 
an besonderen Punkten. Ucber die Stärke der Mauern giebt der Vertrag 
Aufschluss, welcher 1314 und 1315 mit den beiden Klöstern abgeschlossen 
wurde, nachdem sie, durch einen Brand zerstört, ihre Gebäude wieder auf- 
bauen wollten. Sie sollten 20 Fuss von der Erde und 40 Fuss vom 
Wasser hoch sein, am Erdboden 3« 2 , in der Mitte 2« 2 und oben 2 Fuss 
stark sein. 

Um die Mitte des 13. Jahrhunderts waren die vier Hauptkirchen: Petri. 
Nicolai, Catharinen und Jakobi schon als grosse Kirchen ausgebaut, und 
überdies lag im ältesten Stadttheile die Marienkirche oder der Dom. Dieser 
erhielt wahrscheinlich 1288 zwei neue Seitenschiffe, so dass er jetzt fünf 
Schiffe und 220 Fuss Länge auf 120 Fuss Breite hatte. Der Thurm ist 
1322 nachzuweisen, er hatte 1379 eine pyramidale mit Blei gedeckte Spitze. 
Die Kirche erhielt 1370 ein viertes Schiff an der Südseite und dadurch 143 
Fuss Breite bei 225 Fuss Länge. Die St. Catharinenkircbe wird zuerst 1251 
genannt und hatte 1359 einen Thurm. Die St Nicolaikirche kommt schon 
1281 als Parochialkirchc vor und war 1353 mit einem höheren Thurm ver- 
sehen. Die Jacobikirche endlich wird 1255 genannt und erhielt zu ihren 
drei Schiffen 1357 ein viertes an der Südseite. Zu diesen Kirchen kam 1391 
noch die St. Gertrudkapelle auf dem Platze, der jetzt noch ihren Namen 
führt, und als Nehenkirchen die beiden Klosterkirchen, sowie das Gottes- 
haus des Heiligengeisthospitals (1308 als Kapelle, 1353 als Kirche be- 



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zeichnet). Ausserhalb der Stadt lag dann noch vor dem Spitalerthor das 
1220 zuerst genannte Hospital St Georg für Aussätzige, welches auch früh 
schon eine Kapelle hatte. Der Gesammtnacheninhalt der Stadt im 14. 
Jahrhundert betrug 9,978,600 \JFms. 

Nachdem die bisherigen Mauerbefestigungen sich als ungenügend er- 
wiesen hatten, fing im Jahr 1475 Hamburg an sich mit einer neuen Be- 
festigung zu versehen, und legte vor den Mauern an der Ostseite einen 
Erdwall mit Graben an, der sich bis zur Obermühle hinzog, und dann hinter 



Hamburg — 1320. 




1 : 24,000 der wirklichen Grösse. - 1 ZoU = 2000 Fuss. 



den Klöstern auf der Stelle des späteren Altenwalls oder Dreckwalls fort- 
gesetzt wurde. Einzelne 60 Fuss im Durchmesser haltende Thürme ver- 
stärkten die Vertheidigung, die Thore wurden durch Thürme befestigt. Das 
neue Steinthor ward 1483 nach dem Muster des Holstenthors in Lübeck mit 
zwei Thürmen von 48 Fuss Durchmesser und 60 Fuss Mauerhöhe erbaut. 
Die Befestigung der Westseite scheint indess bald nicht genügend befunden 
zu sein, denn nachdem 1497 ein Wall vor der Mauer vom Schaarthor bis 
zum Millernthor aufgeworfen war, auf dem Platze der jetzigen Admiralität« 



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3ß 



Strasse, Verliese man den alten Wall und legte 1544 den neuen Wall am 
rechten Alsterufer an, dem die jetzige Strasse ihren Namen verdankt An 
der Südseite der Stadt hatte man bisher die Mauerbefestigung beibehalten, 
und ausserhalb derselben hatten sich auf einzelnen durch Kanäle ab- 
getheilten Inseln neben dem um die Mitte des 14. Jahrhunderts entstan- 
denen Kalkhofe und dem 1386 nachzuweisenden städtischen Bauhofe manche 
Anbauer angesiedelt, und waren seit der Mitte des Jahrhunderts die Wand- 
rahmen hergestellt Diese Gegend wurde bis 1548 mit in die Wallbefesti- 
gung hineingezogen, die sich vom Oberhafen bis um den Niederhafen und 
den Kehrwieder erstreckte. Die hier gewonnene Vergrösserung betrug 
1,889,200 CFuss von den verschiedenen Inaein des Brooks und 793,600 
□Fuss des Niederhafens , und bedeckte die Stadt jetzt einen Flächenraum 
von 17,013,700 □Fuss. 

Ueber diese Periode der städtischen Bebauung, besonders in der Gegend 
der Elbe, giebt die auf Seite 2 befindliche Ansicht, welche aus der vortrefflich 
gezeichneten, 43 Fuss langen und auf dem Stadtarchive aufbewahrten Elb- 
karte von Vierlanden bis Neuwerk des Melchior Lorichs aus Flensburg vom 
Jahre 1568 entnommen ist, ein getreues Bild. 

Ausserhalb der Stadt suchte man von jeher den Anbau von Wohnungen 
zu verhindern, und nachdem im Jahre 1258 der Stadt ein Weichbild bis 
an nächste Terrainabschnitte angewiesen war, (die jetzige Grenze gegen 
Altona, der Hundebeck und jenseits der Alster der Schürbeck und die 
Landwehrlinie) suchte man durch Verträge mit dem Kloster Herverdes- 
hude, welches die Ländereien um die Stadt auf dem rechten Alsterufer 
besass, und durch Ankäufe die Errichtung von Gebäuden zu hindern. 
Dennoch blieben zunächst der jetzigen Altonaer Grenze einige Häuser, und 
auf dem östlichen und südlichen Abhang der Höhen des rechten Alsterufers 
siedelten sich Schiffer und Andere an. 

Im Anfange des 17. Jahrhunderts hatte die Befestigungskunst in Italien 
und den Niederlanden bedeutende Fortschritte gemacht; und Hamburg, 
von der Westseite gänzlich dominirt durch die Höhen auf dem rechten 
Alsterufer, entschloss sich 1616 zur Anlage eines grossartigen Walles, der 
sich im Osten dem vorhandenen Walle anschloss, dann durch die Alster 
ging, und die Höhen auf dem rechten Alsterufer bis zur Elbe in einem 
grossen Bogen umspannte, den Hafen einschloss und endlich auf dem 
Grassbrook bis ganz nahe an das Elbufer reichte. Zweiundzwanzig 
grosse Bastionen, nicht ganz regelmässig tausend Fuss von einander, sollten 



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37 



angelegt werden, doch kam die Befestigung auf dem Grasbrook nicht zur 
Ausführung; man arbeitete nur den südlichen Wall nach dem neuen System, 
aber mit kleinen Bastionen um. Die neue Walllinie ward durch den nieder- 
ländischen Hauptmann van Valckenburg erbaut, und in ihren Haupttheilen 
1624 vollendet Es scheint bei der Anlage der Plan vorgelegen zu haben, 
die Geestseite mit einem Kreise von ungefähr 4000 Fuss Halbmesser zu 



Hamburg — 1600. 




umziehen, dessen Mittelpunkt der Nicolaithurm bildete; an der Südseite 
verringerte sich der Abstand bis auf 3000 Fuss. Die Stadt hatte durch 
die neue Befestigung mit Einschluss des Walles bis zum Stadtgraben einen 
Flächeninhalt von 42,580,000 n^uss erhalten, ohne den Wall, den Hafen 
und die 2,457,600 []]Fuss grosse Binnenalster aber einen Flächenraum von 
32,931,000 [^Fuss. Der zur Stadt gezogene unbebaute Theil ward durch 



:i8_ 

van Valckenburg regelmässig eingeteilt und mit 44 Fuss breitem Haupt- 
und 33 Fuss breiten Nebenstrassen durchschnitten. Der neue Stadttheil 
erhielt 1600 eine Kapelle, die 1606 zu einer Kirche, die kleine St. Michaelis, 
umgebaut ward, erneuert 1754. Von 1649 bis 1661 ward die grosse 
Michaeliskirche als neue Pfarrkirche erbaut, sie brannte 1750 ab und ward 
vom Baumeister Sonnin neu aufgeführt. 

Die durch die neuen Festungswerke Überflüssig gewordenen alten 
Wälle der Westseite wurden abgetragen, der nordwestliche Theil 1707, 
woselbst die Neuewallstrasse entstand, der südwestliche Theil erst 1767, 
um die Admiralitätstrasse herzustellen. Nach Erbauung der Strasse Neuer- 
wall folgte 1713 die Anlage einer Allee an der Südseite der Binnenalster, 
des weitbekannten alten Jungfernstiegs. 

Die neuen Stadttheile wurden sehr bald bebaut, weil von allen Seiten 
Fremde Schutz hinter den starken Wällen suchten, und um rasch Woh- 
nungen zu schaffen, baute man hohe Fachwerkshäuser. Aber auch städti- 
sche Gebäude, wie die Zeughäuser, das grosse Kornhaus, jetzt Kaserne 
1661, der Bauhof 1666 waren nur aus Fachwerk construirt, freilich von 
sehr starken Dimensionen. 

Da durch die Befestigung mehrere Brunnenleitungen zerstört waren, 
errichtete man an der Alster mehrere Wasser- Kunstgebäude, in welchen 
das Wasser mit Hülfe der Wasserkraft gehoben und durch hölzerne Röhren 
den Häusern zugeführt ward. Eine öffentliche Strassenbelenchtung wurde 
1673 eingerichtet. Auf dem Walle bei dem jetzigen Elbpavillon wurde 
1625 die erste holländische Windmühle gebaut, bisher hatte man nur Bock- 
mühlen benutzt 

Um die Ostseite der Stadt besser gegen einen feindlichen Angriff zu 
schützen, legte man 1679 ungefähr 3600 Fuss vor dem Hauptwall einen 
zweiten Wall an, quer über die Höhe von der Elbniederung Hammerbrook 
bis zur Alster, und zog durch die Niederung ein Retranchement. In diesem 
neuen Werk bildete sieh nach und nach eine Vorstadt aus, die nach der 
1629 zur Pfarrkirche erhobenen Kirche des Hospitals St. Georg den Namen 
St Georg erhielt Ausserhalb der Befestigungswerke ward jeglicher Anbau 
durch die nothwendige freie Aussicht verhindert, nur an der Grenze gegen 
Altona waren, ausser Thranbrennereien für die Wallfisehfänger, einzelne 
Ansiedelungen gemacht und 1682 die Kirche St Pauli gebaut, nach welcher 
die ursprünglich Hamburger Berg genannte Vorstadt später den Namen 
St Pauli erhielt 



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41 



Nördlich von der Kirche befand sich auf dem Platze der jetzigen Wil- 
li elminen- und Annenstrasse seit 1606 der Pesthof, aus welchem später 
das städtische Krankenhaus hervorging. Jenseits der holsteinischen Grenze 
hatten sich schon im Anfang des 1 6. Jahrhunderts einzelne Anbauer nieder- 
gelassen, und 1538 wird diese Ansiedelung zuerst Altona genannt Der 
Zunftzwang und die Engherzigkeit der Hamburger gegen andere Religions- 
verwandte als Lutheraner forderte bald den weiteren Anbau, so dass 1614 
der neue Ort bereits zu einem Flecken erhoben ward, der jedoch im 
Dorfe Ottensen eingepfarrt blieb, bis er 1650 eine eigne Pfarrkirche er- 
hielt Schon 1644 ertheilte der dänische König Friedrich III. das Stadt- 
privilegium an Altona, begünstigte es auf viele Weise und förderte die 
Vergrösserung, die durch keine Wälle oder Mauern gehemmt war. 

Während des 18. Jahrhunderts genoss Hamburg die Segnungen des 
Friedens und die Stadt ward immer mehr ausgebaut Der Hafen ward 
176S über die Befestigungslinien hinaus erweitert, 1795 abermals ver- 
grössert, um etwa 400 Schiffe aufnehmen zu können. Gegen .Ende des 
18. und im Anfang des 19. Jahrhunderts dachte man ernstlich daran, 
Hamburg zu entfestigen und fing mit dem Abtragen der Thore und Brust- 
wehren an, Hess auch auf dem Hamburger Berg und anderen Gegenden 
bis ziemlich dicht vor den Wällen Gebäude aufführen und legte die Bc- 
gräbni8splätze vor den Thoren an. 

Aber noch einmal sollte Hamburg zur Festung werden. Im Jahre 1810 
dem französischen Reiche einverleibt, wurde die Stadt 1813 zur Festung 
erklärt und stark befestigt. Harburg bildete den Brückenkopf auf dem 
linken Elbufer und ward durch einen Damm über die eingedeichte Insel 
Wilhelmsburg von 10,969 Fuss Länge, vier Brückenthcilen Über die ausser 
Deichs liegenden Niederungen von 1745, 7595, 4200 und 834 Fuss Länge 
von Nord nach Süd gerechnet, und zwei Ziehfähren über die beiden Elb- 
arme verbunden. Dieser Bau wurde Ende 1S17, der kostspieligen Unter- 
haltungen wegen, abgebrochen, und seit dem 14. Juni 1818 vermittelten 
Dampfschiffe die Verbindung zwischen Hamburg und Harburg. Die ganze 
Umgebung der Festung ward 1813 bis 600 Toisen (40S0 Fuss) von den 
Werken demolirt und abgebrannt und in eine Einöde verwandelt 

Nach der Befreiung vom französischen Joche übernahmen die alten 
Behörden am 26. Mai 1814 die Regierung wieder, und beschlossen 
1819 die gänzliche Entfestigung der Stadt Der Stadtgraben erhielt eine 
Schlangenlinie und der Wall ward in einen lang ausgedehnten Park ver- 



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4L» 



wandelt, eine Arbeit, welche bis zum Jalir 1832 dauerte. Die l nigebung: 
der Stadt blieb vou derselben durch die Acciselinie und die nächtliche 
Sperrung der Thore noch lange Zeit abgeschieden, wenn auch die von 
den Franzosen zerstörten Baulichkeiten wieder erstanden, und nach und 
nach neue hinzukamen, ho blieb der Anbau doch nur ein spärlicher. 

Von zu erwähnenden öffentlichen Gebäuden wurde das Krankenhaus 
in der Vorstadt St. Georg 1821 23, die Börse 1830—11, das St. Johannis- 
kloster 1834 — 36, das Marien -Magdalcnenkloster 1838, das Schulgebäude 
1837—40, das Schauspielhaus 1826, die englische bischöfliche Kirche auf 
dem Zeughausmarkt 1837, die englisch reformiite Kirche am Hafen 1825, 
das Schlachthaus an den Vorsetzen 184n, die Sternwarte 1823 erbaut. 

Der zunehmende Verkehr der Dampfschiffe erheischte eine Vcrgrösse- 
mng des Hafens und Anlage ordentlicher Landungsbrücken, die 1838 und 
1839 durch Abgraben einer Bastion und Aufführung einer Hafeumauer 
beschafft ward. Eine weitere Vergrfisserung w urde 1S41 durch Austiefung 
des Stadtgrabens hinter dem Kehrwieder, den Sandthorhafen, erzielt -Im 
Mai 1842 wurde die Eisenbahn zwiseheu Hamburg und Bergedorf eröffnet, 
und es dauerte nicht lange, so wurde dieselbe bis Berlin weitergebaut und 
1846 in ihrer ganzen Länge der Benutzung Ubergeben. Die Umgebung 
Hamburgs war bisher nur durch tiefe Sandwege und einige holperige 
Steindämme verbunden. Von 1827 an wurden regelrechte Kunststrassen 
nach allen Uauptrichtungen gebaut, und dadurch bessere Verbindungen er- 
zielt, die auf den Anbau günstig wirkten. 

Der grosse Brand vom .">. bis 8. Mai 1842 zerstörte den ältesten Theil 
der Stadt, 1413 Grundstücke, die St. Petrikirche, die St. Nicolaikirchc, das 
Kathhaiirt, die Gefängnisse u. s. w., und hatte sich über einen Rauni von 
3,768,000 CJuadratfuss Hamb, verbreitet. Nachdem am I. September desselben 
Jahres ein Plan zum Wiederaufbau festgestellt, begann man rüstig mit der 
Wiederherstellung der Stadt. Der Plan schloss sich im grossen Ganzen den 
alten Strassenzügen an. 

Von dein neuen Hamburg wird im 11. Theile dieses Buches das Her- 
vorragende sowohl in seinem öffentlichen als in seinem Privatbau näher 
beschrieben werden. 



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3. 



Kunstgeschichtliche Mittheilungen. 

Von Martin fiensler. 

Wohl in keiner Stadt von dem Alter, der Grösse und der Bedeutung 
Hamburgs dürften so wenige Kunstdenkmale der Vorzeit erhalten sein. 
Ausser den gewaltsamen Zerstörungen im I^aufe der Jahrhunderte ver- 
anlasste hier hauptsächlich das stete Wachsthum der Stadt die Ver- 
drängung des Alten, um Neues an dessen Stelle zu setzen. Der durch den 
Handel schnell erworbene Reichthum begnügte sieh nicht mehr mit den 
Häuslichkeiten, welche früheren Generationen zugesagt hatten. Wenn auch 
durch die grosse Feuersbrunst vom Jahre 1S42 manches alte kunstreiche 
Bauwerk zerstört ist, so hat dieses Ereignis« doch im Ganzen nur der 
Zeit vorgegriffen, welche, wenn auch nicht so rasch und umfassend, doch 
allmälig eine ähnliche Umgestaltung herbeigeführt haben würde. 

Unter den bis zur Gegenwart erhaltenen bedeutenderen Gebäuden und 
anderen Kunstwerken aus den Jahrhunderten des Mittelalters finden wir 
hier keine ältere als solche aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, der Zeit 
eines grossen Aufschwungs, namentlich der Gc werke, in allen norddeutschen 
Städten. Dagegen ist in der Nähe Hamburgs im vormaligen Bisthuni 
Batzeburg noch manches bedeutende Werk aus dem Jahrhundert 
erhalten, z. B. die Dome zu Hatzeburg und Bttehen. Diese sind durch- 
weg von einer vorzüglichen Beschaffenheit sowohl des Materials (der 
gebrannten Erde) als der Ausführung. Für das äussere gediegene An- 
sehen dieser Bauten wirkt besonders die schöne Farbe mit, welche 
bei keinem spätem Bau in dieser Weise vorkommt. Uebcr die Lage 



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44 



der genannten Orte und anderer Städte, die in ihren alten Bauwerken 
für Architecten ein interessantes Ziel weiterer Ausflüge bilden, wie Lübeck, 
Schleswig, Lüneburg und Anderer, giebt die diesem Buche angefügte 
Karte der Umgegend des Hamburgischen Gebietes ein deutliches Bild. 

Die Meister des folgenden 14. Jahrhunderts wussten dagegen den 
innern Bau mit vollständiger Sicherheit zu beherrschen, namentlich erreicht 
die Bildung des Gewölbebaues die grösstc Vollkommenheit. Während die 
Gewölbe früher schwer auf den Mauern und Pfeilern lasten, erheben sich 
dieselben jetzt so leicht und organisch entwickelt, dass sie zu schweben 
scheinen. Zu den Denkmälern dieser Zeit gehören in Hamburg die St Pe- 
trikirche, die St Jacobi- und die St. Catharinenkirche. 

Zu den Denkmalen dieser Zeit gehören folgende: 

a. Bauwerke. 

1) St. Petrikirche, Thurm gegründet 1342. Die Kirche neu 
geweihet 1352. Hallenkirche von 3 Schiffen, mit südlich ange- 
bautem vierten Nebengewölbe von selbstständiger Ausbildung. 
Das ganze Gebäude ist nach der grossen Feuersbrunst erneuert, 
aber auf dem alten Grunde und in denselben Verhältnissen und 
auch im Wesentlichen mit derselben Ausbildung. Der Thurm 
war der einfachen Schönheit seiner Verhältnisse wegen berühmt, 
die Spitze desselben, 1514 — 16 von einem Zimmermeister aus 
Hannover, Hinrieh Berends (Berndes), erbaut, auch in technischer 
Hinsicht eine meisterhafte Holzconstruction. 

2) St Jacobikirche. In ähnlicher Weise wie St Petri, ebenfalls 
in der Mitte des 14. Jahrh. erbauet, aber als damalige Vorstadt- 
kirche mit geringer Ausbildung und sehr schmucklos. Sacristei 
vom Jahre 1434. 

3) St Catharinenkirche. Das Hauptschiff überhöhet, aber ohne 
Oberlichter, mit einem Dach über alle 3 Schiffe. Einge- 
wölbt 1426. 

b. Bildwerke. 

Stein: Maria als Himmelskönigin, vom Jahre 1515. In St Petri. 

Lebensgrösse, schön durchgeführte Bildsäule. 
Erz: Thürring am St. Petrithurm mit der Jahreszahl der Gründung 

des Thurmes 1342. 

Crucifix (sogen. Passion) bei der Kirche zu St Georg. Ende 

des 15. Jahrhunderts. 



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45 



Ein zweiter Guss nach demselben Modell in St Nicolai 
Holz: Baldachin über der Kanzel in St Petri. Schönes Werk in den 
reinsten Formen der ausgebildeten Gothik. Ende des 14. Jahrh. 
St Anschar, kleines Standbild in St Petri. Bemalt 15. Jahrh. 
Drei Altarschreine in St JacobL Ende des 15. u. Anfang des 
16. Jahrhunderts, 
e. Gemälde. 

St Anschar vom Jahre 1457. In St Petri aus dem vor- 
maligen Dom. 

Adolf IV. von Schauenburg. Im Mar. -Magdal.- Kloster. 
Grablegung Christi. Altniederländisch. In derselben Kirche. 
Zwei Bilder auf Goldgrund. In St Catharinen. 

Aus der Periode vom Ende des 16. bis zur zweiten Hälfte des 17. 
Jahrhunderts sind noch manche interessante Portale an Privathäusern erhal- 
ten. In dieser Zeit ward wie überall in der Renaissance der Sandstein 
häufig verwandt Auch im Innern findet man noch theilweise Kamine und 
ähnlich geformte Einrichtungen zum Waschen erhalten. Im Cremon ist 
noch in einem Hause ein solches reichverziertes steinernes Waschbecken 
mit der sinnreichen Inschrift: Tu loture manus et pectoris ablue sordes. 
(Wasche nicht nur die Hände sondern auch das Herz rein). 

Die geräumigen zwei Stockwerk hohen Hausfluren der grossen Kauf- 
mannshäuser an den Fleeten*) der Altstadt haben nach der Hofseite eine 
Fensterwand, durch welche der grosse, gewöhnlich von einem mächtigen 
Pfeiler getragene Raum mit der weitläufigen Treppenanlage eben hin- 
reichend aber sehr malerisch beleuchtet wird. Auf dieser sogenannten 
Diele war der eigentliche Betrieb, in der Mitte wurden die Waaren 
empfangen und gewogen, verpackt oder Honst bearbeitet und nach den 
Boden oder nach dem hinterwärts belegenen Speicher geschafft Seitwärts 
hinter einem Verschlage liegt die Küche, vorn oder im Flügel, im letztern 
Fall gewöhnlich einige Stufen erhöhet das Comptoir, und oben an einer 
Gallerie befinden sich die meistens niedrigen Wohnzimmer. Diese ursprüng- 
liche Einrichtung verschwindet freilich immer mehr, ist aber doch noch im 
Wesentlichen in manchen Häusern der Altstadt erhalten. 

Beachtenswerthe Bauwerke aus dieser Zeit sind der Cathariuenthurm 



*) Fleete sind die Arme der Alster und Elbe zwischen den mit Häusern bebaneten niedrig 
belegenen Inseln in den älteren Üstadttheilen. 



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II 






vom Jahr 1657, die Fagade des sogenannten Kaisershofs, einige Häuser im 
neuen Wandrahm, in der Catharinenstrasse, im Cremon, Grimm, in der 
Keichenstrasse, im Hopfensack u. s. w., ferner die Zollenbrücke und die 

Kornhausbrücke und verschie- 
dene Häuser aus Fachwerk. 

Die Bildhauerei nahm in 
dieser Zeit einen grossen Auf- 
schwung. Wenn die Formen 
auch nicht mehr das Keine und 
Strenge des Mittelalters und 
der Früh -Renaissance ausspre- 
chen, so sind diese Arbeiten 
doch sehr schätzenswert!!. Na- 
mentlich geben die reich ge- 
schnitzten Mobilien, mit welchen 
im 17. Jahrhundert viel Auf- 
wand getrieben wurde, noch 
gegenwärtig ein Bild dieser 
Zeit Auch die Epitaphien in 
den Kirchen, von denen nur 
noch wenige erhalten sind, ge- 
hören hierher. 

Die Malerei, welche im 17. 
Jahrhundert in Deutschland 
sehr darnieder lag, fand in 
Hamburg ihre Vertretung durch 
niederländische Künstler. Die- 
ser Schule schlössen sich die 
hiesigen Maler an, von deren 
Arbeiten in der Jacobikirche 
noch manches erhalten ist 

Aus dem Zeitraum vom 
Ende des 17. bis zum Schluss 
des 18. Jahrhunderts sind noch 
sehr schätzbare Werke vorhanden, welche, abgesehen von dem ausgearbei- 
teten Styl, durch die Tüchtigkeit und gesunde Technik ihrer Ausführung 
Beachtung verdienen. Von vielen Privathäusern aus dieser Zeit sind Faraden 




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49 



und innere Einrichtung noch soweit erhalten, um einen Ueberblick zu ge- 
statten. Auf den noch immer ziemlich grossen Dielen finden sich gross- 
artige Treppenanlagen, freilich nur von Holz aber stattlich und mit breiten 
Geländern und Ballustren. 




Das Roosen'sche Haus auf den ersten Vorsetzen. 



Namentlich sind reichverzierte Gypsdecken aus dieser Zeit eine Ham- 
burgische Spezialität. Es sind von diesen Decken noch manche in sonst 
unscheinbaren Häusern enthalten. Ebenfalls kommen treffliche Schmiede- 
arbeiten vor. 

Bemerkenswerthe Gebäude aus dieser Periode sind das Stadthaus, 
erbauet 1720, die Kirche zu St Georg, erbauet 1743, die grosse Michaelis- 



kirche, 1750—1762 von Sonnin erbauet, der Thurm 1778 gerichtet, das 
jetzt zum provisorischen Rathhaus benutzte Waisenhaus, und das Roosensche 
Haus auf den ersten Vorsetzen. 

Diese Gebäude sind namentlich im Innern reich mit Bildhauer- und 
Stuccaturarbeiten verziert, oft von sehr tüchtiger Ausführung. An den 
Decken kommen zuweilen Gemälde vor, Plafonds, theils in Oel, theils wie 
in der Waisenhauskirche al fresco. 

Die hervorragendsten Bürgerhäuser aus der zweiten Hälfte des IS. 
Jahrhunderts werden meistens Bonnin, dem berühmten Erbauer der grossen 
Michaeliskirche, zugeschrieben. Die nicht von demselben ausgeführten Ge- 
bäude gehören auch jedenfalls seiner Schule an, denn diese Faeaden mit 
den verzierten Thürgerüsten von Sandstein, der schönen Maurerarbeit von 
rothen Ziegeln mit schmalen Pfeilern, welche die Mauer organisch theilen, 
indem die Fensterbrüstung von Aussen zurückspringt, bekrönt von einem 
zopfig geschweiften Giebel, wie von einer grossen Perrücke mit Locken, 
sind entschieden eine Hamburgische Eigenthümlichkeit 

Eine Uebersicht der Bauwerke der oben geschilderten Perioden, der 
mittelalterlichen, der Renaissance und der Zopfarchitectur Hamburgs vom 
15. bis zum Schluss des 18. Jahrhunders, bietet ein Spaziergang vom Ge- 
bäude der patriotischen Gesellschaft durch den Ness, die alte und neue 
Reichenstrasse und den Hopfensack, immer an der rechten Seite. 

Die jetzt folgende Periode, vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur 
Gegenwart, bietet weder am Schlüsse des erstgedachten, noch in den ersten 
Jahrzehnten unseres Jahrhunderts irgend bemerkenswerthe Werke dar. Im 
Gegentheil, es ist in diesem Zeitraum mehr zerstört worden, namentlich an 
mittelalterlichen Bauwerken, als zu irgend einer früheren Zeit. Es mögen 
von denselben hier genannt werden: Der Dom, mit einer reich in Sand- 
steinbau ausgeführten Halle, diesseits der Elbe ein seltenes Beispiel (die 
Granitsäulcn derselben sind wieder in St. Petri verwendet), zwei Kloster- 
kirchen mit umfassenden Klostergebäuden, eine Hospitalkirche; alle aus 
der Zeit vom 13. bis zum Schluss des 1 5. Jahrhunderts. Die noch zahlreich 
vorhanden gewesenen Bilder und Schnitzwerke wurden zerstreut oder ver- 
nichtet; ein schöner Altarschrein aus dein Dom ist gegenwärtig im Schloss 
Marienburg in Preussen. 

Als wenn in dieser Zeit der Zerstörung des Alten auch das Neue keine 
Dauer versprechen dürfe, so wurde dasselbe nur in leichtem Material und 
ärmlich ausgeführt; einige Gips -Ornamente bildeten den ganzen Schmuck 



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51 



der sonst schlichten Wände. Dagegen ist nicht zu leugnen, dass manche 
Faeaden aus dieser Zeit in der Anordnung gute Verhältnisse zeigen, z. B. 
die Preussische Post am Gänsemarkt. Heuss Hof in Eimsbüttel, für den 
iiinern Bau die „Erholung" am Dragonerstall. Es lassen sich dann ver- 
schiedene Uebergänge verfolgen, wobei im allgemeinen die Wahrnehmung 
hervortritt, dass, je näher wir der Gegenwart kommen, um so mehr die 
Richtungen auseinandergehen. Hierbei nimmt wieder das Material einen 
bemerkenswerthen Rang ein. 



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II. 

neue Hamburg. 



1. 

Hamburgs Gebiet, Bevölkerung, Verfassung 

und Verwaltung. 

Der Hamburgische Staat enthält jetzt mit Einschluss des Amtes Berge- 
dorf, welches früher Hamburg und Lübeck gemeinschaftlich bcsasscu, und 
das seit dem 1. Januar 1867 durch Kauf in den alleinigen Besitz von 
Hamburg Übergegangen ist, ungefähr 7Vs LIMeilen. Auf dem rechten Alster- 
ufer liegen, ausser den unmittelbar vor dem Dammthor belegenen Vogteien 
Harvstehude und Rotherbaum, die Dörfer Eimsbüttel, Eppendorf, Gross- 
Borstel, Fuhlsbüttel und Langenhorn, Auf dem linken Alsterufer, auf dem 
Geestgebiet die Vogteien Borgfelde, Hohenfelde, Harn und Horn, die 
Uhlenhorst und die Dörfer Barmbeck, Winterhude, Alsterdorf, Ohlsdorf, 
Kleüi-Borstel und Struckholt, zwischen der Grenze des Geestgebiets und 
der Norderelbe die Marschländereien Billwärder, Billwärder Ausschlag, 
Tatenberg, Spadenland Ochsenwärdcr und Reitbrook. Jenseits der Norder- 
elbe Moorwärder, Hofe, Peute, Veddel, Kleiner Grasbrook , die Insel Stein- 
wärder und die Enclaven Moorburg und Finkenwärder und das Pachtgut 
Waltershof, sowie einige kleinere Marschländereien. Die sogenannten 
Walddörfer Farmsen mit Lehmbrook und Kupferdamm, das Gut Berne, 
Volksdorf, Wohldorf mit Ohlstedt, Gross -Hansdorf und Schmalenbeck sind 
nordöstlich von Hamburg in Holstein belegene Enclaven. Das Amt Ritze- 
büttel an der Mündung der Elbe besteht aus dem Flecken Ritzebüttel und 
dem Hafenort Cuxhaven, einer Anzahl Dörfer von verschiedener Grösse 
und der in der Nordsee belegenen Insel Neuwerk, welche aber bei Ebbe- 
zeit Uber die Sände auch zu Wagen zu erreichen ist. Das Amt Bergedorf 



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56 

enthält das Städtchen Bergedorf und die zwischen dem Städtchen und der 
Elbe belegenen Landschaften Curslak, Kirchwärder, Altengamm und Neuen- 
gamm oder die sogenannten Vierlande, und die Enclave Geesthacht Neben 
Kirchwärder liegt der sogenannte Hamburgische Krauel. 

Nach der Zählung vom 3. December 1S67 ergaben sich folgende 
Zahlen in Bezug auf die Bevölkerung der einzelnen Gebietstheile: 

Es konimon dem- 
Flächeninhalt: „ Factisrhe Staatsangehörige nach auf jed» 
r * " 1 Bevölkerung: Bevölkerung: Person an Flächen- 

ranm : 

Die Stadt 44* 0 Mill. GF. 156,722 122,895 280 GF. 

Vorstadt St. Georg 44^ 7 „ „ 32,423 24,391 1451 „ 

Vorstadt St. Pauli 21, 54 „ „ 31,775 24,573 738 „ 

Häfen u. Canälc 2743 192 
Landgebiet 62.042 51,125 _ 

Stadt, Vorstädte u. 

Landgebiet 286,305 223,176 

Ritzcbüttel 6381 5,815 

Amt Bergedorf 12,510 11,606 

Militairbevölkerung 1311 483 



306,507 241,080 

Die allerdings politisch von Hamburg getrennte, aber durch geschäft- 
liche Beziehungen mit demselben eng verbundene Stadt Altona zählt 67,443 
Einwohner, das an Altona grenzende Ottensen mit Neumühlen 7700 Ein- 
wohner, und der östlich unmittelbar an die Hamburger Grenze belegene 
Flecken Wandsbeck ca. 9000 Einwohner. Der ganze unmittelbar zusammen- 
hängende Complex, Hamburg, Altona, Wandsbeck und der an die Stadt gren- 
zende städtisch bebauete Theil des Hamburger Gebiets enthält demnach 
über 325,000 Einwohner. • 

Die Zählung von 1866 ergab, ohne das Amt Bergedorf, ein Total der 
factischen Bevölkerung von 285,057 Personen, darunter 27,092 einzeln le- 
bende Personen d. h. Einlogircr, Schläfer und Frauenzimmer welche eine 
selbstständige Wohnung mit Feuerstelle besitzen, wie die Insassinnen der 
beiden Klöster und der Testaments -Gotteswohnungen. An Haushaltungen 
existirten 55,320, darunter 11,486 von nur 2, 11,643 von 3 und nur 127 von 
mehr als 15 Personen. Geschäftsgehilfen wurden innerhalb der Haushaltun- 
gen 10,440 männliche, 1504 weibliche, hingegen Dienstboten 17,42S weib- 
liche und nur 565 männliche gezählt 



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57 



Das Verhältniss der männlichen zur weibliehen Bevölkerung ergab 
1866: 138,629 Männer gegen 143,279 Frauen, wobei der ganze weibliche 
Ueberschuss von 4650 Personen der Altersklasse zwischen den Geburts- 

■ 

jähren 1812 und 1867 angehört Während nämlich aus den Altersklassen 
1866—1813, also bis zur Gränze von 53 Jahren, 122,958 männliche und 
122,914 weibliche Personen in Hamburg leben, weist bereits das Geburts- 
jahr 1812 an noch lebenden männlichen Personen nur 1016 gegen 1297 
weibliche nach und es wächst von da an, steigend mit vorschreitendem Alter, 
das Verhältniss zu Gunsten der Frauen. So leben in dem Alter von 80 
Jahren und darüber nur 385 Männer gegen 902 Frauen und von denselben 
aus den ältesten Geburtsjahren 1772 — 1767 nur 3 Männer gegen 25 Ma- 
tronen; das höchste Alter von 99 Jahren hat nur eine Frau, das von 98 
haben ein Mann und 4 Frauen erreicht. 

Das Fünftel der Bevölkerung, welches aus NichtStaatsangehörigen be- 
steht, ist am stärksten in den Altersklassen vom 20. — 28. Jahre vertreten, 
und erreicht dann fast die Hälfte der Bevölkerung, bei den Männern sind 
im 24. Jahre sogar a 3 der Anwesenden Fremde. Dies ist eine Folge der 
Anziehungskraft grosser Städte für arbeitsfähige junge Leute. Auch tritt 
unter den abwesenden Staatsangehörigen Personen von 15. — 24. Jahren die 
Erscheinung hervor, dass fast 4 mal so viel Männer als Frauen abwesend 
sind, da ein grosser Theil der jungen Kaufleute iu diesen Jahren Über- 
seeische Länder zu besuchen pflegt. 

Die Mehrzahl der Bevölkerung ist lutherisch, ca. 90 °/ 0 . Israeliten bil- 
den 4 ! /» 0 o, Reformirte ca. 2 % und Katholiken l»/ l0 % der GcsammtzahL 

Die Regierungsform Hamburgs ist republikanisch. Die höchste gesetz- 
gebende Gewalt ist gemeinschaftlich in den Händen des Senats und der 
Bürgerschaft Der Senat besteht aus 1 8 Mitgliedern, 2 Syndicis und 4 Secretairen. 
Die Senatoren werden von der Bürgerschaft aus einem Wahlaufsatz von 4 
Personen gewählt, der von einer Commission des Senats und der Bürgerschaft 
aufgestellt ist, nachdem der Senat zwei Personen von dem Aufsatz entfernt 
hat Die Bürgerschaft besteht aus 192 Mitgliedern, nämlich aus 60 Perso- 
nen, welche von den Gerichten und bürgerlichen Verwaltungsbehörden de- 
putirt, aus 48 von und aus den städtischen Grundeigenthümern gewählten, 
und 84 von sämmtlichen Stadt- und Landbürgern, welche eine directe Steuer 
zahlen, frei gewählten Personen. Die Verwaltung geschieht durch Deputa- 
tionen aus Mitgliedern des Senats und der Bürgerschaft zusammengesetzt 
Die Stadt Hamburg mit dem Gebiet ist Mitglied des Norddeutschen Bundes, 



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58 



und nimmt nach der Bevölkerungszahl in demselben die vierte Stelle ein. 
Ein Theil des Gebiets ist theils schon oder wird demnächst durch Vertrag 
dem Zollverein einverleibt, namentlich die £nclaven, das Amt Bergedorf, 
Moonvärder, Ochsenwärder, Tatenberg und Spadenland, ein Theil von Bill- 
warder, Winterhude, Alsterdorf, Ohlsdorf, Grossborstel und Fuhlsbüttel, so- 
wie Moorburg und der Hafen von Ritzebuttel. (Siehe die Uebersichtskarte.) 
Dieser einverleibte Theil enthält ca. 32,000 Einwohner. 




Das alte Rathhaus. 



Ein eigentliches grosses Regierungsgebäude existirt seit dem Brande, 
welcher 1 S42 das alte Rathhaus zerstörte, nicht. Dasselbe lag an der Trost- 
brücke und bestand eigentlich aus drei Gebäuden, dem alten und dem 
neuen Ratbhaus und dem Niedergericht, zusammen von 25S Fuss Länge. 
Das alte Rathhaus war schon 1292 vorhanden, das neue ist im Anfange des 
1 7. Jahrhunderts erbauet und hatte, wie aus vorstehender Abbildung zu er- 
sehen, an seiner Facade 21 Sandsteinstatuen, nämlich die römisch -deut- 
schen Kaiser von Rudolf I. bis Ferdinand III. Das Niedergericht, ursprüng- 
lich ein hölzernes Gebäude, ist 1750 neu und massiv gebaut. 



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59 



Ein Thcil der Verwaltungsbureaux und das Handelsgericht waren auf 
dem sogenannten Einbeckschcn Hause untergebracht Dasselbe war 12S4 
über dem Rathskeller erbauet und 1770 durch einen Neubau mit Benutzung 
alter Gewölbe wieder hergestellt. Vor dem Kellereingang unter der Haupt- 
treppe war ein Bacchus, nach Andern ein jugendlicher Faun mit Weinlaub, 
aus Sandstein aufgestellt Das Gebäude wurde 1842 durch den grossen 
Brand zerstört Die Benennung hatte dieses Haus durch die Berech- 
tigung, in demselben das vormals berühmte Einbecker Bier auszu- 
schenken. 

Seit dem Brande wird das vormalige Waisenhaus in der Admiralitäts- 
strasse als Rathhaus benutzt Dasselbe, 235 Fuss an der Strasse lang und 
mit den Flögeln 112 Fuss und im Hauptgebäude 52 Fuss tief, ist drei 
Stockwerk hoch. Die Kirche geht durch 2 Etagen und ist 80 Fuss lang 
und 42 Fuss breit Das Gebäude ist 1782 — 85 massiv von rothem Backstein 
aufgeführt, mit Sandsteinverzierungen. Für die Versammlungen des Senats 
ist ein Sitzungssaal im Garten angebaut Im jetzigen Rathhause sind die 
Gerichte, mit Ausnahme der Präturen, und die Finanzverwaltung, sowie die 
Sitzungszimmer mehrerer Verwaltungsdeputationen. 

Die Baubehörden, sowie die Verwaltungen der directen und indirecten 
Steuern und die Hypothekenbureaux befinden sich in dem sogenannten Ver- 
waltungsgebäude an der Bleichenbrücke. Dieses Gebäude wurde iin Jahr 
1854 von der Gesellschaft „Die Lesehalle" erbauet, und nach Auflösung 
dieser Gesellschaft vom Staate erworben und zu Bureaux umgebauet. 

Die Polizeiverwaltung benutzt das sogenannte Stadthaus auf dein Neuen- 
wall, welches von dein Minister Carls XII., Baron von Görtz erbauet, 1722 
von demselben gekauft, um als kaiserliches Gesandschaftshötel zu dienen, 
nach Auflösung des deutschen Reichs 1806 wieder in den unumschränkten 
Besitz der Stadt kam, unter der französischen Herrschaft zu Verwaltungs- 
zwecken verwandt wurde und nach der Wiederherstellung der Hamburger 
Regierung demselben Zwecke erhalten blieb. Dasselbe ist dreistöckig, von 
Backstein, mit geputzten Wänden und Sandstein Verzierungen erbauet 

Ausserdem sind noch verschiedene Bureaux in dem gegenüberliegenden 
ehemaligen Stadtposthause, und in den Gebäuden neben der Börse ziemlich 
eng untergebracht Für den Bau eines Rathhauses ist hinter der Börse ein 
Platz reservirt, und vor ca. 12 Jahren auch eine Concurrenz für Pläne aus- 
geschrieben und ein Plan des Architccten Scott gekrönt worden. Seitdem 
ruht die Angelegenheit und die veränderten Formen und Dimensionen des 



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Haniburgischen Staatslebens lassen auch das damals aufgestellte Programm, 
und wahrscheinlich auch den Platz als zu eng für die jetzigen Bedürfnisse er- 
scheinen. Zu den Versammlungen der Bürgerschaft ist das erste Stockwerk des, 
auf dem Platz des ehemaligen Rathhauses belegenen Gebäudes der Gesellschaft 
zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe gemiethct Dieses Gebäude 
wurde von dem im Jahre 1S01 verstorbenen Architekten Th. Bülau, dessen rast- 
loses Streben für die Wiedereinführung der deutschen Bauformen in unsrer Ar- 
chitectur und für die Wahrheit in Material und Konstruction hervorzuheben ist, 
nach dem grossen Brande im gothisehen Backstein -Rohbau aufgeführt 
Dasselbe liegt sehr günstig im Mittelpunkt der Stadt, an allen vier Seiten 
frei und enthält im Souterrain grosse zur Weinhandlung benutzte Räume, 
mit darunter befindlichem Lagerkeller, im Erdgeschoss eine geräumige 
Wirthschaftslokalität, und die Lesezimmer der zu diesem Zweck vereinigten 
Gesellschaften, nämlich der gewöhnlich sogenannten patriotischen Gesellschaft, 
welche die Besitzerin des Hauses ist, des Athenäum, einer Gesellschaft zu 
wissenschaftlichen Zwecken, und des architektonischen Vereins. Der Ver- 
sammlungssaal der Bürgerschaft geht durch zwei Stockwerke in dem an der 
Börsenbrücke belegenen Theile, bietet in seinen hohen Maasswerkfenstem 
einen auch von aussen den Zweck andeutenden interessanten Theil der 
Facade, und enthält, so wie mancher andere Theil des Gebäudes, namentlich 
die Haupttreppe mit kunstvollem schmiedeeisernem Geländer, manches Interes- 
sante für die Freunde des gothisehen Baustyls. Der obere Theil des Bau- 
werks ist leider nicht der Absicht des Erbauers entsprechend ausgeführt 
worden, sondern wegen ungenügender Geldmittel in ganz unzulänglicher 
Weise fertig gebaut Den Eindruck des Aeussern beeinträchtigt besonders 
das Fehlen der ursprünglich projektirten hohen Dächer; im Innern ist u. a. 
die rohe Holzarchitektur der obersten Hofgallerie und das über der ersten 
Etage durchgelegte Glas -Oberlicht nicht in dem ersten Projekte beabsichtigt 
Die übrigen Theile des Gebäudes werden theils zu Comptoiren, theils zu 
Versammlungen von Vereinen benutzt Namentlich hält der Künstlerverein 
und der neu begründete Gewerbeverein hier seine Zusammenkünfte. Die 
oberen Stockwerke sind der städtischen Gewerbeschule Uberlassen. (Siehe 
den 4. Abschnitt.) 

Als Caserne wird bis jetzt, ausser einigen gemietheten Localen, ein 
ehemaliges öffentliches Kornmagazin an der Ecke des alten Wandrahms 
benutzt Dieses Gebäude, welches seinem jetzigen Zweck wenig entspricht, 
wird demnächst in Folge der Verbreiterung der Brandstwieten abgebrochen, 



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61 



und durch ein neu aufzuführendes Gebäude auf dem Papenland am Grindel 
ersetzt werden. 

Die Gefängnisse befinden sich auch in einem sehr provisorischen Zu- 
stande. Als Zuchthaus wurde, nachdem der Brand von 1842 das alte Zucht- 
haus und das Spinnhaus zerstört hatte, ein Gebäude in der Ferdinandstrasse 
eingerichtet, welches 1829 bis 1830 zur Aufnahme der Detinirten errichtet 
wurde, welchem Zwecke jetzt die neu erbaueten Wachen an den Raboisen 
und bei den Hütten dienen, und ein der Armenanstalt gehörendes Gebäude am 
Lagerplatz, in welchem sich auch das Strafarbeitshaus und das zur Aufnahme 
kranker und unreiner Verbrecher und Bettler bestimmte Kurhaus befinden. 
Der Neubau ausreichend und zweckmässig eingerichteter Gefängnisse ausser- 
halb der Stadt ist seit langer Zeit Gegenstand der Berathung der betreffen- 
den Behörden. 



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» 



2. 

Handel, Schiffahrt und Gewerbe. 

Die im Eingang des ersten Theils erwähnte günstige geographische 
Lage, welche den unmittelbaren Verkehr zwischen den Seeschiffen und dem 
Land- und Flusstransport gestattet, wurde von Hamburgs Bewohnern schon 
früh benutzt, um den Austausch der Producte des deutschen Vaterlandes 
uiit fremden Ländern zu vermitteln und die Erzeugnisse der Letzteren wieder 
der Heimath zuzuführen. In richtiger Erkenntniss, dass dieser ehrenvollen 
Aufgabe nur bei freien Institutionen im Innern und möglichst unbehindert 
durch äussere Verkehrsscliranken vollkommen genügt werden kann, strebte 
Hamburg von jeher sich in seiner innern Entwickelung von fremden Ein- 
flüssen frei zu machen und die von neidischen Nachbarn dem Emporblühen 
der Stadt in den Weg gelegten Hindernisse zu beseitigen. Gleich der 
Sclnvesterstadt Bremen hatte Hamburg bei diesen Bestrebungen harte Kämpfe 
zu bestehen, scheute aber weder persönliche Anstrengungen noch schwere 
(Jeldopfer, um das vorgesteckte Ziel zu erreichen. Je nach den Zeitverhiilt- 
nissen standen Hamburgs Bürger gewappnet den rohen Völkern des Nordens 
und den Seeräubern gegenüber oder versuchten auf dem Wege der Verträge 
und des Kaufs Beseitigung von Verkehrshindernissen und nothwendige Ge- 
bietserweiterungen zu erlangen. Die nur mit schweren Opfern zu befriedi- 
genden Ansprüche fremder Herrscher reichen von Seiten Dänemarks noch 
bis in den Anfang dieses Jahrhunderts. In den folgenden Jahren hatte Ham- 
burgs Handel unter der französischen Gewaltherrschaft schwere Prüfungen 
durch die Continentalsperro zu bestehen, doch überwand das rastlose und 
energische Streben der Kaufmannschaft diese Hemmnisse immer in verhält- 



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CA 



nissmässig kurzer Zeit Auch die Handelscrisen, von denen namentlich dieje- 
nigen von 1799 und 1857 besonders grosse Opfer forderten, konnten den 
Handel wohl beugen, aber nicht niederdrucken, und es ging derselbe jedes Mal 
nach solchen trüben Zeiten, wenn auch in veränderter Gestalt in den ein- 
zelnen Zweigen, in steigender Proportion vorwärts. Ein wesentliches Mo- 
ment zur stetigen Entwickelung des Handels bilden die persönlichen Er- 
fahrungen, welche Hamburgs junge Kaufleute in fremden Ländern sammeln, 
und die Vortheile dieser Studien, wie die angeknüpften Verbindungen 
sind von unberechenbarem Nutzen, nicht nur für den Hainburger Handel, 
sondern auch für die deutsche Industrie. 

Ein übersichtliches Bild des Hamburger Handels, wenigstens in Bezug 
auf die Einfuhr, bieten die handelsstatistischcn Tabellen, während für die 
Statistik der Ausfuhr seit dem Aufhören des Ausgangszolls bis jetzt genügen- 
des Material fehlt. 

Die Einfuhr betrug im Jahr 1867 

Gewicht Werth 

Seewärts 26,143,573 Ctr. 223,010,190 Thlr. 

Land u.Flusswärts 24,494,314 186,647,840 ., 

Zusammen 50,637,887 Ctr. 409,658,030 Thlr. 

In richtiger Würdigung des Princips, dass nur möglichst vollkommene 
Verkehrsfreiheit naturwüchsigen Verkehr schaffen und erhalten kann, erhebt 



Hamburg jetzt nur noch von wenigen 


Artikeln einen Zoll 


von '/ 4 °/V 


Die 


Einnahme betrug 1867 Thlr. 230,561'/ 


'io, da viele Artikel 


frei sind, 


dem- 


nach vom Werthc der gesammten Einfuhr nur 0,0563 °/ 0 oder noeh nicht 1 


17 0 0 


Als Hauptartikel der Einfuhr sind 


zu nennen 

Gewicht. 


Werth. 




Caffee 


1,092,612 Ctr. 


19,851,320 Thlr. 


Zucker und Syrup 


1,091,744 „ 


8,226,060 


«• 


Taback und Cigarren 


362,152 „ 


8,251,250 


r> 


Getreide 


4,250,290 „ 


17,278,780 


V 


Schlachtvieh 


533,589 Stück 


1 1,094,500 




Kohlen 


12,079,042 Ctr. 


3,273,390 


" 


Häute, Felle, Leder 


376,695 Ctr. 


15,133,360 




Wolle, Baumwolle, Twist, Garne 


1,493,192 „ 


73,724,090 


* 


Seide, Wolle, Leinen, Manufacturwaaren 563,956 r 


75,983,770 




Guano 


758,071 , 


2,560,380 


r 


ConUnten uud edle Metalle 


21,861 „ 


46,638,310 





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65 



Die Zunahme des Handels ersieht man aus folgenden Zahlen: 

Gewicht Werth. 

1846 18,535,648 Ctr. 140,882,815 Thlr. 

1850 24,993,081 n 176,563,035 „ 

1855 31,767,006 „ 269,279,090 „ 

1860 37,822,469 „ 304,952,855 „ 

1865 47,198,954 n 385,839,440 „ 

1867 50,637,887 „ 409,658,030 „ 

Als Centraipunkt, an welchem der gesammte Handelsverkehr vermittelt 
wird, ist die Börse zu nennen. Die Noth wendigkeit des täglichen gewöhn- 
lichen Verkehrs aller beim Handel Betheiligten führte schon vor mehreren 
Jahrhunderten in den grossen Handelsstädten zu der Sitte, zu einer 
bestimmten Tagesstunde zusammenzukommen. Nach dem Vorbilde Antwer- 
pens wurden diese Versammlungsorte Börsen genannt In Hamburg wurde 
1558 ein gepflasterter freier Platz neben der Trostbrllcke zu diesem Ver- 
sammlungsort bestimmt 157S ward auf einem Theil desselben durch die 
Gewandschneider (Tucbhändler) ein unten offenes, auf Doppelpfeilern 
ruhendes Gebäude, oben mit dem sogenannten Börsensaal, erbaut 1666 
veranstaltete die Kämmerei noch einen auf Pfeilern ruhenden Anbau über 
dem Wasser, durch welchen der Börsenraum um die Hälfte erweitert wurde. 

Der Raum blieb dennoch immer ungenügend und die Besucher waren 
zum Theil allen Unbilden des Wetters ausgesetzt 1804 erbauete v. Hostrup 
& Sohn in der benachbarten Bohnenstrasse die sogenannte Börsenhalle, 
welche ähnlichen Zwecken wie die Börse dienen sollte. In diesem Abonnen- 
teninstitut wurde vor und während der Börsenzeit manches Geschäft ge- 
schlossen. Der immer zunehmende Besuch der Börse dehnte zuletzt die 
Versammlung bis auf die anliegenden, zur Börsenzeit durch Bürgergardisten 
abgesperrten Strassen aus, und mehrjährige Verhandlungen führten 1837 
zum Bau der neuen Börse auf dem, nach einem darauf errichteten Denkmal 
Adolfs IV. von Schauenburg, jetzt Adolfsplatz genannten Marien -Magdalenen- 
Kirchhof. Dieser Bau machte die Wegräumung der alten Klostergcbäude 
und mehrerer Häuser nothwendig. 

Der Bau kostete 675,988 Mark 12 Sch. Hamb. Banco (337,994 Thlr.) 
incl. Bco M. 179,527. 11 Sch. (89,763 Thlr.) für Erwerbung des Grundes, für 
welchen ausserdem der Verwaltung des Marien -Magdalenenklosters eine Rente 
von Crt-M. 9000 (3600 Thlr.) jährlich zu zahlen ist Abseiten des Commer- 

5 



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eiums wurde ein Privatgebäude zum Preis von Beo M. 32,000 (10,000 Thlr.) 
angekauft, und von der Kaufmannschaft an einmaligen Heiträgen Beo M. 3950 
und an Beiträgen auf 10 Jahre Beo M. 13,447 und Beo M. 15,031 zusammen, 
demnach ca. >/ 4 Million M.-Bco. (125,000 Thlr.) aufgebracht. Der übrige 
Theil der Bausumme ward durch eine 6° 0 Anleihe auf schwindenden Fond 
beschafft, der Bau vom Staat ausgeführt und das Gebäude am 2. Decbr. 
1S4I der Kaufmannschaft übergeben. Die Anleihe ist aus den Erträgnissen 
der Börse im Jahr 1867 getilgt Diese Erträge haben ausserdem die An- 
sammlung eines Ucberschusses ermöglicht, aus welchem im Jahr 1S56 die 
Marmorbekleidung der Pfeiler im Innern und die Glastiberdachuug des 
im Jahr 1S59 zum Börsenraum gezogenen Plateaus, zwischen der Börse und 
den nach dem Brande erbauten sogenannten Börsenarkadeu, mit einein 
Kostenaufwand von Beo M. 9200 (36S0 Thlr.) beschafft werden konnten. 

Das Börsengebäude, welches bei dem grossen Brande unter persönlicher 
Anstrengung mehrerer patriotischer Bürger gerettet wurde, ist nach den 




Maass«tab: 1 : HKMJ. 

Grundriss der Börse. 



Entwürfen und unter Leitung der Architecten Wimmel & Forsmanu er- 
baut Dasselbe bildet ein an vier Seiten mit geräumiiren Eingängen ver- 



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09 



sehenes, eine Grundfläche von 44,322 □ Fuss einnehmendes Oblongum, dessen 
schmälere 178 Fuss lange Seite die mit allegorischen Figuren von Kiss 
geschmückte Hauptfronte gegen den Adolfsplatz bildet, während die Tiefe 
249 Fuss beträgt. Der zur Börsenversammlung bestimmte Raum liegt 2\ j Fuss 
höher als das Niveau der Strasse. 

Das Gebäude besteht aus zwei Stockwerken, durch welche der innere 
Raum 76 Fuss hoch hindurchgeht, und sein Licht von oben durch hohe auf- 
rechte Fenster empfängt. An diesen 127 Fuss 5 Zoll langen, 69 Fuss 
9 Zoll breiten freien Raum schliessen sich an allen 4 Seiten 25 Fuss hohe 
Bogengänge an, die ihr Licht theils vom innern Raum, theils durch 
Fenster von der Strasse erhalten. Der zur Börsen- Versammlung benutzte 
freie Raum enthält 28,000 □Fuss. Unter den Arkaden, und mit den- 
selben in Verbindung stehend, befinden sich Makler- Comtoire und Ge- 
schäftszimmer, respective etwa 500, 200 und 100 [^Fuss Raum enthaltend. 
Zwei Haupttreppen und zwei Nebentreppen führen nach dem obern Geschoss 
über den Arkaden. Rings um den offenen 14 Fuss breiten Korridor liegen 
nach den Aussenseiteu hin zehn grössere und kleinere Säle und Zimmer, 
welche theils für die Handelskammer und deren Bibliothek, theils für ein kauf- 
männisches Abonnenten -Institut, (die schon erwähnte Börsenhalle der Herren 
von Hostrup & Sohn) theils zu Versammlungszimmern benutzt werden. 

Eine Abgabe für den Besuch der Börse existirt in Hamburg nicht. 
Dieselbe ist, obwohl durch die directen und indirecten Beiträge der Kauf- 
mannschaft errichtet, bei Gelegenheit der Verhandlungen über die durch 
die neue Verfassung veränderte Stellung der frühem Commerzdeputation 
(jetzigen Handelskammer) in das volle Eigenthum des Staates übergegangen. 
Der Staat unterhält das Gebäude und zieht die Miethen aus demselben. 

Der Zutritt zum grossen Börsenraum, von 8 Uhr Morgens bis 10 Uhr 
Abends, steht dem Publikum frei. 

Die Geschäftszeit an der Börse ist zwischen l und 3 Uhr Nachmittags. 
Die Börsensperre beginnt um 1» 4 Uhr und dauert bis 2 Vi Uhr. Wer 
während dieser Zeit Zutritt zur Börse haben will*), hat 4 Schillinge zu 
entrichten. Dieser kleine Zwang hat den Zweck, den Hauptverkehr auf 
eine bestimmte Zeit zu beschränken. 

Es ist eine Eigenthümlichkeit Hamburgs, dass der gesammte tägliche 



*) Die Einnahme belauft sich jährlich auf circa 4000 Thaler und kommt theils der Ver- 
waltung der Handelskammer, theils den Makler- Wittwen etc. zu. 



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70 



Geschäftsverkehr hier mehr als irgendwo sich eben an der Börse mög- 
lichst conzentrirt und das Zusammentreffen auch mit Solchen, die nicht 
regelmässig kaufmännische Geschäfte betreiben, nach allen Seiten hin 
mancherlei Erleichterung und Bequemlichkeit gewährt. Zu den regelmässigen 
Besuchern der Börse gehören auch die Notare und eine grosse Zahl der 
hiesigen Advokaten, sowie eine Anzahl der am Bauwesen betheiligten Per- 
sonen. Die Gesammtziffer der täglichen Börsenbesucher wird auf 4000 bis 
5000 geschätzt und es würde das Auffinden des Einzelnen Schwierigkeiten 
bieten, wenn nicht durch Numerirung der Pfeiler und durch die Einthei- 
lung des Fussbodens in Vierecke, für jeden regelmässigen Börsenbesucher 
die Wahl eines festen Platzes ermöglicht wären. Die verschiedenen Ge- 
schäftsbranchen haben sich zu einzelnen Gruppen gestaltet 

Trotz der räumlichen Ausdehnung der Börse hat der starke Besuch 
doch den Wunsch nach Erweiterung derselben hervorgerufen, und ist hier- 
für die Seite nach der alten Schauenburgerstrasse mit den dem Staat 
gehörenden Grundstücken in Aussicht genommen. Dieser Raum misst circa 
33,000 □ Fuss. Für die Erweiterung liegen mehrere Entwürfe vor, doch 
ist die Angelegenheit noch nicht aus dem Stadium der Vorberathungen 
herausgetreten. 

Die Zahlungen, welche der Grosshandel hervorruft, werden selten 
durch baares Geld beschafft, sonden durch Ab- und Zuschreiben in den 
hiesigen Banken vermittelt 

Das älteste dieser Institute ist die alte Hamburger Bank, welche vor 
fast 250 Jahren errichtet und somit das älteste unter den noch bestehenden 
Instituten dieser Art ist 

Dieselbe ward im Jahr 1848 in das jetzige Gebäude an der Ecke des 
Adolfplatzes, gegenüber der Börse, verlegt Dasselbe, nach dem Plane und 
unter Leitung des Architecten Reichardt gebaut, kann sich an Grossartig- 
keit der äussern Erscheinung nicht mit den imposanten Baulichkeiten 
messen, welche in Wien, Berlin, London und Paris ähnlichen Zwecken 
dienen; aber dem Bedürfnisse der innern Organisation der hiesigen Bank 
genügen die hier dargebotenen Räume. In den feuerfesten Gewölben wer- 
den die Sibcrbarren aufbewahrt ; das Parterre enthält die Wardirungszimmer 
und die Schreiberei, während eine breite Treppe mit Oberlicht zu den Bureaux 
des Bankvorstandes im ersten Stock führt Die grossen Cassenräume, welche 
andere Banken erfordern, fehlen, denn die Hainburgische Bank ist eine 
reine Giro-Bank ohne alle Absicht auf Erzielung eines Gewinnes, eine unter 



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71 _ 

Aufsicht des Staates stehende Privatanstalt, deren Spesen nur zur Deckung 
der Verwaltungskosten bestimmt sind. 

Die allgemeine Mttnzverwirrung, welche im Anfang des 17. Jahrhunderts 
herrschte, in Folge deren z. B. der Keichsthaler 1609 bis 1618 von 33 auf 
44 Schillinge im Preise gestiegen war, veranlassten Rath und Bürgerschaft 
am 2. März 1619 die Hamburger Giro -Bank zu begründen, in welche die 
Interessenten vollwichtige grobe Münzen einzulegen hatten und durch welche 
fortan alle Wechselzahlungeu mittelst Ab- und Zuschreibens zu leisten waren. 

Die Absicht zu einer festen Valuta zu gelangen, konnte jedoch dadurch 
nicht erzielt werden. Nach vielfachen Experimenten war es endlich der 
Erbauer der Michacliskirche Sonnin, der durch eine gelegentliche 
Bemerkung die durchgreifende Reform der Hamburger Bankvaluta herbei- 
führte, indem er bei einer Unterhaltung über diesen Gegenstand, im Kreise 
der sogenannten patriotischen Gesellschaft, im Jahre 1768 sich folgender- 
maassen äusserte: „Ei, ei! was doch die Chinesen für praktische Leute sind! 
Die kehren sich an kein Gepräge, sondern nehmen alles Silber nach Ge- 
wicht und Gehalt Wenn wir das doch auch thäten, so brauchten wir uns 
nicht die Kopfe darüber zu zerbrechen, sondern wir rechneten dann am 
Einfachsten und Gewissesten. 4 **) 

Dieser Gedanke ward von der Bankverwaltung aufgenommen und 
im Jahre 1770 die reine noch heute bestehende Silbervaluta eingeführt 
Interessent der Bank kann Jeder werden, welcher zum Gewerbebetriebe in 
Hamburg berechtigt ist. Die Contoeröffhung erfolgt, indem ein anderer 
Interessent von seinem Guthaben dem neuen Interessenten eine Summe 
zuschreiben lässt oder indem der Eintretende eine directe Einlage in Barren 
macht Die Barren müssen mindestens 15 Loth 12 Gran der Mark köl- 
nisches Gewicht Feingehalt haben und f&r jede feine kölnische Mark creditirt 
die Bank 27 3 / 4 Bancomark, zu welchem gleichen Preise sie auch das Silber 
wieder verabfolgt. Die zu leistenden Zahlungen werden in den Büchern 
der Bank von den Conten der Zahlenden auf Diejenigen der Empfänger 
übertragen, indem der Zahler ein Formular ausfüllt und dasselbe persönlich 
oder durch Bevollmächtigte einreicht. Unterschriften kennt die Bank nicht 
und gerade dadurch ist die Gefährlichkeit der Fälschung von Bankcheks 
für Hamburg nicht vorhanden. Die Bank leistet unter gewissen Beschränkun- 
gen auch Vorschüsse auf gemünztes Silber und auf Kupfer. 

') Dr. Soctber, Die Hamburger Bank. Volksvr. Viorteljahr*ehr. W>r.. HJ. 



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72 



Aus der Geschichte der Bank ist noch zu erwähnen, dass am 5. Nov. 
1813 auf Befehl des Marschalls Davoust der damalige gesammte Bankfond 
im Betrage von 7 1 /» Millionen Mark confiscirt und nach Paris transportirt 
ward. Nach dem Friedensschluss erhielten die Interessenten, statt der 
geraubten 13 Millionen Francs, die Summe von 10 Millionen Francs zurück. 
Inzwischen aber war bereits am 1. Juni 1814 die Bank durch neue Ein- 
lagen wieder eröffnet worden. 

Seit dem Jahre 1856 bestehen neben dieser Bank noch zwei Privat- 
Aktiengesellschaften: die Vereinsbank und die Norddeutsche Bank. Beide 
gleichfalls ohne Notenausgabe nach dem Prinzipe zinsloser Depositen 
arbeitend, welche dein Handel durch Discontirung von Wechseln und 
Ertheilung von Vorschüssen wesentliche Dienste leisten. 

Der Gesammt umsatz der Bank und durch Ausgleichung der Aktienbanken 
erzielt, betrug 1866: 3,629,576,000 Mark. Der durchschnittliche Bankfond 
betrug 14,505,000 Mark, wozu noch zu rechnen ist der Durchschnitt der 
unverzinslichen also jeden Tag disponiblen Depositen in den Aktienbanken 
mit 10,392,000 Mark, so dass der Durchschnitt des täglichen unverfügten 
Cassensaldos der Kaufmannschaft sich stellte auf 24,897,000 Mark. 

Eine Uebersicht des hiesigen Wechsel verkehre, nach der Stempelabgabe 
annäherungsweise berechnet, ergiebt für die Jahre 

Zahl der Wechsel. 

1853/55 j im 303,338 

1856/60 (Durch- 316,599 

1861/65 (schnitt 309,222 

1863 315.135 

1864 304,002 

1865 304,518 

1866 304,589 

1867 301,096 

Die wachsenden Dimensionen des Handels machten auch grossartige 
Verkehrsanstalten nothwendig. Die Häfen Hamburgs 'sind aus alten, durch 
Abgrabungen künstlich erweiterten Stromarmen und Buchten entstanden, 
sowie durch Absonderung einzelner Stromtheile durch kräftige Pfahlworke, 
Ducdalben genannt Diese Ducdalben, aus 5 bis 16 Pfählen construirt, 
stehen in Abständen von 80 bis 90 Fuss an den Ufern neben Hamburg 
und Altona und dienen sowohl zum Schutz der Schiffe als zur Befestigung 



Approximativer Werth. 

294,746,000 
356,238,000 
332,905,000 
331,078,000 J Thftler 
338,266,000 
333,122,500 
333,371,000 
324,396,000 



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73 



derselben. Die mit den Häfen iu Verbindung stehenden alten Stromarme 
und künstlich gegrabenen Canäle im Innern der Stadt sind an den Seiten 
mit Speichern bebauet und dienen zum Transport der Waaren von den 
Schiffen zu den Speichern und umgekehrt Direct an dem Strom befind- 
liche Speicher finden sich nur in Altona und in der Vorstadt St. Pauli, der 




Verkehr mit den übrigen wird durch kleinere Fahrzeuge, namentlich durch 
sogenannte Schuten, flache Fahrzeuge von 400—500 Ctr. Tragfähigkeit, ver- 
mittelt, die Seeschiffe werden deshalb im Hafen in der Weise befestigt, dass 
dieselben mindestens an einer Seite Raum zum Laden und Lössen behal- 
ten. Die Speicher sind je nach der Art der Waaren, mit welchen sie vor- 
zugsweise belegt werden sollen, verschieden eingerichtet, als eine Muster- 
eiurichtung ist der Speicher von Schulte & Schemmann an der Neuenburg 




Speicher von Schulte & Schemmann. 



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75 



von Chateauneuf erbauet, zu betrachten. Die Speieher liegen im Allgemeinen 
mit der Hinterfronte an den Canalen und sind von der Landseite dem Fuhr- 
werk zugänglich, doch giebt es auch einige, welche nur zu Lande zu er- 
reichen sind. Den malerischen Character dieser Fleete mit den alten hollän- 
dischen Winden, welche da angebracht sind, wo eine Strasse am Fleet 
entlang läuft, veranschaulicht das auf S. 73 befindliche Bild, welches die 
Gegend bei der holländischen Reihe darstellt 

Mit dem Handelsverkehr ist selbstverständlich auch eine Zunahme des 
Schiffsverkehrs verbunden, wie folgende Uebersicht zeigt 



Angekommene Seeschiffe. 


Ladungsfähigkeit. 






Zahl. 


Laoten 1000 Pfd. 


Lust pr. St 


1821 25 1 




2091 


117,930 


56 


1831/35 


im 


2579 


155,142 


57 


1841/45 


Durch- 


3462 


261,918 


76 


1 85 1 / 55 


schnitt 


4454 


416,084 


93 


1861/65 




5209 


709,563 


136 


1865 




5186 


815,602 


157 


1866 




5185 


888,615 


171 


1867 




5055 


954,055 


189 



In Altona, zumTheil auch dem Hamburgischen Handel dienend, kamen an 



1841 45 
1 85 1 55 
1861 65 
1866 
1867 



1447 Schiffe. 
1746 3 
1379 „ 
1188 B 
1036 „ 



pr. Schiff 



50,118 Last 
67,514 „ 
74,995 „ 

63,066 „ „ „ 

86,052 , B 

An See- und Flussschiffen kamen in Hamburg und Altona an 



35 Last 
39 „ 
54 „ 

53 „ 

54 „ 



1849/50 58,781 Schiffe. 

1851/55 61,367 . 

1856/60 59,327 „ 

1866 61,816 

1867 55,491 „ 

An Seeschiffen besassen Hamburgs Rheder 

1841/45 211 Schiffe. 26,380 Last 

1851/55 406 „ 66,401 w 

1861/65 520 , 113,336 , 

1866 507 „ 121,255 „ 

1867 487 „ 122,104 



974,328 Last 
1,116,090 „ 
1,598,275 „ 
1,938,276 
1,941,852 , 

pr. Schiff 12S Last 
164 , 
- » 218 „ 
d » 239 „ 
* 281 n 



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i 



76 



Altonas Rhederei besann 
1841/45 31 Schiffe. 



3493 Last 
3767 , 
7967 , 
8547 , 
8512 r 



pr. Schiff 113 Last. 

n „ HO „ 
r - 159 y> 



1851/55 27 



1861/65 50 r 



1866 52 

1867 50 



164 r 
170 „ 



Sowohl die Zunahme der Zahl der angekommenen Schiffe, als der au« 
obigen Zahlen zu ersehende Umstand, dass es vortheilhafter gefunden ward, 
immer grossere Schiffe zu bauen und die mächtige Zunahme der Dampf- 
schifffahrt machten Erweiterungen und Veränderungen unserer Häfen not- 
wendig. 

1837 wurde die den Niederhafen beengende Bastion Johannisbollwerk 
abgetragen und eine Hafenmauer bis zum Fährhause errichtet, mit zwei 
Landungsbrücken für Dampfboote, denen vor einigen Jahren eine dritte, 



zunächst flu* den Viehtransport bestimmte Brücke hinzugefügt wurde. Diese 
Anstalten genügen aber auch nicht mehr, da beispielsweise 1866 von 
den Landungsbrücken abgegangen sind: 7940 Flussdampfer mit 2Sti.0n0 
Passagieren und 2100 Stück Vieh, und sind ausserdem in 827 Seedampf- 
schiffen verladen 48,000 Ochsen und Kälber, 12,800 Schweine und 277,000 
Schafe. Eine bedeutende Verlängerung dieser Pontons ist in diesem Augen 
blick Gegenstand der Verhandlung. 

Eine Erweiterung des Niederhafens nach der östlichen Seite wurde 
durch Ausgrabung des Stadtgrabens beim Saudthor zu einem Liegeplatz 
für oberelbische Schiffe, und durch Wegräumung der Bastion „das hölzerne 
Warams" mit dem Blockhaus beschafft. 

Obgleich nun der städtisch bebauete Theil der Ufer der Elbe und der 
Canäle ea. 140,000 laufende Fuss raisst, von welcher Strecke ungefähr die 
Hälfte gewerblichen und commerziellen Zwecken dienen mag, machte sich doch 
das BedUrfniss einer durchgreifenden Erweiterung der Häfen und der directen 
Verbindung derselben mit den Bahnhöfen immer mehr geltend, und es wurde 
namentlich das Terrain des Grasbrooks zu diesem Zweck ins Auge gefasst. 
Nach langen Verhandlungen über die Frage, ob mit den Hafenanlagen eine 
Eindeichung der Stadt zu verbinden sei, und ob geschlossene Docks für 
Hamburg zweckmässig seien, entschloss man sich endlich das System offe- 
ner Häfen beizubehalten und die Sicherung gegen Sturmfluthen durch all- 
mählige Aufhöhung der Stadt zu erreichen. Der jetzt adoptirte Plan, von 



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77 

welchem der vor 2 Jahren eröffnete Sandthorquai ein Theil ist, wird vom 
Wasserbaudirector Dalmann ausgeführt. 

Dieser Quai erstreckt sich an der Nordseite des Sandthorhafens auf 
dem Terrain des ehemaligen Festungswalles, welcher durch Abgrabung von 
zwei Bastionen eine ziemlich gerade Linie bekommen hat, zwischen Abend- 
roths Dampfmühle und dem Brookthor in einer Länge von etwa 2800 Fuss. 
Die Vorsetze ist unter Benutzung einer schon früher ausgeführten Pfahl- 
wand von 1000 Fuss Länge, und in der Höhe von 18 Fuss über dem Null- 
punkt der Elbe, in Holzconstruction ausgeführt Nach Hinwegräumung der 
auf den Bastionen erbaueten Häusercomplexe erlangte man eine Breite des 
Quais von 177 Fuss, und da für Fahrstrasse und Trottoir mindestens 60 
Fuss beansprucht wurden, so blieb für Eisenbahngeleise und als Lagerplatz 
für Waaren noch eine Breite von 127 Fuss zur Verfügung. Diese Breite 
ist in der Weise eingetheilt, dass zunächst der Vorsetze ein Krahngeleise und 
daneben ein gewöhnlicher Strang gelegt ist , dann folgt der nach der Hafen- 
seite offne, nach der Landseite geschlossene Schuppen, neben demselben ein 
Ladegeleise , dann zwei Fahrgeleise und endlich die Fahrstrasse mit Trottoir. 

Der Sehuppen ist in seiner Länge in fünf nicht ganz gleiche Abtheilun- 
gen zerlegt. Der 60 Fuss breite Raum zwischen denselben ist gepflastert 
und dient als Verbindung zwischen der Fahrstrasse und dem gepflasterten 
Wege zwischen den Schienen an der Hafenseite, zugleich auch als Lade- 
platz für Landfuhrwerk. In jedem zweiten dieser Verbindungswege liegt 
eine unversenkte Schiebebühne, zur Vermittehmg der Verbindung zwischen 
den hafenwärts und landwärts belegenen Eisenbahngclcisen. Dem gleichen 
Zweck dienen zwei am Westende der Schuppen belegene Drehscheiben. 
Die Verbindungswege, sowie der Quai an beiden Enden, ist durch Gitter 
und Thore zu verschliessen. 

Das Dach der Schuppen, welches in einer Breite von 74 Fuss sowohl 
das an der Land- als das an der Hafenseite belegene Ladegeleise überdeckt, 
läuft ohne Unterbrechung, auch die Verbindungswege überdachend, in einer 
Länge von 2500 Fuss fort Dasselbe ruht landwärts auf einer Mauer, hafen- 
wärts auf schmiedeeisernen in Abständen von 60 Fuss befindlichen Säulen. 
Das Verwaltungsgebäude liegt nicht auf dem Quai, sondern jenseits der 
Fahrstrasse. 

Am Ostende des Quais steigt die Eisenbahn mit einer Steigung von 
1 zu 300 zu dem auf 21Va Fuss über Null liegenden Brookthordamm und 
tritt dann in einen 1000 Fuss langen Rangirbahnhof. Jenseits der Brücke, 



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79 



welche am Ostende dieses Bahnhofs liegt, tritt die Bahn in eine Curve von 
SOO Fuss Durchmesser, überschreitet den Oberhafen auf einer schiefen 
Brücke mit massiven Pfeilern und eisernem Oberbau und mündet mit einem 
Gefälle von 1 zu 120, und in einer Curve von 644 Fuss Radius in den 
Berlin-Hamburger Bahnhof. 

Die Entladung der Dampfschiffe wird durch bewegliche Krahne be- 
schafft, und arbeiten auf dem Qai 19 grossere Dampfkrähne und 4 hydrau- 
lische und 4 andere Handkrähne. Die gesammten Baukosten der Quais, 
der Eisenbahn, der Maschinen und sämmtlicher Ausrüstungsgegenstände be- 
tragen mit Ausschluss der Kosten für Baggerung in runder Summe 
875,000 Thlr. Das Bollwerk kostet pr. laufenden Fuss 67 Thlr. Der Schuppen 
kostet 200,000 Thlr., oder pr. □Fuss bedachter Fläche reichlich 1 Thlr. 

Der Quai wurde im Sommer 1866 eröffnet. Im Jahr 1867 haben am 
Sandthorquai gelösst: 660 Schifte von 138,237 Comraerzlasten ä 6000 Pfd. 
oder 207,255 Lasten ä 4000 Pfd. und zwar 451 englische, 132 hamburgische 
und 82 französische Fahrzeuge. Bei Angabe der Lastenzahl ist bei Dampf- 
schiffen nur der zum Beladen bestimmte Raum berechnet. Die Schiffe kön- 
nen unter Dampf in den Sandthorhafen fahren, an geeigneterstelle drehen 
und dann den bestimmten Liegeplatz einnehmen. Das Lössen beginnt 
sobald das Schiff fest liegt, und wird, wenn die Zeit drängt, ebenso wie 
das Beladen, auch während der Nacht fortgesetzt Gewöhnlich liegen die 
Schiffe 3 bis 5 Tage am Quai, wovon ein Tag zum Reinigen und für kleine 
Reparaturen benutzt wird. Der Betrieb auf dem Quai wird für Rechnung 
des Hamburgischen Staats geführt Die Hafenbahn ist an die Hamburg- 
Berliner Bahn vermiethet Auf dieser Bahn sind 1867 vom Quai abgefah- 
ren 1,140,620 Ctr. Normalgüter und 37,975 Ctr. Productc, und demselben 
zugeführt 94,027 Ctr. Normalgüter und 179,552 Ctr. Producte. Der über- 
wiegend grösste Theil der Güter, wahrscheinlich dreiviertel derselben, wird 
aber pr. Schute nach den Speichern abgeführt. 

Es ist jetzt die Ausführung von Quaianlagen an der andern Seite des 
Sandthorhafens in Angriff genommen, verbunden mit einer Erneuerung der 
Brookthorsbrttcke , und Anlage einer 40 Fuss breiten Schifffahrtsschleuse 
unter derselben. Doch wird die Ufereinfassung an dieser südlichen Seite 
massiv auf Brunnen fundirt, welche auf eine Tiefe von 22 Fuss unter 
Niedrigwasser abgesenkt werden. Der Sandthorhafen bildet dann ein 3400 
Fuss langes, an der Westseite offnes Bassin, welches an der Mündung 280 
Fu*8, an seiner weitesten Stelle 410 Fuss breit ist. Die weitere Ausdehnung 



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«0 



der Hafenanlagen auf dem Grasbrook ist auf dem Stadtplan mit punktirten 
Linien angegeben. 

Als staatsseitig ausgeführte Anlagen für den Schifffahrtsverkehr sind 
noch die Holzhäfen, die Kornschutenschauer und das Theermagazin anzu- 
führen. Die Holzhäfen sind flache, 3 Fuss über Null liegende Bassins mit 
eingerammten Pfählen. Das Holz wird bei Fluthzeit eingebracht und liegt 
bei niedrigem Wasser auf dem Grund. Am diesseitigen sowie am jenseiti- 
gen Elbufer bedecken die Holzhäfen eine Fläche von mehr als 5 Millionen 
□Fuss. Das Theermagazin, zur Lagerung feuergefährlicher Waaren be- 
stimmt, liegt auf der mit einem Erdwall umgrenzten Insel Baakenwärder. 
Die Kornschutenschauer befinden sich neben Abendroths Dampfmühle und 
bei dem Platz der alten Börse. Als sehenswerth sind noch zu erwähnen, 
das auf einer Hohe am Niederhafen belegene Seemannshaus, und die neben 
den Landungsbrücken befindlichen Speicheranlagen der Hamburg-Amerika- 
nischen Privatschifffahrtsgesellschaft 

Das Seemannshaus wurde in der Verbindung mit der Seemannskasse, 
zu welcher Seeleute und Rheder beigetragen haben, zufolge Rath- und 
Bürgerschluss vom 30. März 1857 errichtet Dasselbe ist von Timmerraann 
erbauet, ist an der Hauptfront 158 Fuss und der daran befindliche 
Flügel 137 Fuss lang. Ausser einem Logirhause für am Lande befindliche 
Seeleute enthält dasselbe eine Krankenstation für 30 Kranke. Im Jahre 
1866 wurde das Logirhaus von 1060 Seeleuten besucht mit 21,117 Kost- 
tagen. Die Krankenstation von 285 Personen mit 5444 Verpflegungstagen. 

Die Hamburg -Amerikanische Paketschifffahrtsgesellschaft besitzt jetzt 
zehn grosse Dampfschiffe mit zusammen 21,540 Tonnengehalt und 4775 
Pferdekräften. Die älteren Schiffe halten 1300 Tonnen und 350 Pferdekraft, 
die neuern 2700 Tonnen und 700 Pferdekraft, von denen im Sommer 
wöchentlich, in den Wintermonaten in jeder zweiten Woche eines nach 
Newyork expedirt wird. Die Dampfschiffe sind circa 330 Fuss lang, 
mit allem Comfort ausgestattet und zeichnen sich durch schnelle und im 
Allgemeinen glückliche Fahrten aus. Die Passagepreisc sind in der ersten 
Cajüte 165 Thlr., in der zweiten 100 Thlr. und im Zwischendeck 55 Thlr. 
Die Gesellschaft lässt am kleinen Grasbrook ein Dock bauen, um die 
Schiffe hier reinigen und repariren zu können, was bisher in England 
geschehen musste. 

Zur Reparatur von kleineren Schiffen befinden sich an der dem Hafen 
gegenüberliegenden aufgehöheten Insel Steinwärder als Privatunternehmen 



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82 

ein Troekendeek und zwei schwimmende. Schiffswerften befinden «ich 
ebenfalls auf Steinwärder und auf dem daneben belegenen kleinen Gras- 
brook und eine bedeutende in St Pauli. In Altona liegen einige Werften 
in der Stadt selbst und in Neumühlen. 

In einer Stadt, in welcher der Handel die Kräfte der Bevölkerung in 
ausgedehntem Maasse in Anspruch nimmt, kann die Industrie nicht in 
solcher Weise ausgebildet sein wie in einer Fabrikstadt, und es giebt hier 
namentlich keinen Gewerbebetrieb, der nur künstlich durch Schutzzölle gross 
gezogen wird. Doch sind zu allen Zeiten solche Geschäftszweige, für 
welche sich hier die naturgemässen Vorbedingungen , sei es durch die 
günstige Erlangung der Rohstoffe oder des gesicherten Absatzes, vorfanden, 
schwunghaft betrieben worden. Aus früherer Zeit sind Brauereien, Kattun- 
druckereien und Zuckerraffinerien zu erwähnen, welche letztere namentlich 
einer grossen Anzahl von kleinen Unternehmern ein reichliches Auskommen 
verschafften und deren Producte weithin ihren Absatz fanden. Veränderte 
Verkehrsverhältnisse machten den Betrieb in der alten Weise unmöglich 
und sind diese Siedereien meistens eingegangen, doch haben in neuerer 
Zeit Aktiengesellschaften zu demselben Betrieb wieder Etablissements in 
grossem Style errichtet. Ferner ist die ebenfalls in die Hände einer Actien- 
gesellsehaft übergegangene Lauensteinsche Wagenfabrik, welche jetzt nach 
Kothenburgsort, innerhalb der Zollgrenze verlegt wird, ein sowohl für den 
Wagenbau im Allgemeinen, als namentlich für den Bau von Eisenbahn- 
waggons, auch im Auslande berühmtes Unternehmen. Ebenfalls beschäf- 
tigt die Fabrik von Stöcken und Gummiwaaren von H. C. Meyer jr. auf dem 
Grasbrook eine sehr grosse Zahl von Arbeitern. Das Etablissement von J. 
( 1 Godeffroy und Sohn auf dem kleinen Grasbrook an der Ecke des Reiherstiegs 
liefert eiserne Schiffe, Kessel und Maschinen und besitzt den grössten Hebe- 
bock zum Heben schwerer Lasten bis zu 1100 Cntr. Unter den Maschinen- 
fabriken sind diejenigen von Moltrecht auf dem Grünendeich und von 
Schmilinsky auf dem Grasbrook hervorzuheben sowie die Fabrik kleiner 
eiserner Dampfschiffe von Janssen und Schmilinsky auf Steinwärder. 

Auch der eigentliche Handwerksbetrieb hat in einigen Zweigen durch 
den ausgedehnten Absatz nach fremden Ländern grosse Bedeutung erlangt, 
namentlich sind die Möbeltischlerei, der Pianofortebau und Korbmacher- 
arbeiten zu erwähnen und wird im Allgemeinen sowohl in den genannten, 
als in vielen andern Fächern gute solide Arbeit geliefert. Die Anfertigung 
von Cigarren beschäftigt ebenfalls viele Menschen. Der Bedarf an feuer- 



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83 



festen Geldschränken für die vielen Coraptoire und Gcschäftsloeale hat 
mehrere erwähnenswerthe Werkstellen hervorgerufen, die auch bedeutenden 
Absatz nach Aussen haben. 

Auch die Brauereien haben sich wieder gehoben und es sind ausser 
mehreren grossen Privatanstalten zwei Actienbrauereien für bairisches Bier 
in St Pauli und in Bergedorf angelegt Von den Brennereien ist die von 
Peters auf dem Grünendeich hervorzuheben und von den Schlachtereien 
und Salzereien die von J. D. Koopraann in St Pauli, in welcher jährlich 
circa 80,000 Schweine geschlachtet werden. 



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6» 



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8. 



Städtisches Ingenieurwesen und Verkehrs- 

Anstalten. 

Der Wiederaufbau des abgebrannten Stadttheils konnte sich nicht auf 
Wiederherstellung der zerstörten Häuser beschränken. Eine durchgreifende 
Regulirung der Strassen auf der Brandstätte, sowohl in der Richtung als in der. 
Höhenlage, konnte nicht ohne wesentliche Veränderungen in andern angren- 
zenden Stadttheilen vorgenommen werden. Das Interesse der Grundeigen- 
tümer in den übrigen Stadttheilen erforderte, dass die Wohlthaten, welche 
den neuern Strassen durch Trottoirs, und in sanitätlicher Beziehung wichtige 
Einrichtungen zu Theil wurden, auch auf andere Districte ausgedehnt 
werden mussten, und wie die bessern Einrichtungen der Häuser im neuen 
Stadttheile bei Neu- und Umbauten im altera Theil nachgeahmt wurden, 
erfuhren auch die alten Strassen und Brüeken manche wesentliche Ver- 
besserungen, welche sich sogar auf Anlagen ausserhalb der Stadt erstreckten. 
Es entwickelte sich demnach neben der, durch die zunehmende Bevölkerung 
noch immer fortdauernden, Thätigkeit im Bauwesen ein reges Leben im In- 
genieurfache, sowohl zur Umgestaltung der Verkehrswege als zur Herstellung 
grossartiger Einrichtungen zur Beförderung häuslicher Bequemlichkeiten. 

Bevor einzelne Bauwerke der Periode nach dem Brande von 1 842 besprochen 
werden, ist der Antheil zu erwähnen, welche der Ingenieur der Hamburg- 
Bergedorfer Bahn, der Engländer Lindley, an denselben genommen hat 
Als Rathgeber bei dem Plan zum Wiederaufbau, und später längere Zeit 
als Consulent der Baudeputation beschäftigt, liegen sehr vielen grössern 
Bauwerken seine, nach auswärtigen Vorbildern den hiesigen Verhältnissen 
angepasstc Entwürfe zu Grunde. 



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Unter den Verkehrswegen ist zunächst die früher schon erstrebte, aber 
erst nach dem Brande durchgeführte Schifffahrtsverbindung der Alster mit 
der Elbe zu erwähnen. Die verschiedene Hohe dieser Gewässer machte 
einen Schleusenbau bei der sogenannten Schleusenbrüeke, am Ausfluss de« 
Bassins der kleinen Alster, unterhalb der Reesendammsbrücke nothwcndig. 
Ein zweites Rad mit den Schleusen unter der Mühlenbrücke, sowie unter 
der Brücke beim Graskeller, schbesst das aus regulirten und verbreiterten 
Canälen bestehende Bassin zwischen den genannten Schleusen von den 
unmittelbar mit der Elbe in Verbindung stehenden Canälen ab. Im neueu 
Stadttheil sind die Strassen, so weit sie im Ueberschwemmungsgebiet der 
Elbe liegen, auf mindestens 22 Fuss über Null erhöhet, um sie der Ueber- 
fluthung zu entziehen. Statt der eingegangenen städtischen Mühlen am 
Reesendamm und an der Mühlenbrücke ist zur Benutzung des Wasser- 
schatzes der Alster 1852 wieder eine Mühle erbauet, in welcher Nageische 
Turbinen zur Anwendung gebracht sind. 

Die vielen Canäle innerhalb der Altstadt machten von jeher eine grosse 
Anzahl von Brücken nothwcndig. Vor dem Brande wurde der grossere 
Theil aus Holz erbauet und nur ausnahmsweise ein Steinbau ausgeführt, 
z. B. die Hohe Brücke am Binnenhafen und die Kornhausbrücke. Die 
neuen Brücken sind sämmtlich ganz aus Stein, mit Ausnahme der Reimers- 
brttcke, oder auf massiven Pfeilern mit eisernem Oberbau ausgeführt. Unter 
den neueren Bauten sind ausser den schon genannten, die Holzbrücke mit 
grossartigen Landungsplateaus, die Wandrahmsbrttcke und die sehr schie- 
fen Brücken neben der Brauerstrasse und beim Schaarthor mit Backstein- 
gewölben und Granitstirnen hervorzuheben. Es müssen an diesem Orte die 
Verdienste des verstorbenen Bauinspectors Maack um den Brückenbau er- 
wähnt werden; namentlich ist auf dessen noch unvollendetes Werk, die 
Lombardsbrücke zwischen der Binnen- und Aussenalster hinzuweisen, über 
welche auch die Verbindungseisenbahn geführt ist 

Diese Brücke ist ebenfalls von Stein erbaut und besteht nach beige- 
fügter Abbildung aus 3, fast bis zu ! / 5 verdrückten Korbbögen, von denen 
der mittlere 60 Fuss 8 Zoll, die beiden Seitenbögen jeder 59 Fuss 8 Zoll 
weit sind Die Brückenbreite beträgt 111 Fuss, wovon 61 Fuss auf die 
Strassenbrücke an der Binnen -Alsterseite, 29 Fuss auf die Eisenbahn und 
21 Fuss auf die Promenade an der Aussen -Alsterseite kommen. — Auf 
ihren Endigungen schliesst die Brücke mit octogonen, caseniattirten Vor- 
bauten und nach dem Wasser hinunterführenden Treppen ab. 



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88 

Das Bauwerk ist auf einer mit Spundwänden eingefagsten und mit 
Beton aus- und Ubergestampfter Pilotage fundirt In seinem Hauptkörper 
aus rothem Ziegeiniauerwerk in Portland -Cementmörtel bestehend, ist der 
Unterbau mit Granit, theils Sächsischem, theils Harzer bekleidet und damit 
sind auch die Brückenbögen auf ihren Stirnen eingefasst 

Zur Bekleidung des Oberbaues ist Sandstein verwendet und zwar zu 
allen schlichten Wandungen röthlicher, sogenannter Nebra- Sandstein, zu 
allen Einfassungen, Abdeckungen etc. Weser - Sandstein , aus welchem 
letzteren auch das Ballustraden- Geländer besteht — Die Gewölbe haben 
auf ihrer Unterfläche eine Verblendung von gemustertem gelben Ziegelmauer- 
werk erhalten. 

In jedem Gewölbe befinden sich zwei oben mit Klappen überdeckte 
Oeffnungen, in welchen Laternen für die nächtliche Beleuchtung unter der 
Brücke angebracht sind. 

Auf der Brücke wird die Eisenbahn durch 4 Fuss hohe schmiede- 
eiserne Gitter eingefriedigt 

Die grossen Postamente im Geländer, womit die acht Stirnpfeiler der 
Brücke oben abschliessen, sind zur Aufstellung von Candelabern be- 
stimmt 

Die Medaillons in den Gewölbzwickeln enthalten Embleme, welche 
Handel und SchiffTahrt, Kunst und Gewerbe etc. darstellen. 

Unter dem Brückendurchfluss ist im Grunde ein gemauerter mit guss- 
eisernem Deckel versehener sogenannter Sieldüker, im Lichten 7 Fuss breit 
und 8 Fuss hoch, für die in Aussicht stehende Erweiterung der Siel -Anlagen 
durchgeführt — An der Binnen - Alsterseite befinden sich bei der Brücke 
Anlegestellen für die Alster- Dampfschiffe. 

Die Kosten des Baues werden sich für die Brücke mit Zubehör und 
incL des darunter durchführenden Sieldükers auf Ct 616,000 (246,400 Thlr.) 
und für die Umgestaltung des Walles zwischen den beiden Alster- Bassins 
incl. Ufer- und Strassenbau, Flussbett- Sicherung und allem sonstigen 
Beiwerk auf Ct 342,700 (137,080 Thlr.) belaufen, zusammen auf die Summe 
von Ct 958,700 oder 383,480 Thlr. 

Unter Beibehaltung der alten Strassenzüge, soweit dieselben sich als 
zweckmässig für den Verkehr erwiesen, sind die Strassen verbreitert und 
gerade gelegt, und in der Altstadt, in der Richtung nach der Vorstadt St 
Georg, bis auf den abgetragenen und ebenfalls an einer Seite bebaueten 
Glockengicsserwall durchgeführt. Die Börse ist als Mittelpunkt angenommen 



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89 

und es münden die Hauptstrassen auf dieselbe und den hinter derselben frei- 
gelassenen Rathhausmarkt aus. An der Südostseite der Binnen -Alster ist 
der Alsterdamm, eine den Jungfernstiegen ähnliche Promenade angelegt 
worden. 

Sämmtliche neue Strassen sind mit Trottoirs versehen, welche mit 
behauenen Granitsteinen eingefasst und theils mit Asphalt, meistens aber 
mit Yorkshire Sandsteinplatten belegt sind. Die Verbesserung des Strassen- 
pflasters hat seit 1842 ebenfalls einen wesentlichen Aufschwung genommen. 
Auf die Ersetzung des rauhen Pflasters durch regelmässige Keihensteine 
werden viele Kosten verwandt Die Pflastersteine bestehen theils aus 
Granit, und zwar aus den Findlingen der Norddeutschen Ebene, theils aus 
Kohlensandstein von Osnabrück und von Plötzky bei Schönebeck, da der 
vortreffliche Gabbro vom Harz bei dem starken Absatz nach näher ge- 
legenen Orten leider nicht mehr zu erlangen ist Neuerdings" sind auch 
Steine aus schwedischem Granit eingeführt worden.*) 

In derselben Weise werden auch die nach und nach regulirten Strassen 
in den älteren Stadttheilen angelegt In den letzten Jahren sind grosse 
Summen auf den Ankauf oder die Expropriation von Grundstücken ver- 
wandt worden, um durch Verbreiterung von Hauptstrassen oder Durch- 
brach älterer winkliger Gassen neue Verkehrswege zu eröffnen. Nament- 
lich sind die Verbreiterungen des Neuenwalls an seinem obern Ende, des 
Heubergs, der grossen Bleichen, der Brauerstrasse und die Ersetzung der 
engen Brandstwieten durch eine 60 Fuss breite Strasse, zur Verbindung 
des Grasbrooks mit dem neuen Stadttheile, sowie das Privatunternehmen 
der Gebrüder Wex zum Durchbruch einer Strasse durch das Gängeviertel, 
bemerkenswerth. Auch wird eine breite Verbindungsstrasse des Sandthor- 
quais mit dem Hopfenmarkt statt der engen Mattentwiete projeotirt 

Bis zur französchen Herrschaft bestanden die Landstrassen in Ham- 
burgs Umgegend fast nur aus Sandwegen. Nach Wiederherstellung der 
Hamburgischen Regierung wurden bei Umwandlung der Festungswälle in 
Promenaden die Thore verbreitert, und die auf dieselben führenden Land- 
Strassen sowie die Fahrstrassen auf den Wällen mit Chausseen (Steinschlag- 
bahnen nach Mac Adams Methode) versehen, und fast alle Verbindungs- 
wege in der Umgegend, soweit der wachsende städtische Anbau nicht 

•) Die Hamburger □ Ruthe (25« Q') gutes Reihenpflaster kostet incl. Arbeit und Sand 
circa ISO M. (72 Thlr.). Der Q Fuss Trottoirbelag mit NandtrteinplaUen circa I» Schilling 
<7V, Sgr.). 



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90 



Anlage von gepflasterten Strassen erforderte, nach dieser Methode angelegt 
Das der Billigkeit wegen aus nahe gelegenen Orten bezogene Material ist 
schlecht, besteht aus ungleichem feldspathreichem Granit, und verursacht 
enorm theure Reparaturen. Eine allmählige Verwandlung der Chausseen 
in Pflasterbahnen wird erstrebt, jedoch durch die hohen Kosten der letztern 
sehr erschwert 

Die alten Stadtthore sind abgetragen, die Zahl der Zugänge hat sich 
seitdem verdoppelt, namentlich hat die Aufhebung der Thorsperre den 
Verkehr mit den Vorstädten und der immer mehr städtisch bcbaueten Um- 
gegend ausserordentlich gehoben und eine Menge von Fahrgelegenheiten 
hervorgerufen. Die Zahl der Droschken ist in steter Zunahme begriffen, 
eine Anzahl von Omnibuslinien durchkreuzt die Stadt und unterhält die 
Verbindung mit Altona und der Umgegend bis auf etwa eine Stunde Ent- 
fernung. Auf der Elbe hat sich ein lebhafter Verkehr der Flussdampfschiffe 
entwickelt, auch die Landleute der Elbinseln haben Dampfer erbauet, um 
ihre Producte zur Stadt zu bringen. Die Alster wird seit einigen Jahren 
von einer Anzahl kleiner Dampfboote befahren, welche fast immer mit 
Passagieren gefüllt sind. 

Die neueste Einführung von Lokalverbindungen sind die Pferdeeisen- 
bahnen, welche seit zwei Jahren vom Rathhausmarkt nach Wandsbeck, Barm- 
beck und jetzt auch nach Eimsbüttel fahren. Der Oberbau derselben besteht 
aus Quer- und Langschwellen, auf letztere werden im Niveau des Strassen- 
pflasters gewalzte eiserne Schienen mit einer Rille für den Radflansch ge- 
nagelt, an den Biegungen besteht die äussere Schiene aus Flacheisen. In 
Strassen mit lebhaftem Verkehr ist eine Breite der Fahrbahn von min- 
destens 30 Fuss noth wendig. Die Spurweite der Schienen ist 4' b'/t" 
englisch. Die zweispännigen eleganten Wagen fassen im Innern auf dem 
Deck und auf den Perrons 58 Personen. 

Die wesentlichste Umgestaltung des Verkehrs auf weitere Entfernungen 
ist aber durch die Eisenbahnen bewirkt worden. Zunächst wurde eine Bahn 
von Hamburg nach Bergedorf angelegt und 1642 eröffnet. Als bald darauf 
1845 die Bahn von Bergedorf bis Berlin weiter geführt wurde, ging die 
Bahnstrecke Hamburg -Bergedorf durch einen Pachtkontrakt an die Berlin- 
Hamburger Bahn Uber. Der auf der Bastion Bartholdus beim Deichthor 
angelegte Bahnhof wurde umgebauet und der Güterbahnhof im Hammer- 
brook erweitert und durch Aufhebung der Fahrstrassc zwischen den beiden 
Bahnhöfen mit dem Personenbahnhof verbunden. Der Bahnhof hat jetzt 



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eine Länge von fast 2000 Fuss bei einer durehnittlichen Breite von 
430 Fuss. 

Mit dieser Bahn wurde Lübeck durch eine Abzweigung bei Bochen 
verbunden. Doch machte sich immer mehr das Bedürfniss einer directen 
Verbindung der beiden Städte fühlbar, und wurde die 1862 beschlossene 
directe Hamburg -Lübecker Bahn Uber Ahrensburg und Oldesloe 1864 
eröffnet Der Bahnhof liegt auch im Hammerbrook an der Spalding- 
strasse und ist durch einen Schienenstrang mit dem Berlin -Hamburger Bahn- 
hof verbunden. Die Bahnhofsanlagen haben eine wesentliche Umgestaltung 
der Strassenzüge sowie des ganzen Charakters ihrer Umgebung nach sich 
gezogen. 

Eine Verbindung der sehr tief, auf nur 13 Fuss Uber Null angelegten 
Berlin -Hamburger Bahn mit der in Altona 120 Fuss Über Null, hart neben 
Ottensen ausmündenden Altona- Kieler Bahn, welche den Verkehr mit dem 
Norden vermittelt, war lange der Gegenstand eingehender Berathungeu. 
Es handelte sich darum, ob die Linie vom Sandthorquai längs des Hafens, 
oder über Hohenfelde und Uhlenhorst, oder nach den Vorschlägen der 
Berlin- Hamburger Bahngesellschaft über den Wall zu führen sei Schliess- 
lich wurde die letztere Richtung gewählt und die Bahn 1866 eröffnet 
Dieselbe geht vom Berliner Bahnhof in einer Schlangenlinie, durch den 
Stadtgraben und einen Theil des Walles, über die Lombardsbrücke bis zum 
Dammthor, ausserhalb desselben in einem Einschnitt zur Sternschanze, 
erreicht kurz vor der Station Schulterblatt das holsteinische Gebiet und 
mündet mit einer grossen Curve in den Altona- Kieler Bahnhof. Die Bahn 
bat ausser der erwähnten Station Schulterblatt, Stationen an der Stern- 
schanze, woselbst ein grossartiger Viehhof für den Viehverkehr angelegt 
ist, am Dammthor und am Klosterthor neben dem Berliner Bahnhof. Bei 
der ehemaligen Altmannshöhe beim Steinthor, bei der Ernst Merkstrasse, 
beim Dammthor und nahe der Sternschanze ist die Bahn unter der Fahr- 
strasse durchgeführt, während dieselbe bei der Bartelsstrasse und beim 
Schulterblatt mittelst Ueberbrückung über die Strassen geführt ist Mit dem 
Bau einer directen Eisenbahn nach dem Westen ist in diesem Jahr der Anfang 
gemacht Die Bahn wird auf dem östlichen Grasbrook in unmittelbarer 
Nähe der Häfen ausmünden, die Norderelbe auf einer Brücke von 1300 Fuss 
Länge, mit Oeffnungen von 330 Fuss Weite, Überschreiten, dann Über die 
1 >/« Meilen breite Insel Wilhelmsburg und über die Süderelbe auf einer Brücke 
von 2000 Fuss Länge geführt werden. Hier berührt die Bahn Harburg, den 



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Ausgangspunkt der bisherigen Süd- und Westbahn, und wird in kürzester 
Linie Über Bremen und Osnabrück nach Wesel am Rhein geführt 

Der Verkehr auf den Bahnen ist in einer steten Zunahme. Auf der 
Berlin -Hamburger Bahn wurden befordert 

Passagiere Güter Vieh Einnahmen. 

1847/50 535,269 2,1 16,012 Ctr. 92,250 Stück 1,208,126 Thlr. 
1860 841,505 8,366,723 „ 556,044 . 2,824,265 „ 
1866 1,365,696 9,886,583 „ 534,513 „ 3,680,441 „ 

Auf der Altona -Kieler Bahn: 

Passagiere Güter Vieh Kinnahmen 

1848 367,176 1,360,463 Ctr. 16,239 Stück 354,436 Thlr. 

1860 479,402 2,869,444 „ 71,866 „ 670,528 „ 

1866 802,647 4,214,408 „ 111,510 „ 1,028,445 „ 

Der Postverkehr wurde bis 1866 ausser von der Hamburger Stadtpost von 
der Preussischen, der Thum- und Taxis'schen, der Dänischen, der Mecklen- 
burgischen, der Hannoverschen und der Schwedischen Postanstalt vermittelt 
Seit 1866 sind sämmttiche Posten, mit Ausnahme der Schwedischen, über deren 
Uebernahme noch unterhandelt wird, an das Oberpostamt des Norddeutschen 
Bundes übergegangen. Der Fährverkehr wird in dem ehemaligen Preussi- 
schen Posthause am Gänsemarkt und an der neuen A-B-C-Strasse, der 
Briefverkehr in dem Hamburgischen Stadtposthause in der Poststrasse be- 
trieben, welches nach dem Brande von Chateauneuf erbauet und mit einem 
abgestumpften Thurm geziert ist, auf dem früher eine optische Telegraphen- 
Htation war. Jetzt sind sämmtliche Telegraphenlinien ebenfalls an den 
Norddeutschen Bund übergegangen und der Betrieb in den ersten Stock 
des Stadtposthauses verlegt worden. 

Zur Versorgung mit Wasser leiteten unsere Vorfahren schon' früh 
mehrere Quellen der Umgegend in die Stadt, welche Leitungen zum Theil 
noch bestehen. 1531 wurde die Wasserkunst beim Reesendamni', 1535 die- 
jenige beim Graskeller begründet, welche einen Theil der Altstadt mit Was- 
ser versorgten, 1620 eine zweite Kunst am Reesendamm. Zur Versorgung 
der Neustadt wurde von Bieber im Anfang dieses Jahrhunderts die Elb- 
wasserkunst begründet E. J. Smith legte 1828 eine Anstalt zur Versorgung 
der Häuser mit gereinigtem Alsterwasser an, welche später, da das Alster- 
wasser viele Mängel zeigte, nach dem Grasbrook verlegt wurde. Nach dem 
Brande wurden die drei alten Wasserkünste vereinigt, mit den Interessenten 



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der Elbwasserkunat und mit E. J. Smith ein Abkommen getroffen und eine 
neue Kunstanlage nach Lindlcy's Plänen zur Wasserversorgung der ganzen 
Stadt nebst Umgegend beschlossen. 

Dieses Werk liegt eine viertel Meile oberhalb der Stadt am Elbstrome 
bei Rothenburgsort Das Wasser wird dsiselbst an zwei Punkten dem Strome 
entnommen, mittel» unterirdischer gemauerter Canäle in die vorhandenen 
vier Ablagerungs-Bassins geleitet und in gleicher Weise den unter Maschi- 
nen und Kesselgebäuden sich erstreckenden Wassergewölben und Pump- 
brunnen zugeführt. Drei Cornwall-Putupmaschiueii, zwei jede von 65 Werde- 
kraft und eine von 130 Pferdekraft, denen jetzt noch eine Werte in der 
Aufstellung begriffene Comwall-Pumpniaschine von 250 Pferdekraft hinzu- 
gefügt wird, treiben das Wasser unter dem erforderlichen Drucke in das 
Steigrohr und die Leitungen zur Stadt, In dem nebenstehenden Thurme, 
welcher in der Mitte den 256 Fuss hohen, gemeinschaftlichen Schornstein 
für die gesamraten Dampfkessel -Anlagen enthält, befinden sich die beiden 
Standrohre, welche auf zwei verschiedenen Höhen mit einander in Verbin- 
dung stehen und in denen das Wasser nach Erforderniss ftJr die Tages- 
Versorgung bis zu 150 Fuss und für einige Stunden der Nacht bis auf 225 
Fuss aufgepumpt wird. 

Drei Hauptspeise-Leitungen , zwei von 20 Zoll und eine von 24 Zoll 
Durchmesser, führen das Wasser in verschiedenen Richtungen der Stadt zu. 
— Ein Netz von Hauptleitungen und Zweigleitungen, in der Gesammtlänge 
von vierundzwanzig Meilen, vertheilt das Wasser in der Stadt, den Vor- 
städten und dem umliegenden Landgebiet, woselbst die Versorgung in ver- 
schiedenen Richtungen bereits in Entfernungen von über einer Meile von 
den Anlagen auf Rothenburgsort sich ausdehnt. 

Drei an verschiedenen Punkten errichtete Hochreservoire, nämlich eins 
auf der Elbhöhe, eins beim Berlinerthor und eins auf der Sternschanze 
stehen mit dem Röhrennetze durch Hauptleitungen in Verbindung. Sie die- 
nen dazu, etwaige Störungen in der regelmässigen Maschinenarbeit, sowie 
die Schwankungen im täglichen Wasserverbrauche auszugleichen, indem 
dieselben während der Stunden geringeren Wasserverbrauches am Abend 
und in der Nacht von dem durch die Maschinen gelieferten, nur zum Theil 
consumirten Wasser in sich aufnehmen und von ihren Vorräthen zu den 
Tagesstunden, wo der Consum die Zuführung durch die Maschinen zeitweilig 
übersteigt, wieder für die Versorgung abgeben. Das Reservoir am Berliner- 
Thorc besteht aus einem gusseisernen, überdachten Behälter auf einem vierzig 



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_96_ 

Fuss hohen Unterbau ruhend. Die beiden andern Hochreservoire liegen 
im Erdreiche vertieft; sie sind in Mauerwerk hergestellt, Überwölbt und 
durch eine übergebreitete vierfttssige Schicht Erde gegen die wechselnden 
Temperatur-Einflüsse geschützt 

Auf den Leitungen der Stadt-Wasserkunst vertheilt, befinden sich in 
Entfernungen von 130 Fuss in Stadt und Vorstädten, bis zu 500 Fuss auf 
dem Landgebiete an 2300 Nothpfosten, welche einerseits von den Maschinen, 
andrerseits durch die Hochreservoire gespeist, eine sehr wesentliche Beihülfe 
für die Feuerlöschung bieten. 

Die Stadt- Wasserkunst versorgt die Häuser bis unter das Dach, und 
beläuft sich die gesammte Wasserversorgung in den Zeiten des stärksten Ver- 
brauches im Sommer bereits auf dreizehn Millionen Cubikfuss wöchentlich. 

Der Lieferungspreis des Wassers betragt 2 Mark = % Thlr. pro anno 
für jedes bewohnbare Zimmer, Badezimmer, Watercloset und jede Küche; 
für die Wohnungen der Unbemittelten bis zu 150 Mark Jahresmiethe des- 
gleichen 1 Mark, und für Wohnungen zwischen 150 und 200 Mark Miethe 
1 Mark 8 Schillinge. Das zu anderen als häuslichen Zwecken, für Fabri- 
ken und Geschäftsbetriebe etc. gelieferte Wasser wird mit 7 Mark jährlich 
für jede täglich verbrauchten zehn Cubikfuss berechnet und sind für die 
Controle von solchem Wasserconsum Wassermesscr in Anwendung. 

Die gesammten Anlagekosten der Stadt-Wasserkunst stellen sich ein- 
schliesslich der noch im Bau begriffenen, neuen grossen Maschinenanlage 
auf ca. 2 1 /* Millionen Thlr., wogegen die Jahreseinnahme an Wasserbei trä- 
gen auf ca. 240,000 Thlr. sich beläuft und nach Abzug der Betriebskosten 
im Belaufe von ca. 80,000 Thlr. einen Ueberschuss von 160,000 Thlr. be- 
lässt, so dass sich das Anlage-Kapital mit reichlich 6% verzinst Es ist 
dies ein sehr günstiges, pecuniäres Ergebniss, besonders wenn mau die 
reichliche Wasserversorgung bei dem so mässigen Lieferungspreis und die 
wichtigen Dienste, welche das Wasserwerk der Feuerlöschung unentgeldlich 
leistet, mit in Betracht zieht 

Die Zeichnung stellt das neue Maschinengebäude mit einer neuen 
Cornwall-Pumpmaschine dar und bildet einen Theil der augenblicklich, nach 
den Plänen des Ingenieurs A. Lienau, unter dessen Leitung in Ausführung 
begriffenen Anlagen für die Vergrösserung der Anstalt 

Der Dampfcylinder dieser Pumpmaschine erhält einen Durchmesser von 
85 Zoll engl, bei 11 Fuss engl. Hub. Die Maschine treibt zwei Pumpen, 
welche das Wasser in den Thurm heben. 



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Das Wasserquantum, welches diese Maschine zu liefern vermag, be- 
trägt ca. l'/j Millionen Hamb. Cubikfuss pr. Tag, um welches Quantum die 
Lieferungsfähigkeit der Maschinen auf dem Werke bei Rothenburgsort, wel- 
ches bereits drei Cornwall-Maschinen mit resp. 48", 48* und 70" Cylindcr 
und zusammen einer Lieferungsfähigkeit von ca. zwei Millionen Hamb. Cu- 
bikfuss Wasser täglich besitzt, gesteigert wird. 

Das Kesselhaus, unter welchem sich die Gewölbe zur Aufnahme des 
geklärten Wassers aus den Bassins befinden, wird fünf Cornwall-Dampf- 
kessel von 30 Fuss Länge und 7 Fuss Durchmesser aufnehmen und ist 
hinter demselben das Kohlenlager errichtet, welchem die Steinkohlen vom 
Landungsplatze an der Elbe auf Schienensträngen zugeführt werden. 

Auf dem zweiten Blatte ist ein Grundriss des Platzes mit der ge- 
sammten Maschinen-Anlage gegeben. Dasselbe zeigt rechts die Gebäude 
mit den älteren Maschinen und links die vorerwähnten im Bau begriffenen 
Maschinengebäude für die neue Maschine, während sich der Thurm mit dem 
Schornstein und den Standröhren in der Mitte befindet 

Die Anlage der Stadt- Wasserkunst machte die Errichtung der Wasch- 
und Badeanstalt möglich. Dieselbe ward 1854 auf Veranlassung der patrio- 
tischen Gesellschaft, von einer Actien- Gesellschaft gegründet und von W. 
Lindley erbaut, und liegt auf dem Schweinemarkt, einem der höchstgelegenen 
Punkte der Altstadt Der Bauplatz wurde der Gesellschaft vom Staat über- 
lassen, sowie auch das benöthigte Wasser derselben unentgeltlich geliefert 
wird. Durch die hohe Lage dieser Anstalt wird gleichzeitig eine Spülung 
und Ventilation der Strassensiele bezweckt 

Das Gebäude ist in Backsteinen ausgeführt, welche im Aeussern mitPortland- 
cement verputzt, im Innern jedoch ohne Bewurf geblieben sind. Der Schorn- 
stein ist in gelben Ziegeln ohne Putz ausgeführt , die Ornamente an demselben 
sind aus gebranntem Thon. Die Krönung des Kopfes besteht aus Gusseisen. 

Die Kosten des Gebäudes incL der Einrichtung belaufen sich auf 
6S,750 Thlr. 

In dem mittleren Raum des Gebäudes liegen die Waschstände, mit 
welchen zum allgemeinen Gebraucli Vorrichtungen zum Wringen, Trocknen, 
Mangeln und Plätten verbunden sind. 

Für die Benutzung dieser Waschstände wird pro Stunde 2 Schilling 
(l'/j Sgr.) bezahlt 

Um diesen mittleren Waschraum liegen die Bäder mit besonderen 
Eingängen und Wartezimmern für Männer und Frauen. Für die Bäder 

7 



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98 




DIE WA8CH v. BADE - ANSTALT ik HAMBURG. 



Mn h n r r 




M.iasMtab de» rtrundrU»e« 1 : ;iOOO. 



erster Classe zahlt man 5 Schillinge (3 3 4 Sgr.), für die zweiter Classe 3 
Schillinge (2'/i Sgr«) einschliesslich erforderlicher Wäsche. 



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Nach der Abrechnung des Jahres 1867 sind in dem Jahre durch 12,817 
Frauen 36,676 Waschstunden benutzt worden. Ferner wurden 122,394 Bäder 
gegeben und zwar 98,089 Männer- und 24,305 Frauenbäder. Der Gewinn 
für das Jahr betrug 7200 Thlr., für welchen Betrag Actien ausgeloost wurden. * 

Statutengemäss fällt die Anstalt an den Staat, sobald sämmtliche 
Actien auBgeloost sind. 

Bis zum grossen Brande war die Entwässerung der Häuser und 
Strassen eine sehr ungenügende. Es existirten nur wenige, theils ge- 
mauerte, theils hölzerne Siele, welche die Abflüsse in die zunächst belege- 
nen Canäle führten. Nach dem Brande ist die Mehrzahl der Strassen in 
der Stadt und in den beiden Vorstädten St Georg und St. Pauli mit einem 
zusammenhängenden System tiefliegender gemauerter Siele durchzogen. 
Das Sielsystem ist nach Lindleys Plänen angelegt und beträgt die Gesammt- 
länge der bis jetzt hergestellten Canäle fast 12 deutsche Meilen. Die Grund- 
eigenthümer, welche ihre Häuser in die Siele entwässern wollen, haben 
einen Betrag von 2 Thlr. pro laufenden Fuss der Hausfront zu entrichten 
und die Kosten des Anschlusses selbst zu tragen. Um die Benutzung allge- 
meiner zu machen, ist seit einigen Jahren ein Zwang zum Anschluss ein- 
geführt und können die Beiträge statt in einer Summe durch eine 30jäh- 
rige Rente ä 6% entrichtet werden. 

Die Siele sind nach der Grösse des ovalen Querschnitts in sechs 
Classen eingetheilt Die Dimensionen der ersten Classe (Stammsiele) sind 
5 Fuss Breite und 6 Fuss Hohe, die der sechsten Classe 2 Fuss Breite 
und 2 Fuss 8 Zoll Höhe. Die Classen eins bis drei haben im Gewölbe 
eine Mauerstärke von 10 Zoll, und 15 Zoll im Boden, die Classen vier 
und fünf von 10 Zoll und die sechste Classe von 5 Zoll. Das Material 
besteht aus festgebrannten Backsteinen in Cementmörtel. Durch die poröse 
Beschaffenheit des Materials nehmen die Siele auch die Feuchtigkeit des 
Bodens auf und bewirken die Trockenlegung tiefgelegener Keller. Zur 
Lüftung der Canäle sind in gewissen Entfernungen Luftschachte angebracht, 
welche in die Fahrbahn der Strassen ausmünden. 

Die Hauptsiele, welche die Entwässerung der Stadt und Vorstadt St 
Georg aufnehmen, sind mit einem Gefälle von 1:3000 angelegt und mün- 
den noch provisorisch in Canäle, sollen aber beim definitiven Ausbau des 
Systems in ein Hauptsiel vereinigt werden, dessen Ausmündung direct in 
den Elbstrom stattfindet Die in den Marschdistrieten der Stadt angelegten 
Siele werden mit dem bis zu 13 Fuss über Null gestaueten Alsterwasser 



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100 

durchschnittlich zweimal wöchentlich gespült, dagegen die Reinhaltung der 
in den Geestdigtricten belegenen Canäle mittelst des Regenwasserg und 
der natürlichen Zuflüsse bewirkt, welche durch in den Sielen angebrachte 
'Vorrichtungen aufgestauet . werden. Unter einigen Brückon wird die Ver- 
bindung der Systeme durch unter dem Wasser durchgeführte Düker be- 
schafft Neben der Reesendammbrticke liegt ein bequemer Eingang zur 
Besichtigung des Hauptdükers und der Siele überhaupt 

Durch die Wasserleitung und durch die Siele ist die Anlage von 
Waterclosets in den Häusern möglich geworden, und überhaupt die zur 
Erhaltung der Gesundheit noth wendige Reinlichkeit, selbst in kleinen und 
engen Wohnungen, befördert. Eine grosge Bequemlichkeit und im Ver- 
hältnisse zur erzielten Helligkeit auch eine Ersparung ist durch Einführung 
der Gasbeleuchtung beschafft Versuche mit Gasbeleuchtung sind schon 
vor fast 40 Jahren vorgenommen, praktisch ausgeführt war dieselbe jedoch 
nur in dem Tanzsalon von Peter Ahrens in der Neustädter Neustrasse. 
Bei dem Wiederaufbau der Stadt führte die Notwendigkeit einer bessern 
Beleuchtung der Strassen zu einem Vertrag des Staats mit einer Actien- 
gesellschaft, welcher die Beleuchtung der Strassen und öffentlichen Gebäude 
und auch die Versorgung der Privatgebände übertragen wurde. 

Der Preis des Gases wurde für Private auf Ct 6 (2 Thlr. 12 Sgr.) 
pro 1 000 Cubikfuss festgesetzt und wird durch eine in der Wohnlocalität an- 
gebrachte Gasuhr die Quantität des verbrauchten Gases ermittelt Bei einer 
gewissen Ausdehnung des Consums tritt, dem Contract gemäss, successiv 
nine Ermässigung des Preises ein, und wird demnach jetzt pro 1000 Cubik- 
fuss Ct. 4. 13 Schill, oder (1 Thlr. 27 Sgr 9 Pf.) bezahlt. Nach Ablauf des 
Mjährigen Contracts, im Jahr 1874, geht die Anstalt mit Gebäuden, Röhren- 
leitung und allem Inventar in den Besitz des Staats über. 

Das Gas wird aus Kohlen fabricirt, welche mittels hydraulischer 
Krähne direct aus den Kohlenscbiffen der Fabrik zugeführt werden, und 
zwar in einem an der Elbe belegenen Gebäude auf dem Grasbrook, welches 
ursprünglich zu einer Maschinenfabrik angelegt war, und, als dieselbe ein 
ging, von der Gascompagnie erworben, und zu ihren Zwecken eingerichtet 
wurde. Bald nach dem Anfang der Versorgung der Stadt mit Gas wurde 
die Anlage durch eine Sturmfluth so stark beschädigt, dass eine Unter- 
brechung des Betriebes eintreten musste. Ein Antrag der Compagnie auf 
Verlängerung des Contracts, um diesen Sehaden wieder nachholen zu können, 
ward von der Bürgerschaft verworfen, da inzwischen Stimmen laut gewor- 



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101 



den waren, die den Contract als ein zu günstiges Monopol für die Compagnie 
darstellten. Die starke Zunahme des Consums hat die Compagnie in die 
Lage versetzt, sehr grosse Dividenden vertheilen zu können (1867 44%) 
und haben die Actien einen sehr hohen Cours. An Strasscnlaternen haben 
nach der Staatshaushaltungs- Abrechnung des Jahres 1866, in diesem Jahr 
6870 Stück gebrannt und bei einem Consum von 80,67 1,1 27'/* Cubikfuss 
ist für dieselbe Ct Markl 44,706 (57,882 Thlr.) verausgabt, da der Staat für 
die Strassenbeleuchtung einen geringeren Preis pro Cubikfuss zahlt als das 
Publikum. Im Budget für das Jahr 1868 sind zu demselben Zweck für 
6870 Laternen Ct Mark 195,566 (78,226 Thlr.) ausgesetzt 

Eine bedeutende Einnahme wird auch aus den, bei der Fabrication 
gewonnenen Nebenproducten erzielt, namentlich aus den von Gas befreiten 
Kohlen, (Cinders) durch welche ein reinliches und billiges Brennmaterial 
in den häuslichen Verbrauch eingeführt ist 

Zur Veranschaulichung der Art wie die Siele und die Röhren der 
Wasserkunst und Gasleitung unter dem Strassenpflaster liegen, sowie von 
der Verbindung dieser Canäle mit den Wohnungen, dient die beigefügte 
Abbildung, welche einen Querschnitt der Herrmannsstrasse darstellt 

In Altona wird die Versorgung mit Wasser und Gas von einer Privat- 
gesellschaft beschafft Die Gasanstalt liegt unmittelbar unterhalb Altona 
an der Elbe neben dem Eisenbahnquai, die Wasserkunst eine Meile unter- 
halb Altona nahe am Strom und das Hochreservoir auf einer Anhöhe neben 
dem Fischerdorf Blankenese. 

Schliesslich ist in diesem Abschnitt der Entwässerung des Hammer- 
brooks Erwähnung zu thun. 

Der Hammerbrook ist eine im Osten der Stadt Hamburg gelegene 
niedrige Landfläche der sogenannten Marsch, welche gegen die Elbe und 
deren Nebenfluss, die Bille, abgedeicht ist, und auf künstlichem Wege 
durch Maschinenkraft entwässert wird. 

Der grössere ländliche Theil, der sogenannte „äussere Hammerbrook" 
von circa 600 Morgen, liegt auf 4 Fuss über Null der Elbe, während der 
Wasserstand der gewöhnlichen Fluth auf 8 Fuss über Null ansteigt, und 
wird durch eine Dampfmaschine von zwanzig Pferdekraft mit Glynn'scheni 
Schöpfrade vom Wasser freigehalten, welches in dem Niedrigwasser-Bassin 
und den Zuführungs- Gräben daselbst nicht Über 2 Fuss über Null steigen 
darf. Das Schöpfrad schafft das Wasser in den sogenannten „inneren 
Hammerbrook 14 , der der Stadt zunächst gelegenen Fläche von circa 170 



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103 



Morgen, welche für städtische Bebauung bestimmt ist Dieser Theil 
des Hammerbrookes ist mit einem Strassennetz und schiffbaren Canälen 
durchzogen, welche mittelst zweier Kastenschleusen mit der Elbe in Ver- 
bindung stehen. Die Höhe der Strassen ist auf 13 Fuss Uber Null ange- 
legt und der Wasserstand in den Canälen 4 bis 6 Fuss Über Null. Das 
Wasser, welches wie vorerwähnt das Schöpfrad in die Canäle fördert, wird 
bei Niedrigwasser der Elbe (l*/ a Fuss über Null) in dieselbe abgelassen. 

Der innere Hammerbrook, besonders für Fabrik -Anlagen und ge- 
werbliche Zwecke geeignet, ist bereits ansehnlich bebaut und sind 
die betreffenden Strassen wie in der Stadt mit Sielen durchzogen, welche 
die Schmutzabflüsse der Häuser und ihrer Water- Closets aufnehmen. 

Dies Sielsystem kann vermöge seiner tiefen Lage (die Sohle der Siele liegt 
durchschnittlich 1 Fuss über Null) kaum zur Zeit niedrige^ Wassers seinen 
Abfluss in die Elbe finden. Während der übrigen Zeit ist das Sielwasser, 
so lange es ohne wesentliche Belästigung für die Gegend geschehen konnte, 
in das Niedrigwasser- Bassin des äusseren Hammerbrookes gelassen. Nach- 
dem jedoch der städtische Anbau sich weiter ausgedehnt hat, ist eine eigne 
Sielpump-Anlage errichtet worden, welche das Sielwasser durch denDeich direct 
in die Elbe pumpt, so dass der Abfluss der Siele beständig dorthin stattfindet 

Die Sielpump -Anlage ist bei Brandshof hart an der Mündung der Bille in 
die Elbe erbaut Es besteht dieselbe aus zwei Dampfmaschinen von je zwanzig 
Pferdekraft, von welchen jede eine Centrifugal- Pumpe treibt Während 
diese Pump -Anlage nun als regelmässige Arbeit so oft als erforderlich die 
Entleerung der Siele in die Elbe zu beschaffen hat, dient dieselbe auch 
noch dazu, in Zeiten von ungewöhnlich lange andauernden hohen Wasser- 
ständen der Elbe, welche den Wasserabfluss aus den Hochwasser- Canälen 
verhindern und dadurch die Entwässserung des äusseren Hammerbrookes 
durch die Schöpfrad- Maschine für kürzere oder längere Zeit unterbrechen, 
die gesammte Entwässerung des Hammerbrooks mit zu besorgen. Dies ge- 
schieht durch Zuleitung des Wassers vom Niedrigwasser- Bassin durch die 
Siele direct zur Sielpump-Anlage. Eine noch gründlichere Beseitigung aber der 
durch anhaltende hohe Wasserstände der Elbe zuweilen im Hammerbrook 
auftretenden Ueberschwjemmungen hat man in Aussicht genommen, indem 
man seit einer Reihe von Jahren angefangen hat, die für den städtischen 
Anbau bestimmten Plätze des innern Hammerbrooks durch Zufuhr von Bau- 
schutt, Erde und Elbsand auf die Höhe von 8 Fuss über Null, also des ge- 
wöhnlichen Hochwasserstandes der Elbe zu bringen. 



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» 

4. 



Kirchen und Schulen. 



Von den fünf Hauptkirchen Hamburgs (St Catharinen, St Petri, St 
Jacobi, St Michaelis, St Nicolai) siud die drei merkwürdigsten (St Petri, 




Ifl I 1 I I L I ' ! ' 1 ■ ' ' I I 1 ' a 

St Michaelis, St Nicolai) hier im Grundriss zusammengestellt, die schönste 
zugleich in einer Ansicht gegeben. Wohl verdient auch St Cathariuen eine 



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107 



Besichtigung. Fällt schon ihr Thurm durch seine jungfräuliche Gestalt 
angenehm ins Auge, so macht das Innere der alten Kirche durch gross- 
artige Einfalt einen ernsten Eindruck und enthält ausserdem einige Special- 
kunstwerke aus neuester Zeit — Auch die Jacobikirche, deren Thurm 1827 
neu aufgerichtet ist, enthält einige Sehenswürdigkeiten aus älterer Zeh. — 

Von den drei hier im Grundriss 
gezeichneten Kirchen ist St Mi- 
chaelis dem Bau nach die älteste, 
ihr 1778 gerichteter Thurm, der 
höchsgestcllte und höchste: sein 
Pflaster liegt 70 Fuss Uber dem 
Nullpunkt der Elbe, und sein 
Gipfel 456 Fuss über dem Pflaster. 
Für den Stil ihrer Zeit 1750-62 
ist die St Miebachs- Kirche ein 
ausgeprägtes Muster, dem Zweck- 
mässigkeit und grosse Solidität 
nachgerühmt werden muss. Wäh- 
rend der Baumeister der Kirche, 
Sonnin, die grosse Spannung 
des Deckengewölbes nur durch 
Holzconstruction zu ermöglichen 
wusste, ruht der ganze Kirchen- 
fussboden auf einem von vier- 
seitigen Granitpfeilern getrage- 
nen Kreuzgewölbe aus Backstei- 
nen. Eine Besteigung des Thur- 
mes verlohnt sich um so mehr, 
als er durchweg mit bequemen 
Treppen versehen ist 
Der jetzige Bau der St Petri-Kirche (man vergleiche die kunsthistori- 
seben Notizen) ist von Chateauneuf ausgeführt und zwar in den Jahren 
von 1844—49. 

Die St. Nicolai- Kirche nach dem Brande von 1842 auf ganz neuer 
Stelle gegründet, gehört zu den ersten grösseren Kirchenbauteu der Neu- 
zeit, bei welchen der gothische Stil in entwickelter Weise zur Anwendung 
gekommen ist, und dass diess geschehen, darf als eine Folge des 1M2 




Maasstab siehe Seite 104. 



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108 



unternommenen Fortbaues des Kölner Domes bezeichnet werden. Nach 
langen Vorverhandlungen schritt man 1845 zur Ausführung des von George 
Gilbert Scott in London entworfenen Planes. Die Beschaffenheit des Bo- 
dens erforderte eine Gründung in der Tiefe von 28 Fuss, wo ein 12 Fuss 
mächtige« Lager von Concret aufgeschichtet und darauf mit Ziegeln sorg- 
fältigst gemauert worden ist. In künstlerischer Bedeutung stellt sich das 
Gebäude als ein Hausteinbau dar, indem alle gegliederten Theile aus 
diesem Material und nur die Mauerflächen aus Ziegeln construirt sind. 
Den härteren Sandstein von Osterwald bei Hildesheim hat man im Aeussem, 
den weicheren von Postelwitz bei Dresden im Innern, auch der Farbe 
wegen, für die Gesichtsseiten der Mauerflächen gelbe Ziegel verwandt. 
Die Dachconstruction einschliesslich des Dachthurmes ist von Holz. Alle 
die mannichfaltigen und zum Theil eigenartigen Arbeiten in Stein, Holz 
und Eisen, welche dieser Kunstbau und dessen Ausrüstung erforderte, sind 
von hiesigen Handwerkern ausgeführt, mit alleiniger Ausnahme der Mar- 
morarbeiten und der Baldachine im Chor. Als die Kirche am 24. Septbr. 
1863 — 17 Jahre nach dem Tage der Grundsteinlegung — dem Gottes- 
dienste übergeben wurde, war der Thurm bis zur Dachfirst der Kirche, 
das ist auf 147 Fuss Höhe gebracht. Seitdem ist sein Viereck ein- 
schliesslich des Hauptgesimses vollendet, und die Thurmhöhe nunmehr 
254 Fuss. Der Kostenaufwand bis hieher, einschliesslich aller Neben- 
kosten, jedoch mit Ausschluss vieler Specialkunstwerke, welche durch be- 
sondere Schenkungen bestritten sind, beläuft sich in abgerundeter Summe 
auf 1,168,000 Thlr. Pr. Courant 

Sind zwar viele gothische Kirchen aus alter Zeit für den lutherischen 
Gottesdienst in Gebrauch genommen, so lag doch hier die neue Aufgabe 
vor, eine grosse Kirche dieses Stils von vorn herein für diesen Cultus zu 
disponiren. Die gleiche Würde, welche in ihm der Predigt und dem Sa- 
krament zukommt, ist durch die Anordnung von Altar und Kanzel nebst 
den zugehörigen Räumen hervorgehoben. Zwar macht die von Empor- 
kirchen freigehaltene, hochgewölbte und bei ihrer Neuheit noch spärlich 
ausgestattete Kirche in akustischer Hinsicht Schwierigkeiten, welche erst 
längere Erfahrung während des Gebrauches ganz wird beseitigen lernen 
und deren man bin jetzt noch nicht hat Herr werden können. 

Eine besondere Aufgabe erwuchs in der Anordnung desjenigen Schmuckes, 
wozu eine im reichen gothischen Stile ausgeführte Kirche die verwandten 
Künste, namentlich die Bildhauerei und die Glasmalerei auffordert: es 



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109 



entstand hier die Aufgabe, solchen Schmuck im Sinne der evangelischen 
Kirche zu verwenden. Der dafür entworfene und durch die Kirchenbehörde 
festgestellte „Plan zur künstlerischen Ausschmückung der St Nicolai-Kirche" 
giebt darüber die nähere Nachweisung und bezeichnet als die dabei leitend 
gewesenen Grundsätze folgende: 

1. Dass die anzuordnenden Bildwerke in ihrer Gesammtheit die Ent- 
wicklung des Reiches Gottes auf Erden und die auf Gottes Offenbarung 
sieh gründende Ordnung des Heils zur Darstellung bringen müssen, wobei 

2. als die besondere Aufgabe bei diesem Kirchenbau zu betrachten 
sei, diese Idee so durchzuführen, dass man eine evangelisch -lutherische 
Kirche, erbaut in der Mitte des 19. Jahrhunderts, für die St Nicolai-Ge- 
meinde in Hamburg, klar und deutlich bezeichnet finde. 

3. Es empfehle sich ferner für die evangelische Kirche, einen Gegen- 
satz zwischen dem Innern und dem Aeussern der Kirche in der Art eintreten 
zu lassen, dass man die Stoffe der bildlichen Darstellungen für das Innere aus 
der biblischen Geschichte, diejenigen für das Aeussere aus der Kirchen- 
geschichte entnehme, und hieher auch die lokalen und temporellen Bezüge 
verlege. 

Das Gebäude, im Aeusseren noch unvollendet, entbehrt begreiflicher 
Weise auch noch viel von dem ihm zugedachten künstlerischen Schmucke. 
Am meisten vermisst man die farbigen Fenster, auf deren Wirkung zur 
Belebung des Innern mittelst eines warmen Farbentones so sehr gerechnet 
ist Auch von den Apostelstatuen im Chor sind einige noch nicht ausge- 
führt, und von den für das Aeussere der Kirche im „Plan" angegebenen 
66 Figuren sind erst 11 aufgestellt (mehrere sind eben jetzt in Arbeit) und 
ausserdem acht Engelfiguren. 

Hamburger Fiuw. 

Die ganze Länge des Gebäudes, von aussen gemessen, beträgt . . 300 



Die Breite im Kreuze, ebenso 159 

Die Höhe des Dachfirstes 1 47 

„ „ „ Daehthunnes 246 

Die Oberlage des Hauptgesimses am Thurme 254 

Die innere Länge der Kirche 224 

„ „ Breite des Mittelschiffes 42 

„ „- „ jedes Nebenschiffes 21 

„ „ Länge und Breite des Kreuzschiffes 124 u. 40 



Die Höhe des Schlusssteines in der Vierung über dem Pflaster . . 100 



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110 



Ein in der Kirche feilgebotener „Führer" giebt noch einige Specialan- 
gaben; auch igt demselben eine Beschreibung der Plambeck'schen Sacristei- 
thttr beigelegt Auch der oben erwähnte Plan ist bei dem Küster zu 
haben *). 

In der Vorstadt St Georg ist die Dreifaltigkeitskirche. Dieselbe ist 
eine Kreuzkirche und in einem der Michaeliskirche ähnlichen Stil erbaut 
In der Vorstadt St Pauli ist nach der Zerstörung der alten Kirche durch 
die Franzosen ein schmuckloses Gotteshaus erbaut, auf welches erst vor 
wenigen Jahren ein einfacher Thurm gesetzt ist 

Die katholische Gemeinde hielt ihren Gottesdienst in der 1757, an 
Stelle einer 1604 errichteten Capelle, neu erbauten kleinen Michaeliskirche. 
Dieselbe ist 180 Fuss lang, 62 Fuss breit, und hat nur einen kleinen un- 
förmlichen Glockenthurm. 

Die deutsch -reformirte Gemeinde hat sich, als ihre Kirche auf dem 
Valentinskamp baufällig geworden war, 1857 in der Ferdinandsstrasse in 
einfachem Backsteinbau durch den Architecten Averdieck ein Gotteshaus 
erbaut; dasselbe liegt zwischen den Predigerhäusern, von der Strasse durch 
einen freien Platz getrennt und ist mit zwei Thurmpyramiden geschmückt 
Auf dem Platz der alten abgebrochenen, seit 1714 benutzten, reforrairten 
Kirche wurde von einem Vereine orthodoxer Lutheraner die Anscharschule 
im gothischen Stile durch die Architecten Glüer & Reme* mit einer darüber- 
liegenden Capelle erbaut 

Die jüdische Gemeinde besitzt mehrere Synagogen. Hervorzuheben 
ist die vom Architecten Rosengarten 1857 — 1859 erbaute neue Synagoge auf 
den Kohlhöfen. Dieselbe ist durch einen Vorhof von der Strasse getrennt 
und den spärlichen Mitteln entsprechend in einfach würdiger Weise in 
Backstein -Rohbau ausgeführt Da der Vorbau mit einem Versammlungsaal 
zu Gemeindezwecken und anderen Räumen angeordnet werden musste, konnte 
die Bestimmung und die Form des Innenraunies nach Aussen nicht den 
gebührenden Ausdruck finden. Daher soll der Kuppelbau vorzugsweise dazu 
dienen, dem Gebäude seine monumentale Bedeutung und Auszeichnung zu 
geben und gleichzeitig zur gefälligen Gruppirung der Massen benutzt werden. 

Der für den Gottesdienst bestimmte innere Raum, dessen Hauptmotive 
dem byzantinischen Centraibausystem entlehnt sind, besteht aus dem Haupt- 

•) Verfasser der vorstehenden Mittheilungen über die Kirchen i*t Herr Candidat Stüter. 
Oberküster an St Michaeli*. 



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111 



räum von 82 Fuss (23*/i Meter) im Quadrat mit einer auf Seckigen Pfei- 
lern ruhenden Hauptkuppel (Pendantivge wölbform) von 42 Fuss (12 Me- 
ter) Durchmesser mit vier Tonnengewölben von demselben Durchmesser 




Synagoge. 



und vier kleineren Kuppeln in den Ecken, und aus dem mit Säulen ge- 
zierten Vorraum von 30 und 42 Fuss. Beide Käume bilden im Sommer 
und an den hohen Feiertagen ein zusammenhängendes Ganzes, werden 
aber im Winter durch eine Glaswand getrennt, um den kleinen Vorraum 
für die wenigen Besucher des Wochengottesdienstes, und den Hauptraum 
nur am Sabbath heizen zu können. Die Synagoge enthält ca. 600 Sitz- 
plätze für Männer und auf den Emporen ca. 400 Plätze für Frauen. 

Die dürftigen Geldmittel machten es noth wendig, statt einer massiven 
Ueberwölbung eine solche leicht von Dielenbögen herzustellen. Au« dem- 
selben Grunde musste auch die dekorative Ausstattung so angeordnet 
werden, dass sie mit den geringsten Mitteln und mit Handwerkskräften zu 



112 




erreichen war. Die Gesammtkosten 
betrugen im Ganzen nicht mehr als 
70,000 Thlr., während an anderen Orten 
eine halbe bis nahezu eine ganze Mil- 
lion für ähnliche Zwecke zur Ver- 
fügung standen. 

Der neue israelitische Tempel in 
der Poolstrasse, 1844 erbaut, hält 78 
Fuss Tiefe, 73 Fuss Breite und 57 
Fuss Höhe und hat 350 Sitzplätze für 
Männer und 290 Sitze für Frauen. 

Die Kirchhöfe sind seit dem Ende 
des IS. Jahrhunderts aus der Stadt 
verlegt und bilden freundliche Garten- 
anlagen. An den Petrikirchhof vor 
dem Dammthor stösst Schröders Grab- 
capelle, 1862/63 als Familienbegräb- 



Grundriss der Synagoge. 




Schröders Grabkapelle. 



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113 



niss de» durch die Gründung des Schröder -Stift« (siehe Abschnitt 6) be- 
kannten John Henry Schröder, von Rosengarten im spät romanischem Stile 
erbaut. Diese Grabcapelle besteht, wie die beigedruckte Abbildung zeigt, 
aus dem Vorraum (a), von welchem 9 Stufen (b) aufwärts in die Capelle 

und 9 Stufen abwärts (c) in die 
nach Art einer Crypta angelegte 
Gruft führen, in welcher die 
Särge frei aufgestellt werden 
sollen (d). Aus dem Capellen- 
uiittelraum (e), mit dem Altar 
(() und dem dahinter befindlichen 
Raum mit zwei, für den Gründer 
der Gruft Capelle und dessen Frau 
bestimmten Sarkophagen (g). Vor 
der Hinterwand des Mittelraumes 
soll später eine Gruppe (h) von 
drei Marmorstatuen aufgestellt 
werden. Vorläufig wird eine bei 
Bissen bestellte Figur, ebenfalls 
über Lebensgrösse, jene fürden To- 
taleindruck bedeutungsvolle Stelle 
einnehmen. 

Sowohl die Capelle als die 
Gruft sind mit Kreuzgewölben 
tiberwölbt, welche in der Capelle 
auf S Säulen von belgischem, 
grauen weissgeaderten Marmor, 
St. Anne genannt, in der Gruft 
aber, wegen mangelnder Höhe 
mit flacher Wölbung auf Sandsteinsäulen ruhen. Die Wände der Capelle 
sind mit weissen, von belgischem gelbbräunlichen, Malplaquet genanntem, 
Marmor umfassten carrarischen Marmorplatten, ausserdem mit 22 den 
Säulen entsprechenden Lisenen von St. Anne bekleidet. Sämmtliche Stufen 
und Fussböden sind ebenfalls von carrarischem Marmor. 

Die Fenster des Mittelraums bilden Glasgemälde nach Rosengartens 
< oim Position, mit den Evangelisten und andern Figuren nach den vom 
Historieuinaler Stever angefertigten Cartons vom Glasmaler Brüuner in 




s.) Fhtt Hm mi 



Grundriss zu Schröder s Grabkapelle. 



114 



Hamburg ausgeführt Die Übrigen Fenster sind teppichartig mit farbigem 
Mosaikmaster verglast 

Die Außenseiten des mit Kupfer gedeckten Gebäudes sind von röth- 
liehem thüringischen und weissem sachsischen Sandstein hergestellt Das 
Portal ist am reichsten ausgebildet und wird von zwei Säulen eingefasst, 
welche den Eingang hütende Schutzengel tragen. Letztere sind das Werk 
des verstorbenen Lippelt, im Tympanon ist Christus mit dem Evangelium, 
in traditioneller Darstellung en relief von Peiner ausgeführt Von dem- 
selben Bildhauer sind auch die beiden im Innern angebrachten Engelsköpfe 
von carrarischem Marmor, und die Modellirungen aller Schmucktheile 
gearbeitet. 

Ein schöngearbeitetes schmiedeeisernes Gelfinder umgiebt das ganze 
Gebäude. 



Auf dem Platze, wo der 1805 abgetragene Dom stand, zwischen 
Speersort und Fischmarkt, sind im Jahr 1840 die Gebäude für Hamburgs 
öffentliche Bildungsanstalten, das Johanneum und das Gymnasium, neu 
erbaut Das von Wimniel und Forsmann errichtete Bauwerk besteht aus 
einem Hauptgebäude und zwei Flügeln, welche nach der Seite des Speers- 
orts durch eine Colonnade verbunden sind, und einen geräumigen Hof 
einschliessen. Im Hauptgebäude befinden sich die Hörsäle des Gymna- 
siums, das naturhistorische Museum und die Stadtbibliothek (siehe den 
folgenden Abschnitt) und im Souterrain die Sammlung Hamburgischer 
Alterthümer. Im rechten Flügel ist die Gelehrtenschule, welche von Bugen- 
hagen 1529 im Johanniskloster am Plan begründet wurde. Dieselbe besteht 
jetzt aus 6 Classen. Es unterrichten in derselben ausser dem Director 
5 Professoren und mehrere andere Lehrer. Im obern Geschoss befindet 
sich die geräumige Aula, welche zu Prüfungen und öffentlichen Vorlesungen 
dient Nach dem grossen Brande wurde der Gottesdienst für die Pctri- 
gemeinde mehrere Jahre in derselben abgehalten. Der andere Flügel nimmt 
die 1834 von der Gelehrtenschule abgetrennte Realschule mit 13 Classen 
auf. An derselben unterrichten ausser dem Director 14 Lehrer. Zu den 
Kosten der Schule giebt der Staat einen bedeutenden Zuschuss. 

Ausser diesen Anstalten und den Schulen der Hauptkirchen und der 
allgemeinen Armenanstalt ist das Schulwesen in Hamburg und den Vor- 
städten in Privathänden. Auf dem Lande giebt es Gemeindeschulen, für 
welche in den letzten Jahren unter namhafter Beihülfe des Staats in vielen 



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115 



Dorfschaften neue und geräumige Schulhäuser erbaut werden. Ein neues 
Schulgesetz, nach welchem auch für die Stadt eine Anzahl von öffentlichen 
Schulen und ein Seminar hergestellt werden soll, ist noch im Stadium der 




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Mussstab 1 : 1000. 



Grundriss der Schulgebäude. 



Berathungen. Jetzt erwerben sich um die Ausbildung von Gchlllfslehrern 
mehrere Lehrervereinc wesentliche Verdienste. 

Der Ausbildung von Handwerkslehrlingeu hat die schon mehrfach 
genannte Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe 
viele Sorgfalt angedeihen lassen, indem sie einen grossen Theil ihrer Ein- 
nahmen auf Ertheilung namentlich von Zeichenunterricht an Lehrlinge ver- 

*• 



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116 

wandte. Die Zunahme der Bevölkerung und die gesteigerten Anspräche 
Hessen die Mittel dieser Anstalt als ungenügend erscheinen, deshalb ward 
1865 eine öffentliche Gewerbeschule und damit verbunden eine Schule fltr 
Bauhandwerker errichtet. Beide Anstalten befinden sich in den obera 
Stockwerken des Gebäudes der patriotischen Gesellschaft, welche dieselben 
unentgcldlich zur Verfügung stellt. Die Mehrkosten der Anstalten, welche 
nicht durch das sehr geringe Schulgeld gedeckt werden, trägt der Staat. 
Für das erste Jahr war ausser den Einrichtungskosten ein Zuschuss von 
12,000 Mark Court. (4800 Thlr.) ausgesetzt. Die Gewerbeschule, in welcher 
die Unterrichtsstunden am Abend und am Sonntag Morgen ertheilt werden, 
ist vorzugsweise für Lehrlinge bestimmt, welche in derselben die für ihr 
Gewerbe erforderlichen theoretischen Kenntnisse und die nöthige Fertigkeit 
im Zeichnen und Modelliren sich aneignen können. Unterrichtsfächer sind: 
Deutsch, Englisch, Rechnen, Gesehäftsaufsätze, Buchführung, Algebra, Geome- 
trie, Naturlehre, Freihandzeichnen. Zirkelzeichnen, Fachzeichnen für das 
Baufach, das Möbelfach, den Schiffbau, die Metallarbeit und die Kunstgewerbe, 
Zeichnen nach lebenden Pflanzen, Entwerfen von Ornamenten und Modelliren 
in Thon. Die Schülerzahl beträgt etwa 600. 

Die Schule für Bauhandwerker bietet dcuselben denjenigen theoretischen 
Unterricht und diejenige Anleitung im Zeichnen und Modelliren, welche 
zu einer gründlichen und umfassenden Ausbildung in ihrem Beruf bedürfen. 
Lehrfächer sind: Deutsch, Rechnen, Geschäftsaufsätze, Buchführung, Alge- 
bra, Geometrie. Naturlehre, Freihandzeichnen, Zirkelzeichnen, darstellende 
Geometrie, Baukunde, Bauconstructionslehre, Bauzcichuen und Entwerfen 
und Modelliren in Holz und Thon. Der vollständige Cursus umfasst drei 
Winterhalbjahre, jedes Mal von Anfang November bis Ende März. Die 
Unterrichtszeit ist täglich 9 Stunden. Jetzige Schülerzahl 90. 

Beide Anstalten stehen unter dem Director 0. Jessen, welcher früher 
einer Privatfortbildungsanstalt für Polytechnikcr vorstand. Diese Anstalt, 
jetzt von C. Pape geleitet, dient als Vorbereitung für den Besuch höherer 
polytechnischer Anstalten. 

Für die Fortbildung von Handwerksgesellen sind auch die Unterrichts- 
stunden des Bildungsvereins für Arbeiter erwähnenswerth. Dieser seit 1 $44 
bestehende Verein zählt durchschnittlich 1000 Mitglieder. 

Die Navigationsschule auf dem Wall neben der Sternwarte, welche 
von 40 — 52 Schülern besucht wird, dient zur Ausbildung von Seeleuten. 
Es wird auf keinem Hamburger Schiff ein Steuermann augestellt, welcher 



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nicht diese Schule besucht und das Examen bestanden hat Für Ham- 
burger ist der Unterricht unentgeltlich, Ausländer haben 24 Mark Courant 
(9 Thlr. IS Sgr.) zu entrichten. Die zunehmende Frequenz der Schule macht 
eine Erweiterung des Locals nothwendig. 

Zur Vorbereitung von Knaben für das Seewesen besteht seit einigen 
Jahren auf Steinwärder als Privatanstalt die Seemannsschule, in welcher 
Knaben während eines zweijährigen Cursus eine streng seemännische Er- 
ziehung und Unterricht in practi scher Schifffahrtskunde empfangen; die 
Anstalt besuchen circa 40 — 50 Schüler aus verschiedenen Gegenden 
Deutschlands. 



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5. 

Kunst und wissenschaftliche Institute. 

Das rege Treiben, welches durch den lebhaften Handelsverkehr her- 
vorgerufen wird, ist im Allgemeinen geistigen Interessen wenig günstig, und 
so mag der Hamburgs Bewohnern oft gemachte Vorwurf des Materialismus 
für manche Kreise nicht ganz unbegründet sein. Doch haben Künste und 
Wissenschaften in Hamburg immer Pflegestätten gefunden. Die Malerei 
ward schon in früheren Jahrhunderten begünstigt, namentlich in den ein- 
gewanderten niederländischen Familien, und in manchen Häusern finden 
sich werth volle ältere Gemälde. Von grössern Sammlungen sind hervor- 
zuheben die von Johs. Wesselhoeft (die früher Hudtwalcker'sehc Sammlung). 
J. Amsinck, J. C. A. Mestern, J. G. F. Goering und W. te Kloot, welche 
namentlich ältere Gemälde enthalten, Sammlungen ausgezeichneter neuerer 
Bilder besitzen R. M. Sloman, E. L. Behrens, H. Pontoppidan, C. Rogge, 
Frau Dr. Abeudroth Wittwe, Frau Senator Jenisch Wittwe, Gottlieb Jenisch, 
Sillem, Andersen und J. Wesselhoeft Aus den wöchentlichen Versamm- 
lungen einzelner Kunstfreunde ging der Kunstverein hervor, welcher sich 
zuerst am 1. Febr. 1822 im Hause des Kunsthändlers Harzen versammelte. 
Dieser Verein veranstaltet jährlich eine VerloosiAg von Oelgemäldcn , und 
seit mehreren Jahren erhält jedes Mitglied in Kupferstich die Copie eines 
werthvollen Gemäldes. Alle zwei Jahre werden seit 1S29 Kunst- Aus- 
stellungen veranstaltet, früher im Concertsaal des Schauspielhauses, jetzt 
in dem Locale der Gcmäldegalleric über den Börsenarcaden. Die aller- 
dings nicht sehr grosse, aber manche werthvolle Gemälde enthaltende 
Gallerie ist durch den Kunstverein ins Leben gerufen, und ergänzt sich 
durch Ankauf und namentlich durch bedeutende Geschenke von Kunst- 
freunden. Dieselbe ist täglich von 12—4 Uhr geöffnet, und zwar am Sonn- 



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119 



tag, Mittwoch und Sonnabend unentgeltlich) an den andern Tagen gegen 
ein geringes Eintrittsgeld von 4 Schilling (3 Sgr.). Der starke Besuch an 
den Sonntagen bezeugt die rege Theünahme des grösseren Publikums an 
diesem Institute. 

Das Anwachsen der Sammlung rief bald den Wunsch nach einem ge- 
räumigen und besser eingerichteten Local hervor. Nachdem zu diesem 
Zweck ein Comitö Bco Mark 170,000 (85,000 Thlr.) durch Beitrage auf 
gebracht hatte, wurde zur Erbauung einer Kunsthalle die zu diesem Zwecke 
um 30 Fuss abgetragene Alsterhöhe auf dem Wall beim Ferdinandsthor 
unentgeltlich angewiesen, und mehrere erhebliche Zuschüsse aus Staats- 
mitteln bewilligt. Das Gebäude, welches nach der Vollendung in den Be- 
sitz des Staats übergehen soll, ward in Folge einer vom Comit6 ausge- 
schriebenen Concurrenz nach den Plänen der Architecten Schirrmacher und 
von der Hude in Berlin, von denen ersterer während des Baues gestorben 
ist, ausgeführt 

Der Grundriss der Kunsthalle zeigt ein Viereck von 1 85 Fuss Breite und 
159 Fuss Tiefe, welches sich in einen Mittelbau mit vier Seitenflügeln gliedert, 
von denen vorläufig aber nur die beiden nördlichen zur Ausführung gekom- 
men sind. Das Aeusserc ist durchweg in gebranntem Thon ausgeführt, nur 
zu Fenster- und Thüreinfassungen, zu Säulen, Gesimsabdeckungen und 
Freitreppen ist Thüringer Sandstein verwendet worden. Das Gebäude ent- 
hält auf einem hohen Unterbau zwei Hauptgeschosse, welche ausschliess- 
lich den Kunstzwecken gewidmet sind, während im Unterbau die Wohnung 
des Castellans, die Packräume, die Oefen zur Heizung mit erwärmter Luft 
und sonstige Nebengelasse enthalten sind. Im unteren Hauptgeschoss be- 
finden sich ausser den Eintrittshallen die Säle für plastische Gegenstände 
und die reiche Harzen'sche Kupferstichsammlung, sowie ein Kuppelsaal im 
vordem nördlichen Flügel für die permanente Kunstausstellung. Das obere 
Geschoss, welches mit Ausnahme von fünf kleineren Zimmern, welche 
Seitenlicht erhalten, von oben beleuchtet wird, dient zur Aufstellung der 
Gemäldesammlung. Die beiden Stockwerke verbindet ein gemeinsamer 
grosser Mittelsaal, in welchem die, von dem verstorbenen Dr. Aug. 
Abendrotb, dessen rastlose Bemühungen um das Zustandekommen des 
Baues erwähnt werden müssen, dem Gebäude geschenkte Haupttreppe 
von weissem Marmor liegt. Dach und Decken sind feuersicher, ersteres 
in Eisen mit Zinkbedeckung, letztere mit Kuppengewölben zwischen ge- 
walzten Trägern construirt. 



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121 

Die Fussböden des untern Geschosses sind in Terrasso, die des obern 
in Parquet von Eichenholz ausgeführt. Stuekmarmor ist zu den Säulen, 
ächter Marmor zu den Treppen verwandt. 

Die Nischen und Medaillons an der Aussenseite sind zur Aufnahme 
von Statuen und Reliefs von hervorragenden Kunstlern bestimmt 

Die Unzuverlässigkeit des Baugrundes machte eine künstliche Fundirung 
nothwendig. Das Gebäude ist auf eine 3 Vi Fuss starke Betonschicht 
gestellt, mit welcher 2 Fuss unter der Kellersohle der ganze Grund be- 
deckt ist. 

Der Bau begann im Herbst 1863, und wird, soweit die Ausführung für 
jetzt beschlossen ist, zum Schluss des Jahres 1868 auch im Innern beendet 
sein. Die Baukosten werden sich dann ungefähr auf Bco Mark 500,000 
(250,000 Thlr.) belaufen. 

Die Schauspielkunst wurde in Hamburg schon im 17. Jahrhundert 
gepflegt und in einem Hause am Gänsemarkt 1678 die erste Oper aufge- 
führt. 1741 wurde durch Schönemann die erste deutsche Sehauspielgcsell- 
sehaft errichtet, und 1765 an der Stelle des alten Opernhauses ein neues 
Gebäude aufgeführt, in welchem das Hamburger Theater unter Ackermann 
und Schröder, und unter Lessings Mitwirkung als Dramaturg, eine für die 
Entwickelung des deutschen Schauspielwesens bedeutende Stellung ein- 
nahm. Für das, später Stadttheater genannte Unternehmen ward 1827 
durch eine ActiengeseUschaft ein neues Gebäude in der Dammthorstrasse, 
auf dem Platze des ehemaligen Kalkhofs errichtet, welches seit 1856 in 
die Hände eines Privatmanns Ubergegangen ist. Dasselbe ist nach einem 
ursprünglichen Entwurf von Schinkel erbauet, von dessen Plänen jedoch 
im Aeussern vollständig abgewichen ist Der runde Zuschauerraum hat 
66 Fuss Durchmesser bei 55 Fuss Höhe und fasst im Parquet, Parterre 
und drei Logenreihen nebst Gallerie 2800 bis 3000 Personen. Im ersten 
Stock liegt der sogenannte Concertsaal. 

Aus unscheinbaren Anfängen entstand nach der französischen Zeit in 
einem Hof der Steinstrasse ein zweites Theater zunächst für Lustspiele und 
Possen. Seit 1831 unter Leitung des Directors Maurice, welcher dieselbe 
Truppe im Sommer auf der Bühne im St Georger Tivoli spielen liess, 
nahm die Theilnahme des Publicums an den Leistungen dieses Theaters 
dermassen zu, dass 1842 ein neues Gebäude an der Ecke des Alster- 
thors und der kleinen Kosenstrasse errichtet werden konnte. Das am 



122 



9« November 1843 eröffnete, jetzt Thaliatheater genannte Gebäude ist von 
F. G. Stammann erbauet, 75 Fuss breit und 180 Fuss tief. Der freund- 
liche Zuschauerraum ist bei 55 Fuss Durchmesser 45 Fuss hoch und fasst 




Grundriss des Stadrtheaters. 

mit zwei Logenrciheu und der Galierie 1700 — 1S00 Personen. Durch eine 
beschränkende Concession ist die Oper und die Tragödie von dieser Bühne 
ausgeschlossen, unter der umsichtigen Leitung des Besitzers Maurice haben 



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124 




Mnnssstab I : 500. 

Grundriss des Thaliatheaters. 



die Darstellungen in dem gestatteten Umfange sieh aber einen wohlbe- 
gründeten Ruf erworben. 

Von den vielen Gebäuden, welche in den Vorstädten theatralischen 
Schaustellungen gewidmet sind, ist das Floratheater in St. Georg und in 
St Pauli das von einer .Aktiengesellschaft begründete, jetzt im Privatbesitz 
befindliche Variete 1 theatcr, das neuerbaute Theater von C. Schultze und 
die, in dem ehemaligen Circus gymnasticus eingerichtete Centralhalle 
(grosses Cafe chantant) zu nennen. 

Die Bemühungen, zu grossem Musikaufführungen eine, nur diesen 
Zwecken gewidmete Musikhalle herzustellen, haben bis jetzt keinen prak- 
tischen Erfolg gehabt und sind solche Aufführungen, sofern dieselben nicht 
in Kirchen stattfinden, auf Säle angewiesen, welche zu anderen Zwecken, 
namentlich zu öfFentlichen Tanzvergnügungen bestimmt sind. Unter diesen 
Localitäten sind die Säle in dem von Würmer erbaueten Conventgarten 



125 



in der Neustädter Fühle ntwiete, und der sehr geräumige Saal von »Sagebiel 
auf der grossen Drehbahn hervorzuheben. 

An öffentlichen Denkmälern ist Hamburg nicht reich. Das älteste ist 
der dem Andenken des Prof. Büsch*) gewidmete Obelisk, welcher seit 
1802 auf dem Walle in der Gegend der Kunsthalle stand, 1828 neben 
die Lombardsbrücke versetzt wurde, und jetzt in Folge der Umgestaltung 
der Wallanlagen in der Nähe der Esplanade einen Platz gefunden hat 

Dem um Hamburg verdienten Grafen Adolf IV. von Schauenburg 
wurde 1S21, gegenüber dem Marien-Magdalenenkloster, in welchem der- 
selbe als Mönch starb, unter einem eisernen gothischen Baldachine ein mit 
Helm und Schwert geschmückter Denkstein errichtet Bei Verlegung des 
Klo8tcrgebäudes nach dem Gloekengiesserwall fand dieses Denkmal wieder 
seinen Platz demselben gegenüber auf dem Walle. 

Dem Oberspritzenmeister J. G. Kepsold, welcher 1830 bei einer Fcucrs- 
bruust auf den Vorsetzen von einem einstürzenden Giebel erschlagen wurde, 
ist neben der Sternwarte, um deren Errichtung er sich grosse Verdienste 
erworben hatte, und für welche er und seine Söhne werthvolle Instrumente 
geliefert haben, ein einfaches Denkmal errichtet. 

Dem Stockfabrikauten H. C. Meyer ward von Freunden in der Nähe 
des Bahnhofes der Hamburg -Bergedorfer Eisenbahn, um deren Zustande- 
kommen er sich wesentliche Verdienste erworben, ein einfacher Obelisk 
aus polirtem Granit errichtet 

Das bedeutendste Denkmal ist das Schillerstandbild auf dem Wall, 
der Kunsthalle gegenüber. Von dem nach Schillers lOOjähriger Geburts- 
tagsfeier gestifteten Schillerverein wurden durch Subscription die nöthigen 
Geldmittel aufgebracht, circa 16,000 Thlr., für die Pläne eine Concurrenz 
ausgeschrieben und der Entwurf des Bildhauers Lippelt gewählt. Leider 
starb derselbe, ehe dies Standbild ganz vollendet war, so das» die letzte 
der Nebenfiguren von seinem Schüler Börner selbständig gearbeitet ist Ein 
auf Stufen ruhonder Sandsteinsockel trägt die in etwas über natürlicher 
Grösse ausgeführte Bronzestatue des Dichters. An den abgestumpften Ecken 
des Sockels stehen frei vier kleinere Figuren, die dramatische Poesie, 
die lyrische Poesie, die Philosophie und die Geschichte darstellend. Der 
( iuss der Statuen ist in der Kunst-Giesserei von G. Schultz ausgeführt worden. 

•) Büsch war Professor der Mathematik , stiftete 176S eine Handelaacademie. and ist durch 
Schriften «her Hundelswisspnscbaft und Volkflwirtbjjchaft bekannt 



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126 



Unter den wissenschaftlichen Instituten sind zunächst die Bibliotheken 
zu erwähnen. 

Die Stadtbibliothek im obern Geschoss des Mittelgebäudes der öffent- 
lichen Schulgebäude aufgestellt, zählt ungefähr 20,000 Bände und 5000 
Handschriften. Dieselbe, aus Vermächtnissen und Schenkungen entstanden, 
wurde 1649 mit dem Gymnasium vereinigt und ist zum öffentlichen Gebrauch 
bestimmt. Sie enthält sehr werthvolle ältere Werke und hat zur Verwaltung 
und Ergänzung eine Jahreseinnahme von 3000 Thlr. 

Die Commerzbibliothek ist in der Börse aufgestellt, 1735 gestiftet, von 
der Handelskammer verwaltet, und ebenfalls dem Publikum zugänglich ; 
sie enthält über 30,000 Bände, hauptsächlich Handels Wissenschaften, Volks- 
wirth8chaft und Hamburgensien. Zur Ergänzung sind jährlich 2000 Thlr. 
bestimmt. 

Die Bibliothek der Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nütz- 
lichen Gewerbe musste, da sie durch den Brand zerstört wurde, neu 
gesammelt werden und enthält namentlich Werke für Technik und Kunst, 
sowie Hamburgensien. 

Zu erwähnen sind noch die Fachbibliotheken der Catbarinenkirche 
(2000 Bände), des Gesundheitraths (3000 Bände), des ärztlichen Vereins 
(12,000 Bände), des Stadtarchivs (2000 Bände Hamburgensien) des juristischen 
Lesevercins, des Vereins für Hamburgische Geschichte, sowie die vom Schiller- 
verein gestiftete Volksbibliothek und mehrere werthvolle Privatbibliotheken. 

Das naturhistorische Museum, ebenfalls im Gyranasialgebäudc in den 
Räumen unter der Stadtbibliothek aufgestellt, ist 1843 begründet und wird 
von einer aus Mitgliedern der Oberschulbehörde und des Naturwissen- 
schaftlichen Vereins zusammengesetzten Commission verwaltet. Obgleich nur 
mit geringen Mitteln zur Ergänzung ausgestattet, ist diese Anstalt doch 
schon zu einer sehenswerthen Sammlung angewachsen, für welche die 
Localitäten nicht mehr ausreichen, da durch Hamburgs überseeische Ver- 
bindungen dem Museum reichhaltige Geschenke von hiesigen und auswärtigen 
Privaten zufliessen. 

Der botanische Garten vor dem Dammthor, nach der französischen 
Herrschaft neu angelegt, steht auch unter der Oberschulbehördc und speciell 
unter Leitung des Professors der Botanik. Ausser dem wissenschaftlichen 
Zweck und der Belehrung für Gymnasiasten, Apotheker u. A. bieten die 
hübschen Gartenanlagen einen beliebten Spaziergang und sind von Morgen 
bis Abend dem Publikum geöffnet 



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1?* 

t 

In unmittelbarer Nähe dieses Gartens ist im Jahr 1861 einer Actieii- 
gesellschaft ein unbenutztes Terrain zur Anlage eines zoologischen Gartens 
überlassen worden. Hamburgs Verkehr mit fremden Ländern hat Ver- 
anlassung zur Bereicherung desselben mit seltenen ausländischen Thieren 
gegeben. Der Plan dieses Gartens, sowie die sehr umfassenden baulichen 
und technischen Anlagen desselben rühren von den Arehitecten Haller und 
Meuron her. Neuerdings, nachdem Mcuron von Hamburg nach Braun- 
schweig übergesiedelt ist, werden dir sehr umfangreichen Ergänzungs- 
Bauten unter alleiniger Leitung Hallers fortgesetzt. Sehr sehenswerth ist 
unter Anderem das Aquarium, welches durch das einfallende Oberlicht ein 
möglichst naturgetreues Bild des Thierlebens unter dem Wasser bietet. 



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ß. 



Spitäler, Wohlthätigkeitsanstalten 
und Stiftungen. 

Als ein Hauptzug des Hamburgischen Charakters ist mit Recht oft der 
Wohlthätigkeitssinn hervorgehoben worden. Derselbe offenbart sich nament- 
lich durch eine grosse Zahl milder Stiftungen von den verschiedensten Dimen- 
sionen und zu den verschiedensten Zwecken, von welchen aus den frühem 
Jahrhunderten, wenn auch manche untergegangen sind, doch noch sehr 
viele fortwirken, und welche bis auf die neueste Zeit in oft grossartiger 
Weise vermehrt worden sind. Das Hamburgische Staats -Budget für 
1869 zeigt unter seinen Ausgaben einen ausserordentlich grossen, zu Wohl- 
thätigkeitszwecken bestimmten Posten in der Form von Zuschüssen an 
folgende Anstalten: 



Allgemeine Armenanstalt 


Ct*. 


177,600 = 


Thlr. 


191,040 


Krankenhaus .... 


- 


349,500 = 


n 


139,800 






122,600 = 


n 


49,040 


Werk- und Armenhaus . 




270,000 = 


n 


108,000 


Waisenhaus 


n 


48,700 = 




19,480 


Armenanstalt in St. Pauli 




54,400 




21,760 




Ct*. 1,322,800 = 


Thlr. 529,120 



Das Krankenhaus, 1821/23 in der Vorstadt St Georg am Wall bei der 
Lohmühle von Wimmcl erbaut, ist nach der 1855/62 vorgenommenen Ver- 
grösserung wohl das grösste Hospital der Welt. Die Hauptfronte ist circa 
1200 Fuss lang. Bis zur französischen Herrschaft diente der sogenannntc 

9 



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130 



Pesthof, 1606 in St. Pauli erbaut, als öffentliches Hospital. Nachdem dieses 
Gebäude 1814, wie die ganze Umgebung, um die Befestigung der Stadt frei- 
zulegen durch die Franzosen abgebrannt worden war, diente bis zur Er- 
bauung der jetzigen Anstalt das bei der LombardsbrUcke belegene öffentliche 
Leihhaus zu diesem Zwecke. Das neue, vom Stadtbaunicister Wiinmel in 
gelbem Backstein ausgeführte Gebäude besteht im Hauptgebäude und in den 
Flügeln aus Keller, Erd- und Hauptgeschoss, nur das in der Mitte belegene 
Administrationsgebäude mit der Kirche ist ein Stockwerk höher. Dasselbe 
fasst etwa 1S00 Personen, welche Zahl aber oft, den gesteigerten An- 
sprüchen der wachsenden Bewölkerung gegenüber, zu klein erscheint. Ein 
von dem Hauptgebäude getrenntes Blatternhaus wird jetzt gebaut. 

Die Ueberfüllung der ungenügenden Räume für Geisteskranke veranlasste 
1862/64 die Erbauung eines Irrenhauses auf dem Friedrichsberg bei Barm- 
beck. Dasselbe wurde, nachdem eine erhebliche Summe durch Beiträge 
von Privaten aufgebracht worden war, aus Staatsmitteln vom Ingenieur 
Timmermann erbaut und am 17. Novbr. 1864 bezogen. Es liegt 45 Fuss über 
dem Nullpunkt des Elbfluthmessers in einer freien und gesunden Gegend, 
und besteht aus dem Hauptgebäude nebst Zellenbau, mit den Kranken- 
abtheilungen für etwa 250 Irre, dem Adininistrationsgebäude und der ge- 
trennt liegenden Pensionsanstalt für wohlhabende Geisteskranke, die ein 
Kostgeld von 36 — 72 Thlr. pro Monat zahlen können. 

Die Krankenabtheilungen liegen zu beiden Seiten der in der Front 
etwas zurücktretenden Verwaltungsräume, und sind für je 20 bis 40 
Geisteskranke eingerichtet, so dass jede Abtheilung für sich eine Art von 
Familien wohnung bildet, mit hellem heizbaren Corridor, besondern Wohn- 
und Schlafzimmern und einem von den Abtheilungsräumen zugänglichen 
separaten Gartenraum. Die Abtheilungen für bettlägerige Irre sind dem 
Bureau der Aerzte zunächst gelegen. Die Räume für störende Kranke 
befinden sich an der Nordseite in einem 90 Fuss von den Flügeln ab- 
stehenden Gebäude und sind durch ummauerte Höfe vollständig von dem 
Wirthschaftshofe getrennt In der Unterabtheilung für Tobsüchtige sind alle 
Vorkehrungen zum Schutze derselben getroffen. 

Im Administrationsgebäude befinden sich im Erdgeschoss das ärztliche 
Bureau und Conferenzzimmer, sowie die Vcrwaltungsbureaux, im zweiten 
Stock der durch drei hohe Bogenfenster beleuchtete Gcsellschaftssaal, mit 
von frei hervortretenden verzierten Balken getragener Decke , und der Bet- 
saal. Diese Räume stehen mit den einzelnen Krankenabtheilungen in Ver- 



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132 

bindung. Im obern Geschoss liegen ausser dem Magazin Familienwoh- 
nungen von Beamten. Dampfküche und Dampfwäscherei sind ausserhalb 
des Gebäudes in Souterrainhöhe gebauet und mit den Kellerräumen des 
Frontbaues in Verbindung. Hinter dem Kesselhaus liegt das Badehaus. 

Die Pensionsanstalt besteht aus zwei symmetrischen Seitengebäuden 
und einem kleinern Mittelgebäude mit Billard nnd Rauchzimmer. Die 
Krankenräume in den Flügeln sind ähnlich wie im Hauptgebäude je nach 
den Zuständen der Krankengruppen getrennt, und den gesellschaftlichen 
Ansprüchen der Pensionäre entsprechend eingerichtet 

Das Betty-Heine-Stift ist von Salomon Heine, in St Pauli in der 
Marienstrasse, zum Andenken seiner vor ihm verstorbenen Gattin gestiftet 
Ursprünglich zum jüdischen Krankenhaus bestimmt, ist dasselbe seit der 
politischen Gleichstellung der Israeliten auch andern Confessionen zugänglich. 

Seit 1664 ist in St Georg auf der Langenreihe von der katholischen 
Gemeinde ein Krankenhaus eingerichtet, in welchem die Pflege von barm- 
herzigen Schwestern besorgt wird. 

In einem am Damthorwall belegenen Gebäude haben die vereinigten 
Freimaurerlogen 1792—1795 eine ursprünglich für Dienstboten bestimmte 
Krankenanstalt begründet, in welche aber jetzt Kranke aus allen Ständen 
gegen Bezahlung aufgenommen werden. Die Anstalt enthält 30 Betten für 
weibliche und 48 Betten für männliche Kranke. 

Für kranke Kinder unbemittelter Eltern ist von Amalie Sieveking ein 
ftir 16 Kinder bestimmtes Gebäude in dem Thcile von St Georg einge- 
richtet, in welchem zwischen dem ehemaligen Walle und der Stiftstrasse 
sich viele kleinere wohlthätige Stiftungen verschiedener Art befinden. 

Zur Aufnahme von verarmten und arbeitsscheuen Individuen dient das 
mit der Gefängnissverwaltung verbundene Werk- und Armenhaus. Als die 
1620 begründete, und 1666 nach einer Feuersbrunst von Hans Hamelau 
mit dem Zuchthause an der Alster neugebaute Anstalt, 1842 durch das 
grosse Feuer gänzlich zerstört wurde, brachte man die Insassen vorläufig 
auf der Uhlenhorst unter, bis 1853 ein auf dem Käthnerkamp bei Barrabeck 
ftir 1200 Personen eingerichtetes Gebäude bezogen werden konnte. Arbeits- 
fähige Individuen werden angemessen beschäftigt, sowohl beim Land- und 
Gartenbau als unter Aufsicht eines Fabrikinspectors mit passenden Hand- 
arbeiten. Ein Theil der rüstigen Insassen wird auf dem, für den Neubau 
von Gefängnissen bestimmten Terrain in Fuhlsbüttel zu Erdarbeiten, sowie 
bei der Fabrication von Ziegeln verwandt, da sich auf dem Terrain ein 



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133 



bedeutendes Thonlager fand. Mit der Anstalt ist eine Schule für etwa 100 
verwahrloste oder schon wegen Vergehen bestrafter Kinder verbunden. 

Für Waisen wurde zuerst eine auf dein, noch jetzt beim alten Waisen- 
hause genannten Platze am Ende des Rödingsmarkts belegenen Capelle, 
gewöhnlich der kleine heilige Geist genannt, eingerichtet, und 1600 ein un 
derselben Stelle errichtetes Waisenhaus bezogen. Nachdem dasselbe 1679 
schon einmal neugebauet worden war, verlegte man die Anstalt 1780 in das 
zu dem Zwecke errichtete Gebäude in der Admiralitätstrasse, welches seit 
1842 zum provisorischen Rathhaus benutzt wird. Die Waisen wurden in 
Harvstehudc untergebracht bis 1858 das, auf der Uhlenhorst in Backstein- 
bau von dem Architecteu Luis erbaute für etwa 500/600 Kinder einge- 
richtete Gebäude bezogen werden konnte. ' Bis zum siebenten Lebensjahre 




Grundriss vom Waisenhause. 



Oberes Greschosr. 

werden die Kinder in der Umgegend auf dem Lande untergebracht. Die 
Front des Gebäudes misst 525 Fuss, die Seitenflügel sind 454 Fuss tief, 
und sind 45,139 Fuss Bodenfläche überbaut. 

Ausser dem Keller hat das Gebäude zwei, das in der Mitte belegene 
Administrationsgebäude drei Stockwerke. 



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134 

Seinen Haupttheilen nach zerfällt es in das Mittelgebände, welches die 
Administration enthält; diesem schliessen sich rechts die Schule für die 
Knaben, links flir die Mädchen an, neben welchen auf beiden Seiten die 
Wohnungen der Kinder liegen. Alle diese Haupttheilc stehen durch die 
Corridore in Verbindung, können durch ThUren aber beliebig getrennt 
werden. 

Die Administration enthält den Haupteingang zur Anstalt, im Par- 
terre die Wohnung des Waisenvaters und verschiedene Verwaltungsbureaux, 
im ersten Stock den Kirchensaal, der auch für nicht zur Anstalt Gehörende 
zugänglich ist, und im dritten Stock die Krankenstation. 

Die Schulen enthalten auf der Knabenseitc sechs Klassen, auf der der 
Mädchen vier Klassen und einen Näh- sowie einen Stricksaal. 

Jede Klasse ist für 50 Kinder, berechnet und ist für jedes Kind 13 
□Fuss Bodenfläche und 155 Kubikfuss Luftraum angenommen. 

Die Wohnungen der Kinder zerfallen in drei Abtheilungen. Jede 
Abtheilung enthält zwei Wohnsäle, jeder mit lS'/j CFuss Hodenfläche und 
259 Kubikfuss Luftraum für jedes Kind. Zwischen den Wohnsälen liegen die 
erforderlichen Zimmer für Lehrer, Aufseher, Wäsche, Utensilien u. s. w. 
Im zweiten Stock befinden sich die Schlafsäle der Kinder, jeder 37 □Fuss 
BodenflHche und 555 □Fuss Luftraum für jedes Bett gross. Die Einrichtung 
principiell in der Art durchgeführt, dass alle Kinder den Tag im untern, die 
Nacht im obern Stockwerk zubringen. Waschiocale, Küchen, Privets etc. 
liegen im Keller. 

Die Fahnde ist mit dem gewöhnlichen Ziegelmaterial in Rohbau ausge- 
führt, das Portal von Sandstein, der Sockel von Granit, die Treppen im 
Innern von Sandstein. 

Die israelitische und die katholische Gemeinde haben selbst Institute 
für die Waisen ihrer Glaubensgenossen angelegt 

Der Wohlthätigkeitssinn unserer Vorfahrern äusserte sich namentlich in 
der Richtung, einer Anzahl älterer Personen die Sorge um das Obdach 
abzunehmen. Es sind sowohl ursprünglich zu andern Zwecken bestimmte 
Anstalten allmählig zu Frei Wohnungen, theils mit, theils ohue sonstige 
Emolumente umgestaltet, als auch eine Reihe von mehr oder minder be- 
scheidenen Häuschen und Wohnungen, z. B. die sogenannten Testament- 
oder Gotteshöfc in der Altstadt, in vergangenen Jahrhunderten gleich diesem 
Zwecke gewidmet Auch in neuerer Zeit hat diese Richtung der Wohlthätig- 
keit verschiedene zum Theil wirklich grossartige Stiftungen hervorgerufen. 



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135 

Das Dominikanerkloster St. Johannis an der kleinen Alster ist seit der 
Reformation zu einem Stift für unverheirathete Damen aus höheren Ständen 
umgestaltet worden, welche gegen ein geringes Einkaufsgeld und eine Zah- 
lung von Ct$. 1500 (600 Thlr.) sohald sie in der Aneiennetät soweit auf- 
rücken, in den Genuss einer Rente oder Wohnung gelangen. Die bedcu- 
denden Capitalien und Ländereien des Klosters haben nacli und nach die 
Vergrösserung der Zahl der Conventualinnen gestattet, welche mehrere 
Classcn bilden, mit bis zu 600 Ct& (240 Thlr.) steigenden Einolumenten. 
Mit der Verheirathung erlöschen alle Ansprüche. 1834 wurde die Anstalt 
in ein durch Klees Wfllbern neuerrichtetes Gebäude auf dem Wall beim 
Deichthor verlegt Der ältesten Couventualin (Domina genannt) stand in 
älteren Zeiten das Vorrecht der Bürgermeister zu, in einem mit violettem 
Sammct beschlagenen Sarge begraben zu werden. In einem neben dem 
Kloster belegenen, zu demselben gehörenden Gebäude sind Wohnungen für 
eine Anzahl Wittwen errichtet. 

Das Minoritenkloster St Maria Magdalena, bei der Erbauung der Börse 
nach dem Glockengiesserwall verlegt, ist 1531 in ähnlicher Weise umge- 
staltet, nimmt aber Wittwen und Jungfrauen auf, jetzt 41, und gewährt 
freie Wohnung und eine Rente von Ct£. 132. 12. (53 Thlr. 3 Sgr.) Der 
Eintritt wird durch eine Einkaufssumme erworben, welche nach dem Alter 
von 40 bis zu 60 Jahren auf 2,500 (1000 Thlr.) bis 1500 (600 Thlr.) 
festgesetzt ist. 

Beide Klöster sind in einfachem Stil mit Bewurf- Facadcn erbaut 
und haben durch spätere Umgestaltungen der Wallanlagen eine freie schöne 
Lage auf terassenartigen Anhöhen bekommeu. 

Das in der letzten Zeit erweiterte St. Gcorgshospital, gewöhnlich Sie- 
chenhaus genannt, war ursprünglich ein Hospital für Aussätzige, bietet jetzt 
aber einer Anzahl von Wittwen oder Jungfrauen freie Wohnung und einen 
Thaler wöchentlich zur Unterstützung. 

Neben dem oberen Theile des Rödingsmarktes liegt das Hospital zum 
heiligen Geist, dessen Existenz schon im Jahre 124S erwähnt wird. Wahr- 
scheinlich haben die Barfrtsser Mönche dasselbe zur Verpflegung kranker 
Pilger angelegt. Bei der Reformation ward dasselbe den Oberalten zur 
Verwaltung übergehen und zunächst für Lahme, Blinde, Taube und Stumme 
bestimmt. Später wurde das Spital zu einem Asyl für 150, jetzt 168 alte 
Leute beiderlei Geschlechts umgestaltet. Die Freistellen werden von den 



136 



Oberalten*; vergeben, doch hat der Eintretende dem Hause nach seinen 
Verhältnissen ein Geschenk zu machen. Das baufällige Gebäude wurde 




Oberartenstift. 

1835 durch ein von Stiefvater nach Wimmeis Plänen ausgeführtes neues 
Gebäude ersetzt. 

Aus den reichen Mitteln dieses Hospitals haben die Oberalten den 



*) Die Oberalten sind ein Vorstehercollegium der lutherischen Stadtgemeinden, welches seit 
1529 auch die Gcsammtbürgerachaft repräsentirt hat, und nach Einführung der Verfassung von 
1860 ausser seinen bis jetzt noch bestehenden kirchlichen Funktionen auch die Verwaltung ver- 
schiedener Stiftungen führt. 



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137 _ 

Bau einer grossartigen Stiftung auf dein Mühlendamra vor dem Lübcckerthor 
beschlossen, welches Bedürftigen verschiedener Gassen, sowohl Familien 
als einzelnen Personen, freie Wohnung gewähren soll. Das noch unvollen- 
dete, von Rosengarten ausgeführte Stift besteht aus zwei an der Strasse 
liegenden Gebäuden von je 197 Fuss Länge für Verarmte aus gebildeten 
Ständen, während das hinter diesen Häusern befindliche 499 Fuss lange 
Gebäude Wohnungen für Anne und für die dienende Gasse enthält. 

Für beide Classen sind Wohnungen in verschiedener Grösse angeordnet, 
nämlich 26 grosse Familienwohnungen aus einer Wohn- und zwei Schlaf- 
stuben bestehend für Wittwen mit mehreren Kindern beider Geschlechter, 
56 mittelgrosBe Familienwohnungen aus einer Wohn- und einer Schlafstube 
bestehend, 4S aus Wohnungen für einzelne Personen, in welchen auch 
Wittwen mit einem Kinde untergebracht werden, zusammen 130 Wohnungen. 

Sämmtliche Wohnungen sind so angelegt, dass jede durch einen kleinen 
Vorplatz, die Communication zwischen Wohnstube und Küche vermittelnd, 
vom gemeinschaftlichen Corridor getrennt und daher durch eine Thür 
von letzterem abgeschlossen ist. Zu jeder Wohnung gehören ein Keller- und 
ein Bodenraum, beide abgeschlossen. 

Die ganze Anlage bildet fünf Abtheilungen, von denen jede mit einem 
Eingang und doppelter massiver feuersicherer Treppe, so wie mit Waterclosets, 
Wasserleitung und Wasser-Ausgüssen, Alles in genügender Anzahl, ferner 
mit Waschküchen und Trockenböden versehen ist Die Treppen und Cor- 
ridore sind mittels Gasbeleuchtung erhellt, wie auch die äusseren Garten- 
anlagen rings um die Gebäude. 

Ein thurmartiger Mittelbau mit Sandstein -Portal zeichnet die ganze, 
durehgehends im Rohbau von gelben Pressziegeln erbaute Anlage aus. 
Darin ist Uhr und Glocke, so wie das Versammlungszimmer der verwalten- 
den Behörde und in Verbindung damit eine monumentale Haupttreppe an- 
geordnet. 

Das St. Hiobs-Hospital am Ende der Spitalerstrasse, 1505 auf Veran- 
lassung von Hans Treptow zur Aufnahme von mit Blattern und anderen 
ansteckenden Krankheiten behafteten Personen gegründet, dient jetzt einer 
Anzahl alter bedürftiger Leute zur Wohnung, von welchen ein Theil auch 
ein Geldgeschenk bezieht. 

Das Gasthaus, auch Gast- und Krankenhaus genannt, 1609 für arme 
Reisende angelegt, neben dem damaligen Millernthor, am jetzigen Graskeller, 
ist jetzt auch ein Versorgungshaus für alte Leute geworden und, nachdem 



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138 



die Anstalt etwa 30 Jahre auf dem Neuenwall gewesen war, 1S5S naeh dem 
von Rosengarten erbauten Hause in der Neuenstrasse in der Vorstadt St 
Georg verlegt. 

Das Parterregesehoss, dessen Einrichtung durch den hierbei befindli- 
chen Grundris8 veranschaulicht wird, ist zur Aufnahme von SO männlichen 

und das Geschoss darüber für 80 
weibliche Insassen eingerichtet, (a) 
ist die, an der offenen Halle (b) lie- 
gende Entr^e des Hauses, (c) Vestibül 
mit brciterTrcppe zur oberen Abthei- 
lung und der Kirche etc., (d) gemein- 
schaftlicher Wohn- und Spreelisaal, 
(e) Speisesaal, (/) Schlafsaal (von 
105 bei 100 Fuss), in welchem 80, 
durch Dielenwände mannshoch ab- 
geschlossen, aber oben offene und 
daher helle Zellen in der Grösse an- 
gelegt sind, das«, ausser dem festen 
Kleiderschrank, ein Bett, eine Com- 
mode und ein Stuhl darin Platz 
finden. Bei der Gemeinschaft eines 
grossen Saales für so viele Personen 
ist durch diese Einrichtung die An- 
nehmlichkeit und Zweckmässigkeit 
für die Bewohner erlangt, dass Jeder, 
wenn er will, für sich bleiben kann, 
während diejenigen, welche Gesel- 
ligkeit und Unterhaltung vorziehen, 
sich in dem Wohnsaal aufhalten 
können. Im Speisesaal werden so- 
w wohl die Mittags- und Abend- Mahl- 
zeiten , wie auch der Kaffee an zwei 
Reihen fester Tische servirt, an 
denen Jeder seinen bestimmten Platz hat; an den Wänden desselben ist 
für Jeden ein kleiner verschliessbarer Speiseschrank angebracht. In 
der Nische (ff) werden die Speisen in Portionsnäpfen aus der Küche 
direkt heraufgewunden. Sowohl im Speise- wie im Schlafsaal sind Zapf- 




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i:$9 



hähne der Elbwasserleitung mit Ausgüssen angebracht, so dass Jeder im 
Stande ist für Wasserbedarf und Reinlichkeit im vollsten Maasse zu sorgen. 

Alle diese Räume sind durch Wasserheizung erwärmt, der Schlafsaal 
nur mit geringer, die beiden anderen kleineren Säle mit höherer Tempe- 
ratur, (h) Lichtraum, an welchem vier geruchlose Water-Closets (/) und 
der Schornstein der unmittelbar darunter im Keller befindlichen Wasser- 
heizungs- Anlage nebst Dunstabzugsrohr für den Schlafsaal. Der Lichtraum 
für die Water-Closets dient zugleich zur Ventilation derselben. Die Ven- 
tilation und Lüftung der Säle wird ausser jenem Dunstrohr in wirksamster 
Weise noch durch Klappen bewirkt, welche unter der Decke direct ins 
Freie münden und nach Bedürfniss geöffnet und geschlossen werden; (A) 
Überdeckter und umschlossener Pissoirraum; (/) mit dem Kcllcrfussboden 
im Niveau liegende Höfe zur Trockenlegung und Erhellung der Küche und 
anderer im Keller befindlichen Wirthschaftsräume. Links am Vestibül ist 
die von demselben durch die Thür (m) abgeschlossene Krankcn-Abtheiluug, 
worin (n) für männliche, {o) für weibliche Kranke, (p) für Unreine, (//) Water- 
Closets, (r) Badezimmer. Rechts am Vestibül ist ebenfalls durch eine Thür 
(V) abgeschlossen, die Wohnung des Oekonoraen mit dem, durch die Treppe 
(/) communicirenden Zubehör im Souterrain, so wie (u) Comptoir, (v) Portier- 
Loge, (w) Doppeltrcppe zur Küche und den Wirthschaftsräumen im Keller, 
(x) Ausgang in den, das Gebäude umgebenden Garten. 

Die Einrichtung der oberen Etage für die Frauen ist der beschriebenen 
in Bezug auf die drei Uauptsäle ganz gleich. Jm Vorderbau jedoch ist 
im Mitteltheil die Kirche für regelmässigen sonntäglichen Gottesdienst, über 
der Kranken -Abtheilung ein Vcrsammlungssaal für die Verwaltung und 
Aufgang zur Orgelbühne, auf der Seite gegenüber aber sind Zeug- und 
Wirthschaftskammcrn, ein Cabinet für den Geistlichen mit Zugang zur 
Kanzel, so wie die Treppe zum Boden angelegt, von welchem ein Theil 
als Trockenboden, ein anderer zur Aufbewahrung von Effecten der In- 
sassen benutzt wird. 

Der Convent ist 1233 von Adolf IV. von Schauenburg für 20 Nonnen, 
Beginnen oder nach ihrer Kleidung „blaue Süstern" (Schwestern) genannt 
Die Stiftung lag in der Steinstrasse und wurde in Folge eines Vermächt- 
nisses den zur Richtstätte geführten Verbrechern hier der letzte Labetrunk 
gereicht Die Stiftung schrumpfte nach und nach ein und bietet jetzt nur 
noch acht alten Frauen und Jungfrauen ein Unterkommen. Für ein Ein- 
kaufsgeld von Bcojt. 1500 und 200, zusammen 850 Thlr. erhalten dieselben 



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140 



freie Wohnung und Ct*. 132 (56 TUlr.) und vier Sack Kohlen. Der stei- 
gende Grundwerth in der belebten Steiustrasse veranlasste die Verwaltung 
das Grundstuck zu verkaufen und für den Erlös an der Wandsbecker 
Chaussee ein neues Gebäude aufführen zu lassen. 

Unter den Privatstiftungen aus neuerer Zeit zur Beherbergung und 
theilweisen Versorgung bedürftiger Personen nimmt das an dem Wege nach 
Eimsbüttel, neben der Sternschanzc belegene Schröderstift die hervorragendste 
Stelle ein. 

Dasselbe im Jahre 1S51 von Kosengarten erbaut, ist ein Denkmal 
grossherziger Freigebigkeit eines reichen Kaufmanns, Herrn J. H. Schröder, 
der eine Million Mark Banco ausgesetzt hatte, um verschämten Bedürftigen 
theils Freiwohnungen, theils Geld -Unterstützungen oder Beides zugleich 
zu gewähren. 

Die Anlage besteht aus einem ca. 300 Fuss langen Mittel- und zwei 
Seitengebäuden, jedes von ca. 150 Fuss Länge, in Rohbau von gelben Back- 
steinen für die glatten Mauerflächen und von rothen Backsteinen für die 
umfassenden Theile ausgeführt. 

Die vorgenannten drei Gebäude bilden indess im Innern kein zusammen- 
hängendes Ganzes, sondern bestehen aus einer Anzahl gänzlich getrennter 
Häuser; denn die Bewohner sollten sich wie in einem bürgerlichen Hause, 
nicht aber wie in einer Armen-Anstalt fühlen. Die Häuser haben in jeder 
Etage theils zwei Wohnungen, theils nur eine und enthalten zusammen 52 
Wohnungen. Jede Wohnung besteht aus mindestens einem Wohn - und 
einem Schlafzimmer nebst Küche und Bodenraum. 16 Wohnungen haben 
noch ein Zimmer mehr. 

Die Mitte wird im Parterregesch oss von einer Halle und darüber von 
einer kleinen Kuppelkirche zum sonntäglichen Gottesdienst der Bewohner 
des Stifts eingenommen, in welcher sich ein Altargemälde von Musini in 
Florenz befindet 

Um, dem starken Begehr entsprechend ^ eine noch grössere Zahl von Frei- 
wohnungen, insbesondere neben den Familien auch einzelnen Leuten ge- 
währen zu können, hat Herr J. H. Schröder sein Stift neuerdings mit einer 
weiteren Dotation bedacht und das hinter dem alten liegende neue Stift 
jenem im Allgemeinen, jedoch bei Verschiedenheit der Einzeitheile 
ähnlich, ebenfalls von Kosengarten erbauen lassen. Dasselbe bildet ein 
Gebäude von 303 Fuss Länge und besteht wie das alte Stift aus ein- 
zelneu, unter sich getrennten Häusern, aber mit einer Etage mehr als 



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141 



jenes ; nämlich aus fünf Mittelhäusern mit zwei Wohnungen in jeder Etage, 
also zusammen 30 Wohnungen für Familien, theils zwei, theils drei Zimmer 
nebst Küche enthaltend, und zwei Eckhäusern mit 24 Wohnungen für ein- 
zelne Leute, aus einer Stube nebst kleiner Küche bestehend. Jede Wohnung 
hat einen kleinen, dieselbe vom Hause abschliessenden Vorplatz und auf 
dem Boden und im Keller einen verschlicssbaren Raum. 

Die Gebäude sind mit Gartenanlagen umgeben. 

Zu ähnlichen Zwecken hat vor einigen Jahren der Kaufmann Ferd. 
Laeisz an der gegenüber liegenden Seite der Sternschanze eine Stiftung mit 
53 Wohnungen gegründet, und ebenso ist zufolge eines Vermächtnisses des 
vor zwei Jahren verstorbenen Kaufmanns G. F. Vorwerk in der Nähe des 
Laeiszstiftes eine ähnliche Anstalt errichtet. 

Das in der Vorstadt St Georg am Wall belegene Stift des verstorbenen 
Hartwig Hesse enthält 24 Wohnungen mit kleinem Garten für Wittwen, 
deren Erwerb mit dem Tode des Mannes aufgehört hat Die Vorderge- 
bäude am Wall und in der Stiftstrasse sind vermiethet und ist' der Ertrag 
zur Erhaltung der Freiwohnungen bestimmt 

Das Badesche Stift, ebenfalls in St Georg in der Minenstrasse ist zur 
Aufnahme von 32 Wittwen von Goldschmieden und Bauhandwerkern be- 
stimmt 16 derselben wohnen ganz frei, die übrigen bezahlen eine geringe 
Miethe 45-60 * (18-24 Thlr.) 



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7. 



Privatgebäude. 

Ergänzende Notizen von F. Andreas Meyer. 

Es kaim nicht die Absicht sein, in diesem letzten Abschnitte eine 
erschöpfende Besprechung der jetzigen Privat- Architectur zu gebeu. Wenn 
die skizzenhafte Anlage uusrer Schrift im Allgemeinen schon gründliche 
Detaillirung ausschliesst, so treten für das vorliegende Thema noch besondre 
Umstände hinzu, welche der breiteren Behandlung desselben hinderlich sind. 

Einmal ist es für den einzelneu Fachmann, der selbst an dem Kampfe 
der Partheien Theil nimmt, unmöglich, sich unpartheiisch Uber alle Rich- 
tungen des Stiles und der damit zusammenhängenden Material-Behandlung 
auszusprechen, und allen seinen Fachgenossen gerecht zu werden. Sodann 
aber ist er auch als Kritiker des Spruches eingedenk: „Wer in einem Glas- 
hausc sitzt darf nicht mit Steinen werfen," und unterlässt in leicht erklär- 
licher Sorge ftlr sein Wohlergehn die Bewerfung fremder Gebäude, auch 
wenn der Bewurf daran noch so lose sitzt. 

Die hier im Holzschnitte mitgetheilten Zeichnungen von Privathäusern sind 
demnach aufgenommen, wie sie nach allgemein erlassener Aufforderung 
und den räumlichen Grenzen des Buches angemessen von den Baumeistern 
eingesandt sind. Es trifft sich dabei zum Glück, dass die verschiedenen 
Richtungen ihre Vertreter gefunden haben, so dass ein fremder Fachmann 
mit Hinzuziehuug der bereits den vorigen Abschnitten eingeordneten Werke 
jetzt noch thätiger Baumeister ohne viele Mühe die Baukunst des neuen 
Hamburgs daraus erkunden kann. So wird dieser ergänzende Abschnitt 
seinen Zweck erreichen, wenn er auch den einzelnen Richtungen nicht bis 



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143 



in ihre äusscrsten Verzweigungen folgt. Zur Orientirung aber mögen folgende 
historische Daten dienlich sein: 

Der Baumeister Johann August Arens, welcher zu Anfang dieses Jahr- 
hunderts nach fünfjähriger Kunstreisc in Italien gleichzeitig mit dem Oberbau- 
Director C. F. Hansen in Hamburg eine Reihe von Neubauten aufführte 
(u. A. die Grabkapellen auf den Kirchhöfen, die Kirche in Wandsbeck, das 
Schulhaus der Armen-Anstalt, während Hausen z. B. die ältern Villen der 
Gebrüder Godefroy in Dockenhuden, die Ville von J. N. Baur in Nien- 
städten, das Haus des Conferenzraths Baur auf der Palmaille, das ältere 
Preussische Postgebäude auf dem Gänsemarkt und viele Häuser in der 
Katharinenstrasse gebaut hat,) führte einen Stil hier ein, welchen die Ham- 
burger als den neuen italienischen Geschmack bezeichneten und als solchen 
hoch in Ehren hielten. Diese Richtung verdrängte die anmuthige Erscheinung 
und die gesunde Technik der Sonnin'schen Zopf-Architectur. Da die nun 
folgende Zeit ohne grosse Mittel baute, so entstanden auf der neuen italie- 
nischen Grundlage einfache äusserst nüchterne Putzfacaden, oft sogar, und 
selbst in neu angelegten Strassen, lediglich verputzte Fachwerkshäuser. 

Durch manche tüchtige Einzelarbeit, z. B. Burmester's, wurde die Lange- 
weile hie und da gelüftet, zumal durch die echt künstlerische Hand eiues 
Mannes, welcher nur von allen vergangenen Baumeistern Hamburgs, mit 
Einschluss Sonnin's, der bedeutendste zu sein scheint Alexis de Chateau- 
neuf, geboren zu Hamburg am IS. Februar 1799, gestorben am 31. December 
1853, erbaute ausser mehreren andern Wohnhäusern, Stiftungen und öffent- 
lichen Gebäuden in den dreissiger Jahren das in Abbildung beigegebene 
Wohnhaus des Dr. Abendroth, ein ausserordentlich opulent fttr grosses Ge- 
sellschaftsleben eingerichtetes Gebäude, das Aeussere in edlen einfachen Ver- 
hältnissen Sandsteinprofiiirungen zeigend, mit Wandflächen in Kalkputz, 
das Innere durch einen reichen Treppenbau mit Skulpturen, und an den 
Wandflächen durch Reliefs (im Saale der Alexanderzug von Torwaldsen) 
und eine von Erwin Speckter sehr bedeutend in pompejanischer Art com- 
ponirtc Wandmalerei ausgestattet. Der Besuchende muss hier im Interesse 
Chateauneufs aufmerksam gemacht werden, dass neuerdings die untere Ein- 
gangshalle zum Schmerze der Hamburger Kttnstlerwelt in dem Ausbau ei- 
niger Zimmer zu Grunde gegangen ist 

Mit dem Feuer, welches 1S42 ein Fünftel der Stadt in Asche legte, 
änderte sich die Physiognomie des Privatbaues. Der Staat griff in die Neu- 
gestaltung des Stadtplans nach allen Richtungen ein. Baupolizeiliche Be- 



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DES HERRN DOCTOR ABENDROTHS HAUS 
AM JUNG7ERNSTIEO. 

Crkaut von A. «• Ch ifeTuntuf. 



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145 

Stimmungen verboten das Ständerwerk; die den Raum der Bauplätze be- 
schränkende Verbreiterung der Strassen, die vorgeschriebenen dicken Um- 
fassungsmauern und die durch die Thorsperre behinderte Ausdehnung der 
Stadt führten zu einer finanziell gebotenen grösseren Ausnutzung der gleich- 
zeitig bedeutend im Werthe steigenden Grundflächen-, man holte in der Höhe 
nach, was man an seitlicher Ausdehnung nicht mehr erreichen konnte. 
Während vor dem Brande allerdings auch in den Häusern der wohlhabenden 
Mittelclasse oft mehrere Familien zusammenwohnten, doch aber abgetheilte 
Etagen nur für die ärmeren Klassen als sogenannte Sahlwohnungen vor- 
kamen, baute man jetzt allgemein hohe Etagenhäuser. 

Die eben beregten älteren Etagenwohnungen der änneren Klassen in 
Hamburg haben manche Eigentümlichkeit, welche sie der Beschreibung 
werth macht Das ünterhäuschen „Bude" genannt ist für sich abgetheilt 
und hat oft einen Laden, während zu den kleinen getrennten Wohnungen 
der oberen Stockwerke eine direct von der Strasse eingehende und selten 
durch eine Hausthür von derselben abgeschlossene steile Holztreppe, bei 
älteren Bauten zuweilen eine Wendeltreppe, hinauffuhrt. Diese Etagen- 
wohnungen haben, wie schon oben erwähnt, den wenig bezeichnenden, 
echt hamburgischen Namen „Sahl" (lucus a non lucendo), welcher aber zur 
Unterscheidung von Salon meist mit einem h geschrieben wird. Die Treppe 
heisst die Sahltreppe. Ein gewissenhafter Fremdenführer wird es nicht 
versäumen, seinen neugierigen Reisenden, welcher sich für Hamburgische 
Eigentümlichkeit interessirt, auf die vielen ganz engen, oft unterirdischen 
Passagen aufmerksam zu machen, welche z. B. unter den grossen Häusern 
der Stein-, Spitaler- und Niedernstrasse hindurch in lange schmale Gänge 
(Höfe) hineinführen, die mit den oben beschriebenen Sahlwohnungen dicht be- 
baut sind. In dem Reviere der Spitaler- und Steinstrasse wohnen auf diese 
Weise an 10,000 Menschen eng neben und Uber einander, und diese 
Gegend ist viel dichter und unbequemer bebaut, als das so häufig für 
ungesund ausgegebene Gängeviertel der Neustadt, welches, zwischen den 
Kohlhöffen und der Neustädter Fuhlentwiete am Abhänge der Geest belegen, 
aus schmalen Gassen mit niedrigen Häuschen und dahinter liegenden über- 
raschend grossen freien Plätzen und Gärten besteht, und der ärmeren Classe 
gesunde Wohnungen bietet Aber selbst eine enge ärmliche Sahlwohnung 
ist oft noch derjnaclf dem Brande entstandenen Etagenwohnung vorzuziehen. 

Die grosse Eile, mit welcher die Wiederherstellung der zerstörten 
Wohnungen nach dem Brande betrieben wurde, Hess oft der technischen 

to 



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146 



Ueberlegung keine genügende Zeit Die Baumeister verstanden es nicht 
immer, ihre Grundrisse so zu disponiren, dass nicht allein der Wunsch der 
Eigner nach möglichst vielen vermiethbaren Zimmern, sondern auch die 
nothwendige Rttcksicht auf Luft und Licht Rechnung fanden. Für die 
artistische Durchbildung des Baues blieb erst recht keine Zeit, und so 
entstanden an den Etagenhäusern des Neubaues, z. B. in der Hermannstrasse, 
Rosenstrasse, auf den Raboisen, die schablonenartig gebildeten hohen Fa- 
vaden mit Cementbewurf, hinter welchen man oft stattliche Etagen vermuthet, 
selten aber etwas Besseres findet, als eine Reihe willkürlich aneinander 
gereihter Zimmer, während die Treppen, Vorplätze und \\ irthschaftsräume 
oft über alle Beschreibung eng, dunkel und verwahrlost angelegt sind. Es 
fehlt natürlich nicht an tüchtigen Leistungen, und ich mochte beispielsweise 
auf die Grundrisse von Burmester (1802—49) in der Ferdinandstrasse und 
anderswo, und auf den in einer innern Ansicht beigedruckten Sillem'schen 
Bazar von Averdieck hinweisen. Dieser Bazar besteht aus einer vom alten 
Jungfernstiege nach der Königsstrasse durchführenden Passage mit Läden, 
in deren Vordergebäude sich ein Hötel mit Parterreluden befindet 



Senator Jenisch' Wohnhaus. 




Verbindung des 

Grundriss des Hauptgeechosses Vest-bules mit ier Hauptsticgc. 

Entw. a. atwuef. vom Arobiteet A. Meuron. 



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148 



Auch manche bedeutende fremde Architecten zog die grosse Bauthätigkeit 
nach Hamburg. Ich erwähne nur Seinper's, welchem damals von Seiten der 
Commission von Sachverständigen der erste Preis für sein Concurrenzproject 
des Neubaues der Nicolaikirche zuerkannt wurde — während bekanntlich 
die Kirchenbau-Coniinission sich später für Scott entschied. Er baute u. A. 




Wohnhaus an der Alster. 



Architect F. G. Stammann. 

die Apotheke in der grossen Bäckerstrasse mit in [Sgraffito-Manier aus- 
geführten figürlichen 'Darstellungen an der Facade, während in anderer 
Richtung Ungewitter, gemeinschaftlich mit dem jetzigen Kieler Stadt- 
baumeister Martens thätig war, obwohl sich in seinen damaligen Ham- 
burgischen Bauten noch nicht die gründliche constructiv gothische Be- 
handlung erkennen lässt, welche beide Männer in ihren späteren Arbeiten 
kennzeichnen. 



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140 



Aus all' diesen meist unter Ceraentbewurf ausgeführten Neubauten ragen 
wie Fremdlinge einige in dem heimathlichen Material ernsthaft aufstrebende 
Backsteingiebel empor, einer auf dem Glockengiesserwall (Schleiden'sche 
Schule) einige auf den Raboisen, der bedeutendste in der Ferdinandstrasse. 
Diese gehören dem Baumeister des Patriotischen Hauses Theodor Bttlau 
(1800—1859) an, welcher durch sein gründliches Werk „die Architectur des 
Mittelalters in Regensburg", in den Jahren 1834—39 gemeinschaftlich mit 



Wohnhaus des Herrn A. P. Sohuldt 




Archltect A. Meuron. 
Maaasstab 1 : 400. 



Popp herausgegeben, schon früher ausserhalb Hamburgs bekannt geworden 
war. Seines Strebens ist bereits in diesem Buche bei der Beschreibung des 
Patriotischen Hauses im ersten Kapitel des neuen Hamburgs anerkennende 
Erwähnung gethan. Seine Erfolge waren gering. Man fand seine Bauten 
im rothen wenig profilirten Materiale roh und die innere Einrichtung dunkel 
und unpractisch. Wenn auch das Patriotische Haus den Ansprüchen der 
('•egenwart nicht vollständig genügt, so sind seine Wohnhäuser doch gut einge- 
richtet und alle seine Bauten sehr solide ausgeführt Man darf bei der Be- 
urtheilung Bülau's nicht vergessen, dass damals keine der vielen grossen 
Ziegeleien in Hamburgs Nähe darauf eingerichtet waren, ihm für feinere 
Ausbildung der Profile, für Glasuren und Farbenstimmungen an den Back- 



150 

steinen Unterstützung: zu gewähren, und dass das Bauhandwerk aberall 
nicht für seine Richtung vorbereitet war. 

Es war hier wieder Chateauneuf, welcher mit einer ausgezeichneten 
Oonstruction des Innern (Schulte & Schemmannscher Speicher) eine gesunde 
und dem Character des Bauwerks entsprechende Behandlung des Roh- 
materials im Aeussern zu verbinden wusstc (Post, Petrikirche). Ganz be- 
sonders tüchtig aber in Form und Technik trat der Backsteinrohbau in 
den grossen Ingenieurwerken auf, welche das Bureau des Ingenieurs Lindlcy 
in Hamburg zur Ausführung brachte. Der Thurm der Stadtwasserkunst auf 
Rothenburgsort, die Gasanstalt, das Wasserreservoir in St Georg, Speicher- 
anlagen im Hammerbrook sind nicht allein vom technischen, sondern auch 
vom aesthetischen Standpunkte sehr erwäbnenswerth. 

Als man von den Beschädigungen des Brandes sich erholte, als Siele, 
Wasser, Gasleitung, Sandsteintrottoire etc. auch den alten Stadttheilcn den 
Comfort der modernen Welt nahe legten, und sie allmählich zu gemäch- 
lichem Umbau nüthigten, wurden die Neubauten oft mit weniger Hast und 
besserer Erfahrung angelegt als zuvor. 

Durch die Abschaffung der Thorsperre und Accise, welche eine Menge 
neuer Strassenzugilnge zur Stadt zur Folge hatte, durch bessere Verkehrs- 
anstalten, Dampfschiffe auf der Alster und Elbe, Omnibusse etc., wurde 
auch die fernere Umgebung der Stadt für den mehr oder weniger städti- 
schen Anbau erschlossen. Als ein besonders bemerkenswerthes Beispiel 
einer gleichzeitig im Entstehen und in der Blüthe begriffenen Garten- 
Vorstadt ist die Uhlenhorst anzuführen, welche in dem letzten Jahr- 
zehend aus der Niederung des linken Aussen -Alster -Ufers mit einer nur 
dem amerikanischen Städte waehsthum vergleichbaren Geschwindigkeit em- 
porgebaut ist. Man erkennt aus der tüchtigen Disposition und der mit 
Weier Behaglichkeit ausgestatteten Einrichtung der dortigen, sowie andrer 
neuer Landhäuser, welche Fortschritte in «lieser Beziehung gemacht 
sind. Hier mögen einige eingesandte Grundrisse neuer Villen ihre Stelle 
finden. 



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151 



Herrn W. Gossler's Landhaus auf der Höhenluft. 




Archltect A. Mevron. 
(Derselbe Maassstab wie bei Pfennig'» Gartenhaus ) 



Herrn Senator Rücker's Landhaus in Othmarschen an der Elbe. 




Arrhltrct A. Mmrmt. 

(Derselbe Maassstab wie bei Pfennig'» Gartenhaus.) 



152 



Frau von Struve's Landhaus, jetzt im Besitz des Herrn E. Noelting 
in Othmarschen an der Elbe. 




Archltect A. Meuron. 

(Dme'be Maßstab wie bei Pfennig'« Gartenhaus.) 




Archltect UaMtedt. 

Auch die Architectur des Aeussern hat sich in den letzten Jahren nach 
jeder Richtung hin fortschrittlich entwickelt Während bei den Speculationa- 



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- J — *-* 1 f- r- f. ff 4 i> J . ~»Mm/. 



Etagenhaus am Brookthorquai. 

Architcct Breckelbaxan. 



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159 * 

und Ladenbauten die Anwendung des Eisens den Parterre-Etagen das 
Körperliche benimmt, etwas höher an der Facade aber dazu dient, um 
grosse Cementkörper möglichst weit in die Luft hinauszuschieben (siehe 
Dammthorstrasse, ABC-Strasse, Bleichenbrücke, Alsterthor etc.), finden auch 
feinere Cementleistungen, welche dem modernen französischen Stile huldigen, 
ihre vielbeschäftigten Vertreter. (Siehe das in Holzschnitt beigegebene Haus 
von Martin Haller an der Ecke der Kirchenallee in St Georg.) Für die 
Fortschritte in der construetiven Behandlung des Baues und der charakte- 
ristischen Durchbildung des Stcinmatcrials an den Fa^aden bei den neuen 
Privatbauten in Hamburg geben dagegen die Häuser von Breckelbaum (siehe 
die Abbildung seines in rothem Backstein mit Glasuren ausgeführten Hauses 
am Brookthorquai) und neuerdings die Bauten von Hauers eine Anschauung, 
dessen in Abbildung beigegebenes Hotel bei den Pumpen in Sandstein uud 
gelben Backsteinen mit glasurten Formsteinen und gebrannten Thonfrieseu 
ausgeführt, gleich seinen übrigen Bauten den Eiufluss der hannoverschen 
Schule erkennen lässt. 

Um durch eine recht harmlose Notiz den Schluss dieser kleinen Be- 
sprechung herbeizuführen, welche als eine ergänzende Zugabe zu den übrigen 
Capiteln nachsichtig hingenommen werden möge, finde hier folgende Tabelle 
Platz, welche laut amtlicher Veröffentlichung vom Jahre 1866 die Gesauimt- 
inenge der Privat- Bauten Hamburgs in der Stadt und in den Vorstädten 
gliedert und aufzählt: 

6406 bewohnte und 90 leerstehende Häuser und Hotels. 



35 1 S 




- 


79 


n 


Kellerwohnungen. 


462S 






175 




Unterhäuser. 


10101 


- 




624 


f 


Etagen. 


4224 






40 




Buden. 






- 


49 


- 


Sähle an der Strasse. 


S01S 




n 


25 


- 


Sähle in den Wuhnhöfeu. 


1710 


« 




60 


n 


Läden. 


549 


*• 


- 


17 


r 


Comptoire. 


309 


n 


I» 


4 




Speicher. 


508 


n 


* 


16 




Böden, Läger und Räume. 


148 


r> 




1 




Schauer und Schuppen. 



1 



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• 160 



78 bewohnte und 3 leerstehende Fabriken. 
124 „ „ 1 ■ Werkatellen. 
277 „ „ 9 » Ställe und Remisen. 

Bemerkung: Unter den zu gewerblichen Zwecken benutzten Räumen sind nur die auf- 
geführt, welche getrennt von Wohnlokalitaten benutzt werden. 



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ANZEIGEN. 



X 

*5 



4 



<5 



<) 

-5 



Verlag von Otto Meißner in Hamburg. 

J)rad)tu)crk für 3ago-, Uatur- tmi> ümtflfreimöe. 





22 HluU (Bildgrüsso 9,13- rhein.) 
Componirt und auf Stein 



No. t Titel (Waldpartie). 

2. Edelwild. 

3. Weibl. Dammwild. 

4. Rebhühner. 
6. Schwarzwild. 

6. Rehe bei Mondschein. 

7. Otter. 

8. Fasanen. 

9. Hasen. 
10. Fuchs. 
11. 



H 



»» 
»» 



f» 



1 



Eugen Krüger, 

Treis 12 Thlr. Prachtausgabe mit breitem 
Kan.le IKThlr. Mappe dazu I Thrl. Kle- 
mmte Mappen A Thlr. 

Nr. 12. Rottganse. 

13. Rehe. 

14. Schnepfen. 

15. Edelhirsch. 

16. Rehe bei Mondschein. 

17. Kampfhahno. 

18. Dachse. 

19. Auerhahn. 

„ 20. Fang der Drosseln. 
„ 21. 



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22. Gemsen 

Bei Abnahme von mindestens <> Blättern ist der Preis 20 Sgr., von der Prachtausgabe 
25 Sgr. a Blatt und wird dazu eine hübsche Mappe mit Titelbild gratis geliefert; einzelne 
Blätter kosten I resp. 1 1 ;l Thlr. 

Die gesummte Presse hat sich in lobendster Anerkennung über dies Werk ausgesprochen. 
Die „Kunst -Chronik", Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst, sagt n. A. darüber: „Der 
geschützte Thiermaler hat hier seine Jagdstudien mit einer überzeugenden Wahrheit und 
Naturtreue und zugleich einer künstcrischen Meisterschaft venverthet, die seine Darstellungen 
weit üher diejenigen erheht, welche nur zur Befriedigung der .Jagdlicbhabcr zu dienen be- 
stimmt sind. Sein Kdclhirsch, sein Fuchs, seine schmausende Otter, seine in den Lfiftcn 
sich haschenden Schnepfen, sein beim Morgengrauen balzender Auerhahn u s. w. sind nicht 
nur an und für sich der Natur abgelauscht, sondern die Umgebung, in der man die ein- 
zelnen Thicrc sieht, die Beleuchtung und alles Beiwerk sind so charakteristisch anfgefasst 
und wiedergegeben, dass jedes Blatt ein wcrthvolles Landschaft«- und Stimmungsbild darbietet." 

Dem Künstler wnrde für dien Werk von Seiner Majestät dem Konig Wilhelm l. von 
Prensaen ala allerhöchste Anerkennung 

die goldene Medaille für Kunst 

verheben. 



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The Howe Machine Comp., BRIDGEPORT & NEW-YORK, fabririrt täglich 160 Nähmaschinen. 




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die höchsten Anerkenn nngen. 

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20 verschiedene Medaillen wurden für ausgestellte Arbeiten an Fabrikanten 
vertheilt, welche solche auf E. Howe's Original -Maschinen angefertigt 

1 Million Nähmaschinen 

bis jetzt iabrizirt durch Elias Howe, den Krllnder und sein Patent. 

Alle amerik. Fabrikanten, wie Grover & Baker, Wheeler &. Wilson, Singer, Weed etc. 
bezahlten Abgaben an K. Howe durch das Patent vom 10. September 1846. 

Zufolge der bedeutenden Anerkennungen, welche diesen nenen Maschinen zu Theil 
wurden, empfehlen Unterzeichnete dieselbe, gestützt auf jahrelange Erfahrungen in dieser 
Branche, als die vollkommenste der Welt, und können beweisen, dass vermöge der einfachen 
Construction, vorzüglicher amerikanischer Hülfsapparatc , bequemer Handhabung, leichten 
Ganges und Erlernung dieselben für jegliche Arbeiten die besten sind und alle seitherigen 
weit übertreffen. 




Jede acht« Howe-Maschine trägt neben- 
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• j eonracten in verfa)iebenßer nnb gefebmaefvoUfler Au*fübiimg, wie wir »erfebtebene «Scblöffer £ 
'* be« Su«lanbe« nnb feinfle Käufer Hamburg« unb Umgegenb jur veüften „Hnfriebenbeit ber ^ 
,o; Herren Auftraggeber batnit verfallen, balten wir in ttnferer tfabrir fiel« ;ur gefälligen Anftebt g 
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herbeizurufen. 

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mit ben Stewarb« mit fonftigen Sebtff«bebienteficn von ber Sajüte unb liabinet au« ju 

l unterbauen, wa« uameutlirb bei £ranfheit«fäflen ein febr fcbäfcbarer Komfort ift. Xie 

•j cioufhrnction ift eine fcljr einfacbe unb jucetlaffige. 

öü Auch ein f o 1 eb e r Apparat, beren wir bereit« mehrere für bie rübmliebft befannten 

Steamer ber 9eorbamcriranifd>en ^adetfabrt Slctiengefellfebait lieferten, wo fte fieb al« ^ 
o äufjerfl praftifeb unb juteriäfftg ben?abren, ift in unferer ftabrif in ibätigfeit au«geflellt. & 

p Wüx(0ttta(U fiebern ben ^efift bt« Cigentbnm« beffer al« 3d>lefj unb Siegel, ba f«e unbe J 

° merfte» einbringen in Webäube unb ©obuungen, iöerübren Sertb- :c. Wegenftänbe ^ 

o bergenber Soeben, al« Welbfebränfe, ^ufte :c. burrb laute Signale naeb allen Nietungen «< 

bin «rfünben, unb fint fomit ^ur Sidjerung gegen ©eraubung vor % Uem ba« CSmpf et? £ 

& len«»ertbefie. fr 

A (ffentrifefie ^rofftenjüge empfehlen fieb ibrer einfarben. praltifrben unb bequemen ßigenfebaften 

bölber neben ibrer *iDig!eit vor jeber anberen meebauifeben Sinriebtung $um herbeirufen 9 

unb Slnfünbigen, nnb verbieuen fo»obl »or ben ciltbergebraebtcu unb ben fonß in ber ^ieu g, 

^ \tii vielfaeb iu 3lun>enbung gefommenen Spfiemen ben entfebiebenften $>orjug, namenttieb «• 

o. vor bem fuftbrurltclegraipben, n>elebe ju oft reparaturbedürftig ftnb unb be^balb bort, wo f 

fte bereit« augebraebt waren, balb wieber entfernt nnb bureb flcftrifdjf (»icdenjäge eifert * 

, • Mab» u W ah 

„ ivuiccn. fgi 

2)er Atoflenpunlt für Bnfebaffung ber vorgenannten, bem Komfort einer .pau« ;c. Gin; ^ 
riebtung erft verwollflänbigenben Sinriebtung ip em im J^crgleicb \\i feinem SSertbe niebt nennen«; p 
o, »ertber, Kifjt fteb fafi unrtebtbar anbringen unb ift in fetneu fiebtbaren Ibeilen fogar eine ^ierbe. W 

Bueb in febon faVtiirten unb betortrten Bimneni Kijjt fteb ber eleltrifebe ielegrapb unb .|> 
-Öloefenjug obne Sebtviertgleit anbringen, obne baß Jöefebäbigungen an iapeten sc. Statt baben. 

2>ic *>erren Slerjte unb Suotbeter maeben wir noa) gan? befonber« auf unferc eleftri- ^ 
0 ; fdjen Wlocf einübe mit «etourftflnal ergebend aufmerffam", womit fte event. febon vom 5Pett «> 
(o au* bem £>arrenben fofort eine börbare unb ftcbtbare «ntwort bureb ein erfebeinenbe« „@ebört" g 
^ ober „Äomme gleieb" :c. erteilen fiJnnen. % 

•o 3»h ftnb w jeber fpecielleren ?lu«lnnft hierüber uub Äoflcnanftblägen bereit. 



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SBiebererfcbeinen ; c» ronfmrirt neue« wi-, unb üftauerwerl unb rrllmtrtrt ba« bereite 
vnt ftaulniß angegangene. (S« »erbinbet fieb mit Iben, .Half, dement :c. in fo intimrv 
SHeife. baß fernere« Einbringen ber Atmosphärilien unmBglicb wirb unb tanu naa) er 
folgter 'Auwenbung jeber beliebige flufrrid) auf £>ol$ , Stauer :c. wieber angebracht werben. 

Die unfcblhare SBirffamfeit tiefer nicht giftigen <£out»ofition erroirt fia) beifoieleweife 
an ben 8aulichfciten be« Äönigl. SRilittirbcpartemeut« in Berlin, ben ©ebauben ber 
Voge ju ben brei Seltfugeln bafelbft, bem ©cbulgebäube ju Gbarlottenburg, ben 
Sälen ber Seibcnfabrif ber $erren S3 e u b u i n & So. in 3fillichau, im ^auliuen- 
ftift iu Hamburg, ben ©aulicbfciten ber Altona: Vieler (Stfenbabu, ber ftäbtifchen 
3* au bebörbe jii 2öunfiebel in ©abero, }ablreicben ^rioatgebäuben Hamburg«, utib 
anberen Alflen, in welchen jufolge ber umfaffenbften SJerbeerungen bureb. Schwamm unb 
ftäulniß ba« .fcoUwert wieberbolentlicb erneuert werben mußte unb bat fic& feit ber »or 
fahren ftattgebabten «nwenbung be« glncotljflnntonc nirgenb« mehr eine Spur »cu 
Schwamm unb ftäulnifj gejeigt. 2onft liegen noeb bie günftigfien 3engnifTe über bie 
SiMrfungen biefer (ioiii»?of»tion von bem Dirigenten ber .Atrial. SD?inifteriat ^aueomiffton, 
@ebeimen Cberbauratb 3. !Mie$ in 8 er l in, bem #erjogl. «aumeiftcr §crrn söü reiner 
in Deffau. Gerrit Sonrector SB e der in (£bartettenburg, $crrn »tfmmcrmriftcr 
iöebrenborf in Jborn unb »telen Slnberen jur <Sinfia>t »er unb ifl ba« tflnmtljanaiou 
auch, »om ^er^egl. £anbbaumeifter »on ^afcow in #agcnow »ielfacb angewanbt. 

2öe ftcb ber Schwamm jetgt, fucht man irgenb eine Stelle, j. an Skctterii, 
2Wauer u. f. w. bloß ju legen, erwärmt tas itliifutljnnntoit , naebbem «« »orber gut rat« 
gefcbüttelt Worten, in einem irbenen ober eiferneu (Gefäße bt« jum Äocbpuntte (t>U°) unb 
bringt baffelbe in biefem fo erwärmten ^flaute mittelf) einer Sprite, eineO rauben 
$infel« et er einer Würfle auf bie febwammbebeetten Dbeile, woburch ba« Uebel fofort für 
immer befeitigt iß. Die unter gußböben beftnblia)e ßrte muß ebenfaff« mit ber glüfftgteit 
eingefbrengt werben. 

$»at bie 3erflörung febr um ftc^ gegriffen, fo ift e« freilia; nStbig. ba« $>oli, worauf 
ftcb ber ©cbwamm »erbrettet, fo ttiel wie moglia? an mehreren ©teQen bloß ju legen, um 
bemfelben überaO beijutommen. — Dielen, bie angegriffen, aber nic$t burc^gefault finb, 
rennen fofort wieber gelegt werben. 

SJei SSanerwerf, wo (5fflore«cen?en beginnen, ift e« ebenfaD« mit gutem (Srfolge an- 
üuwenben, inbem man bie im 9bfaOen begriffenen 2bt:\( entfernt unb, naa>bem bie 
^lüfftg!eit angebracht, folc^e wieber verbuken laßt, woburd) ba« {5ortfä>reiten ber Cfpore«cen,} 
»erbinbert wirb. 

Neubauten, n vu'iglicfc bei folgen, bie in feuchten Gegenbeu »orgenommem werben, 
tfl e« uötbig , um bie $iilbung be« Scbwamm« von vornherein \n berbüten, fSmmtlirbe 
^»oljtbeile »or bem Wieberlegen mit biefer glüfjigfeit ju imbragntren unb etwa eine \c\\ 
bohetgrbicht »on bräparirtem gd&wammfatj auf ba« Crbreia) ju feb.ütten refp. bie ©tänber 
3U umgeben, worauf nie ber Schwamm entfteben wirb. 




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Kleine BSckerstrartse Nr. 13. 




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binden, Suspensors, Gummi Strümpfe, Luftkissen, Clysopomps, 
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zeit zur Ansicht geöffnet, gleichfalls auch der grosse 
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(*fbc|tft 15 8<yr.; ßfbimbeu 18 @gr. 



Cito 2»ei0nrr in £aiiituu rf ift cv(d)ienfii: 

/ttirl 

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sterldichkeil. Böse und Gut. Pflicht, Sünde. Gewissen. Lohn und Strafe. Er- 
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FEB 6 1974 

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